Mit Instagram seinen Lebensunterhalt verdienen? Maximilian Muench schafft das: mit Reisefotos von den Färöern etwa oder aus Sachsen. Fotografen wie er werden von Werbern gesucht - und gut bezahlt.

Wenn Maximilian Muench seinen Job beschreibt, schütteln viele ungläubig den Kopf. "Dass man sein Geld mit einer App verdient, die viele zum Essen fotografieren und Selfies posten nutzen, glauben viele zunächst nicht", sagt der 24-Jährige.

Über 34 Länder hat er seit Februar letzten Jahres bereist und seine Fotos auf Instagram veröffentlicht. 215.000 Menschen folgen seinem Account mittlerweile, jedes Bild wird durchschnittlich zwischen 10.000 und 20.000 mal geliked. Die meisten Herzen erhielt er für seine Fotos von den Färöer Inseln, Island, Kanada und Sachsen.

In der Slideshow: Mit diesen Bildern finanziert Max sein Leben
1/12

Herrlich entspannt stellt man sich diesen Job vor – auf Kosten von Auftraggebern reisen, in der Hängematte faulenzen und jeden Tag "nur" ein Bild posten, vielleicht auch nur ein Schnappschuss aus dem Viersterne-Hotel-Fenster.

Solche Vorurteile hört Maximilian Muench öfter, doch sein Alltag sieht anders aus. "Bei meinen Reisen beginnt jeder Tag vor Sonnenaufgang und endet nach Mitternacht", sagt Muench. "Einen Feierabend gibt es für mich nicht." Auch auf Luxus verzichte er. "Ich begnüge mich mit Käsetoast und schlafe meistens im Zelt – damit ich mich auf das Wesentliche, die Bilder, konzentrieren kann."

Einen Feierabend gibt es für mich nicht.

Bis zu tausend Fotos würde er bei jeder Reise machen, nur wenige davon seien gut genug für seinen Account. Fotografierte er anfangs noch mit einem Smartphone, ist es mittlerweile eine Spiegelreflexkamera. "Bis vor einem Jahr hatte ich keinen blassen Schimmer, was eine Blende ist oder warum Festbrennweiten ganz geil sind", sagt Muench, der vor seinem neuen Job in Berlin Musikproduktion studiert hat. "Und auch heute experimentiere ich noch viel und suche meinen Stil".

Seine Landschaftsbilder sind poetisch, Menschen sind bei ihm nur winzige Silhouetten in der Einsamkeit und Weite der Welt. Postkartenoptik ist Muench fremd. "Bei blauem Himmel fühle ich mich nicht wohl. Ich bin auch lieber in kalten Regionen unterwegs. Um es mit Musik zu vergleichen: Moll macht mich glücklicher als Dur", sagt Muench, der bereits als Fünfjähriger Klavierunterricht hatte und auch heute noch gerne spielt. "Oder wie es in Kommentaren öfter heißt "Mood bro!"

Bei Fotografie und Bildbearbeitung hört sein Beruf nicht auf

Täglich antwortet er auf durchschnittlich 200 Fragen oder Kommentare seiner Fans zu jedem Foto und hält Kontakt zu Auftraggebern. Dabei ist er eigentlich kein großer Internet-Fan. "Ich genieße jede Minute, in der ich kein Internet habe", sagt Muench. Die permanente Erreichbarkeit sei anstrengend, gehöre aber zum Job dazu.

Angefangen hat er mit der Teilnahme an "Instameets", bei denen sich Instagramer persönlich zum Austausch treffen. "Ich habe viel von den erfahrenen Instagramern gelernt, was Organisation und Marketing anbelangt. Im April 2015 bin auf eigene Faust nach London gefahren und habe Konzepte bei Firmen wie Expedia gepitcht – und gewonnen."

Konzepte schreibt Muench auch als Projektkoordinator für die "German Roamers", einem Kollektiv aus 15 Landschaftsfotografen aus Deutschland. Für Auftraggeber wie zum Beispiel dem Tourismusverband Sachsen. "Zwei internationale Instagramer aus Kanada und Schweden wurden eingeladen, mit uns gemeinsam Sachsen zu entdecken. Dabei ging es darum, eine persönliche Perspektive auf die Region zu finden und authentische Fotos mit einer eigenen Bildsprache zu schießen."

Dass Instagram ein wichtiger Marketingkanal ist, um eine jüngere Zielgruppe zu erreichen, davon ist auch das Fremdenverkehrsamt in Finnland überzeugt. Seit 2015 laden sie Instagramer zu Fotoreisen ein, die ihre Eindrücke vom Land anschließend mit ihren Followern teilen. Handelt es sich um Kampagnen, wird zusätzlich ein Honorar gezahlt.

Die Reichweite spielt dabei nicht immer die größte Rolle.

"Wir arbeiten nicht automatisch mit denjenigen zusammen, die die meisten Follower haben. Die Bilder müssen auch zu unserem Stil und unserer Markepassen. Auch wenn jemand nur ein paar Tausend hat, ist das für uns in Ordnung, wenn er ein hohes Engagement bei jedem Posting zeigt", sagt Virpi Aittokoski, Medien-Koordinatorin bei Visit Finland.

Wer noch nicht wie Muench über ein großes Netzwerk an Auftraggebern verfügt, kann sich etwa beim Berliner Dienstleister Brandnew bewerben, der Instagramer mit Werbetreibenden zusammen bringt. Auch hier spielt die soziale Interaktion mit Fans eine wichtige Rolle. Addiere man die Anzahl der Likes und Kommentare eines Profils und teile sie durch die Anzahl der Follower, ergäbe sich ein gutes Indiz dafür, ob die Follower auch echt seien, sagt Francis Trapp, CEO und Gründer von Brandnew. "Alles, was kleiner ist als 0,5, ist grundsätzlich auffällig, alles über drei Prozent ist gut", sagt Trapp.

Die internationale Plattform Brandnew vermittelt sogenannte Influencer, Meinungsführer im Netz. Menschen, die auf Social-Media-Kanälen wie Instagram, Snapchat, Periscope oder YouTube Einfluss auf die Entscheidungen anderer nehmen können. Das Influencer-Marketing stehe gerade erst am Anfang, so Trapps Prognose. "Wir sehen deutlich wachsende und vor allem regelmäßig feste Budgets auf Markenseite."

Für ein Bild bekommt ein Instagramer, der 200.000 Follower hat, in Deutschland 600 Euro, in Nordamerika 1500 US-Dollar.

Im weiteren Reisesegment seien 700 Influencer auf der Plattform vertreten, etwa 100 kämen aus Deutschland. 40 Prozent, unter ihnen auch Muench, könnten damit ihren Lebensunterhalt bestreiten, sagt Trapp. "Eine sehr simple Daumenregel: Für ein Bild bekommt ein Instagramer, der 200.000 Follower hat, in Deutschland 600 Euro, in Nordamerika 1500 US-Dollar." Mindestens 100.000 Follower seien in der Regel nötig, um bei Brandnew aufgenommen zu werden.

Es gibt aber auch Ausnahmen, wie etwa Marisa Hampe. Die 22-Jährige hat aktuell 48.400 Follower. Sie studiert visuelle Kommunikation an der Universität der Künste in Berlin und arbeitet als Barkeeperin. "Einen kleinen Teil meines Lebensunterhalts kann ich mit Instagram-Aufträgen verdienen, allerdings nur unregelmäßig in den Semesterferien. In Zukunft könnte ich mir das als Vollzeitjob definitiv vorstellen."

Damit Geld zu verdienen, ist dabei nicht Hampes größte Motivation. "Die größte Resonanz erfahre ich, seitdem ich meine Leidenschaft Reisen, mit anderen teile. Von vielen habe ich gehört, dass sie zum Beispiel meiner Route in Thailand dieses Jahr gefolgt sind. Die Follower sehen, ob du liebst, was du tust!"

Dieser Artikel ist zuerst bei SPIEGEL ONLINE erschienen.


Haha

Einbrecher schlägt nachts Scheibe eines Dönerladens ein, isst Döner ohne Salat
Nur konsequent.

Es gibt nichts Schöneres, als nach einer Partynacht einen Döner zu essen. Wenn man unter der Woche feiert, haben viele Döner-Läden aber leider nachts geschlossen. Das ist ein Problem – wie kommt man dann an seinen Post-Party-Döner?