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Über Kriminalität in der Hauptstadt

Wenn ich meine Großeltern in Köln besuche, höre ich immer die gleichen Fragen: "Hast du von dem Jugendlichen gehört, der erstochen wurde? Gibt es in Berlin wirklich eine Gangstergruppe, die nur alte Menschen überfällt? Nimmst du viele Drogen?" Ihnen ist die Hauptstadt suspekt. Auch viele ehemalige Freunde und Verwandte vom Dorf trauen sich zum Teil nur unter Vorbehalten nach Berlin.

Ich kann nachvollziehen, dass sich jemand vor Berlin fürchtet, der aus einer Kleinstadt kommt – wo die Polizei eine Task Force bildet, wenn drei Fahrräder geklaut wurden.

Laut Kriminalstatistik wurden in Berlin im Jahr 2014 15.873 Straftaten pro 100.000 Einwohner registriert. In Wuppertal waren es immerhin 9.793 pro 100.000. So viel weniger ist das also gar nicht. Bilden sich Menschen in weniger besiedelten Gegenden wie, sagen wir, Hamminkeln-Dingden vielleicht ihre Sicherheit gegenüber der Hauptstadt nur ein?

Max Deibert in Berlin

Während Berlin das Kind vom Dorf abschreckt, macht mich die Stadt mitunter leichtsinnig: Als gebürtiger Großstädter war ich überzeugt, mich in jeder Millionenstadt der Welt gefahrlos bewegen zu können. Wer in Berlin sicher ist, ist überall sicher!

China hat mich eines Besseren belehrt: In Zhangjiajie, einer Stadt mit 1,4 Millionen Einwohnern, flüchtete ich vor einer Massenkeilerei. Mir war nicht klar, dass ich in einer der eher wilderen Gegenden der Stadt gelandet war. Dass es nur einen Club gab und dass junge Chinesen wegen des Frauenmangels im Land gern miteinander stritten.

Max' erste Kolumne aus Berlin:

Das hat mir gezeigt: Es kommt nicht nur darauf an, sich mit Menschenmassen und Clubbesuchen auszukennen – sondern auch die Regeln einer Stadt zu beherrschen. Wuppertal ist anders als Berlin ist anders als Zhangjiajie.

In Fotos: Was es heißt, in Berlin cool zu sein
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In Berlin wäre ich niemals so naiv, mich ab 24 Uhr auf irgendeine Bank in Berlins ehemals schlimmstem Drogenumschlagspark "Hasenheide" zu setzen oder allein und besoffen über das RAW-Gelände zu irren: Hier kam es im vergangenen Jahr laut Polizei zu 732 Gewaltdelikten. Wer an seinem Handy hängt, sollte auch nicht in der U1 einschlafen. Ich weiß das.

Nur wie gehen Touristen damit um?

Wenn dir eine dieser Crystal-Leichen vom Bahnhof Zoo in zerrissenen Hosen entgegen torkelt und dich anstarrt, solltest du nicht zurückstarren. Wenn jemand fragt, ob du Drogen kaufen willst, sag nicht "Nein, danke", sondern gehe einfach weiter und halt den Mund. Wenn sich einer schlagen will, hau ab. Diskutiere nicht mit Türstehern, schon gar nicht, wenn du betrunken bist.

Zusatztipp: Sprich nicht mit Dialekt oder auf Spanisch, wenn du in der Schlange vor einem Club stehst, fahr um Himmels Willen nicht auf Segways die Bergmannstraße entlang und wag es bloß nicht, ein Bierbike zu besteigen.

Berlin only

Für bento berichtet Max Deibert regelmäßig aus Berlin. Und zwar aus Berlin only. In welchen Club sollte man gehen? In welchen nicht? Haben Veganer Friedrichshain unter ihre Kontrolle gebracht? Wie muss ich mich anziehen, um in Berlin als "sexy" empfunden zu werden? Max teilt seine besten Antworten und Lebensweisheiten in dieser Kolumne mit euch.

Es ist leicht, ein friedliches Leben in Berlin zu führen. Ich bin erst selten in unangenehme Situationen geraten und wenn, war es meist meine Schuld. Einmal zum Beispiel bemerkte ich nicht, dass mir drei Typen vom Kottbusser Tor in Kreuzberg folgten. In einer Nebenstraße fingen sie an, mich zu beleidigen, weil sie sich prügeln wollten. Ich blieb ruhig, deswegen passierte mir nichts. Auch Junkies tun dir nichts, außer du machst etwas legendär Dummes.

Liebe Wuppertaler und Hamminkeln-Dingdener, kommt ruhig her! Es ist nicht so schlimm, wie Sido es euch 2004 in "Mein Block" erzählte. Mittlerweile singt er Songs mit Andreas Bourani. Lest besser diese Benimm-Regeln noch ein zweites Mal durch. Und fragt im Zweifelsfall noch mal bei anderen Berlinern nach.

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