Bild: Abbie Bernet / Unsplash
Luksan Wunder gibt Tipps

Sie zerschneiden Kiwis mit Händen aus Brokkoli, nehmen Musikvideos wörtlich und erklären uns, wie Alltagswörter richtig ausgesprochen werden: Die Rede ist von dem Team hinter dem YouTube-Kanal Luksan Wunder.

Sagt dir nichts? Mindestens eines ihrer Videos hast du sicher schon gesehen. Vermutlich das weltweit viral gegangene "The most unsatisfying Video in the world", das die inneren Zwangsneurosen triggert, weil Kuchen schief geschnitten und Karten absurd schlecht gemischt werden. Oder die Literal Musikvideos, die selbst die Bands feiern, die darin vorgeführt werden. Zumindest aber wirst du von ihnen gelernt haben, wie man "Avocado" richtig ausspricht:

Da sich Luksan Wunder offenbar mit allem auskennt, was es im Netz so gibt, haben wir sie losgeschickt, um Tipps für die perfekten Insta-Fotos aus dem Urlaub zu sammeln. 

Klar, dass dafür die Reiseexperten des Kanals ausgewählt wurden: Die Reporter Birt und Lider vom Magazin "Reise(L)ust" verreisen zwar nie, berichtet dafür aber umso expertenhafter von Berlin aus über Ecuador oder über exotische Orte, wie dieses mysteriöse Hamburg. Genau die Profis, die man sich zur Vorbereitung auf eine Reise wünscht.

Hier ist ihr bento-Insta-Special:

Hinter dem Kanal steckt eine Handvoll Menschen aus Freiburg, die inzwischen in Vollzeit und mit Unterstützung einiger freie Mitarbeiter in Berlin an den Videos arbeiten.

Wir haben einen der Macher von Luksan Wunder, Sandro De Lorenzo Gardinal, gefragt, warum sie so erfolgreich sind.

(Bild: Wundertütenfabrik)

Sandro, wie macht man einen besonders guten schlechten Witz?

Im Idealfall lässt man alle Hierarchien hinter sich und behandelt die kluge politische Anspielung genau so wie den Pimmelwitz. 

Fällt dir denn ein guter Pimmelwitz ein?

Die Frage ist schwierig, denn es gibt ja keine schlechten Pimmelwitze.

Schlechte Aussprache, bekloppte Floskeln aus Reisemagazinen: Warum funktioniert das, was ihr macht?

Es funktioniert nicht alles, was wir machen. Aber ich glaube, dadurch, dass wir viel experimentieren und die Freiheit haben einfach mal Sachen ausprobieren, kommt regelmäßig etwas Witziges dabei raus. Was gut funktioniert, sind häufig Parodien: Wir spielen mit Dingen, die jeder kennt und drehen sie um – wie bei unserem Gegenstück zu den "satisfying Videos" oder unseren irrsinnig unpraktischen "Lifehacks". 

Ihr macht euch über alles lustig, was das Internet so hervorbringt – dafür müsst ihr all das sehr viel geguckt haben. Was habt ihr dabei gelernt?

Man beginnt, Mechanismen zu verstehen: Wie bestimmte Videos funktionieren, warum sie funktionieren und wie das Internet als Ganzes funktioniert. Diese Erkenntnisse sind nicht immer gut. 

Zum Beispiel?

Das Internet funktioniert sehr einfach. Die simpelsten Aussagen laufen am besten. Das Internet neigt dazu, komplexe Sachverhalte runterzubrechen: auf einen Satz, ein 30-Sekunden-Video oder ein Bild. Das ist problematisch – spätestens sobald es politisch wird. Manche Inhalte lassen sich nicht auf diese Art vereinfachen. 

Wo du komplexe Themen ansprichst: Warum macht ihr keine politischen Themen?

Es gibt viele Formate, die das schon machen und auch besser als wir. Fundierte politische Satire braucht viel Recherche und dadurch auch viel Personal. Außerdem besteht die politische Diskussion meist nur noch aus Aufregung, Empörung und Lagerbildung. Das ist eine Denkweise, die ich nicht bedienen will. 

"Luksan Wunder" geht auf Tour


Die Freiburger haben gerade zum zweiten Mal ein Album mit ironisch-albernen Songs herausgebracht. Es heißt "33 kleine Welthits". Ab April sind die Wunders außerdem auf Deutschland-Tour. Sandro beschreibt die Show als Mischung aus Sketchen, Musik, Standup und Videos: "Eine schnelle Abfolge von Skurrilitäten – quasi das Prinzip unseres Kanals auf die Bühne gebracht. Ein Feuerwerk an Gags – manche davon sind sogar gut."

So, so. Karten gibt es hier.

Ihr habt Tipps für die perfekten Urlaubs-Instafotos gesammelt. Was war dabei besonders herausfordernd?

Das Herausforderndste war, dass wir uns erstmal sehr, sehr viele Instagram-Bilder angucken mussten. 

Das Parodieren ist nicht schwer, wenn man die Muster verstanden hat. Wenn man voll im Insta-Game drin ist, dann fällt einem die Absurdität dessen, was dort passiert, oft gar nicht so auf. Wenn man aber einen Schritt zurück macht, sticht sie einem richtig ins Auge.  

So funktionieren auch die "Literal Videos". In einem aktuellen HipHop-Video führt jemand beispielsweise ein Krokodil an der Leine. Das sieht man und denkt sofort: Okay, was geht hier ab?! Für Leute, die voll im Rap-Game sind, ist das vermutlich normal, weil es schon das 40. Krokodil an der Leine ist...

Letzte Frage: Wie spricht man eigentlich deinen Namen aus?

Sandroliolio Gorgonzola-Loredana

Haben wir uns gedacht. Danke.


Art

Feministische Tattoo-Messe: "Ich dachte, ich bin nicht so cool wie die Jungs"
Was stechen junge, feministische Tätowiererinnen?

Vor der alten Lagerhalle im Hamburger Industriegebiet ist es ruhig. Ungewöhnlich ruhig – denn drinnen soll Hamburgs erste feministisch-antirassistische Tattoo-Convention "Ink About It!" laufen.

Aber hier ist eben alles ein bisschen anders als bei konventionellen Tattoo-Conventions: Keine überfüllte Messehalle voller breitschultriger Tätowierer und halbnackter Tattoo-Models. Kein Gedrängel, keine laute Mucke und kein Totenkopf-stechen im Akkord.

Diese Tattoo-Messe ist klein, unaufgeregt, familienfreundlich: Zwischen den Tattoo-Ständen rennen sogar Kinder umher. Im Hintergrund surren Tattoo-Nadeln im Chor und es riecht nach Desinfektionsmittel. Hektik scheint es nicht zu geben, die Besucherinnen und Besucher schlendern zwischen den Ständen umher, betrachten Motive, quatschen. Vor allem Frauen sind gekommen – aber auch ein paar Männer. Alle um die 30.

 An der Fabrikwand klebt das Motto der Veranstaltung. In pinken Großbuchstaben steht da: SOLIDARITÄT

Und ganz am Ende der Fabrikhalle steht die Messe-Chefin: Hanadi.