Der goldene Handschuh" heißt eine schlimme Absturz-Kneipe auf dem Kiez in Hamburg. Der Frauenmörder Fritz "Fiete" Honka ging hier in den siebziger Jahren ein und aus, bis ihm der Prozess gemacht wurde. Der Hamburger Autor Heinz Strunk hat sich in die Geschichte von damals vertieft und daraus ein Buch gemacht. Seine Milieustudie heißt so wie die Kaschemme.

Für Heinz Strunk ist "Der goldene Handschuh" das siebte Buch. Das erste, in dem es mal nicht um ihn geht. Nicht um seine traurige und pickelige Jugend oder seine Auftritte als Unterhaltungsmusiker. Sein neuestes Buch wurde dann auch gleich für den diesjährigen Leipziger Buchpreis nominiert.

Das ist auch kein Wunder. Heinz Strunk, der eigentlich Mathias Halfpape heißt, ist ein wahnsinniges Arbeitstier: Zusammen mit Rocko Schamoni und Jacques Palminger spielt er Theater in Hamburg. Sie haben die Band "Fraktus" gegründet und die angeblichen Pioniere des Techno mit einem Film ins Kino gebracht. Nebenbei Solo-Programm, Lesungen. Liefern, liefern, liefern.

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Die folgenden Zitate aus dem Buch zeigen: Heinz Strunk bleibt seinem Sound treu.
Er isst wütend seinen Sauerbraten, hackt ins Fleisch, als wollte er die Speise hinrichten.
Er hat den Kater von eineinhalb Flaschen Korn und jeder Menge Bier, und in seinem Sack gärt es.
Heinz Strunk: Der goldene Handschuh. Rowohlt-Verlag, 254 Seiten, 19,95 Euro
Als er ihr das Glas vom Mund wischen will, dreht sie so unglücklich ihren Kopf zur Seite, dass der Schlag härter als gewollt ausfällt und ihr Gebiss in tausend Teile, also Zähne, zerbricht, die sich auf dem Boden verteilen.
Für Gerda geht es nur noch um Stunden, Viertelstunden oder Minuten ohne Schmerzen, Angst, Kälte, Elend und was es sonst so gibt.
Er greift ihr in die Haare, zieht den Kopf in den Nacken, dass die Wirbel knacken, und rotzt ihr ins Gesicht.
Er gräbt und bohrt mit seinen schmutzigen Fingern tief im entzündeten Arschloch, doch die Finger sind zu kurz, er müsste noch tiefer kommen, viel tiefer!
Ihre Zunge klebt vom Speichel, es schmeckt nach Knoblauch, schalem Bier und dem süß-sauren Samen von zweihundert Männern.
Der Dicke, der ehemals weiße Pullover und der Affe rollen als unentwirrbares Knäuel, als Brei aus Blut, zersplitterten Knochen, Zähnen, Scheiße, Blut und Kotter auf dem Boden umher.
"Hier sitzen welche, die erst lachen, wenn Blut fließt, und wer lacht nicht gern."
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