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Zugfahren ist immer noch günstiger als Fliegen.

Ende Januar machte ein britischer Teenager mit einer verrückten Heimreise Schlagzeilen: Statt die 270 Kilometer mit dem Zug zu fahren, flog Jordan Cox von Sheffield im Zentrum Englands nach Berlin und von dort zurück nach Shenfield nordöstlich von London – und sparte dabei Geld. Inklusive Busfahrt zum Flughafen kostete der Flug über Berlin knapp acht Pfund (etwa zehn Euro) weniger als die direkte Zugverbindung innerhalb Englands – inklusive Trip zum Brandenburger Tor und Currywurst. ("Independent")

Ihr glaubt, das Gleiche könnte auch in Deutschland passieren? Schließlich verlangt die Deutsche Bahn horrende Preise für Züge, die dann entweder ausfallen oder verspätet sind? Es stimmt natürlich, dass die Bahn immer wieder Probleme macht. Aber: Wer ein paar Tricks kennt, kann in Deutschland und darüber hinaus sehr günstig Zug fahren – und so Geldbeutel und Umwelt schonen.

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Wir haben die besten Tipps zusammengestellt:

1. Der Klassiker: Die Sparpreise der Deutschen Bahn

Wenn du einige Zeit im Voraus weißt, wann du wohin fahren möchtest, kannst du den Sparpreis der Deutschen Bahn nutzen: Für Fahrten in der zweiten Klasse, auch im ICE, zahlst du damit 29 Euro, für Strecken bis 250 Kilometer sogar nur 19 Euro. Sind genügend Tickets verfügbar, können bis zu vier Reisende zu einem Festpreis von je 19 Euro mitfahren. Online kannst du den Sparpreis frühestens 91 Tage vor der Abfahrt buchen, am Schalter sogar schon sechs Monate im Voraus.

Die Bahn schaltet immer ein bestimmtes Kontingent der Sparpreise frei, deshalb gilt: Wer zuerst kommt, erhält das günstigste Ticket. Gerade für Termine, an denen viele Leute Zug fahren – Weihnachten und Ostern zum Beispiel – solltest du so früh wie möglich nach Sparpreisen suchen. Doch auch wenn die günstigsten Tickets schon weg sind: Zwischen dem 29-Euro-Sparpreis und dem sogenannten Flexpreis (früher hieß der Normalpreis) liegen viele Abstufungen.

Für Fahrten unter der Woche und zu "unangenehmeren" Zeiten (früh am Morgen, spät am Abend, mitten am Tag) gibt es oft auch kurzfristig noch günstige Tickets. Für alle Sparpreise besteht Zugbindung. (Deutsche Bahn)


2. Sparpreis Europa – auch innerhalb Deutschlands

So absurd das ist: Auch wenn du nur innerhalb Deutschlands Zug fahren willst, ist es manchmal günstiger, eine Auslands-Reise zu buchen. Willst du zum Beispiel von Berlin nach Osnabrück reisen, solltest du auch nach Tickets für die Strecke Berlin–Amsterdam schauen. Gibt es noch einen Europa-Sparpreis, ist das manchmal billiger als die kürzere, innerdeutsche Strecke. Also: Günstigeres, internationales Ticket buchen – und dann einfach in Osnabrück aussteigen.


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3. Hamburg-Köln-Express (HKX)

Es gibt auch andere Zuganbieter als die Deutsche Bahn – nicht besonders viele, aber einige sehr günstige und unabhängige. Mit dem Hamburg-Köln-Express (HKX) bist du für Strecken von Hamburg bis nach Frankfurt am Main (und für alles dazwischen) gut versorgt.

Die Preise sind gestaffelt, Hamburg-Köln kostet zum Beispiel 24 Euro, an besonders beliebten Tagen geht der Preis etwas hoch. In den Semesterferien bietet der HKX Studenten oft an, spontan einzusteigen und nur 18 Euro zu bezahlen, egal für welche Strecke (außer freitags und sonntags).

4. Über andere Seiten buchen

Bahntickets musst du nicht direkt bei der Deutschen Bahn kaufen – das geht auch bei anderen Seiten, zum Beispiel bei LTur. Der Reiseanbieter stellte früher jeweils sieben Tage, drei Tage und einen Tag vor Reisedatum Restkontingente zur Verfügung – diese sind jetzt zwar (anders als früher) nicht mehr dauerhaft verfügbar (SPIEGEL ONLINE), durchaus aber in zeitlich begrenzten Aktionen. So sind bei LTur nach wie vor oft günstige Tickets ab 19 Euro verfügbar. Wir haben das getestet: Zum Beispiel mit dieser Fahrt am Samstagmittag von Hamburg nach Hannover.

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5. Vergleichen

Bei "From A to B" kannst du dir für eine Reisestrecke alle Möglichkeiten anzeigen lassen – also Zug, Flugzeug, Fernbus und Mitfahrgelegenheit vergleichen. Die Ergebnisse kannst du nach deinen Wünschen filtern, sie werden nach Reisedauer und Preis sortiert. Das Portal zeigt: Auf Strecken innerhalb Deutschlands ist Zugfahren meist deutlich günstiger als Fliegen. Auf jeden Fall dann, wenn du weniger als zwei Monate im Voraus buchst.


6. Bahncard 25

Mit der günstigsten Bahncard gibt es 25 Prozent Rabatt auf alle Fahrten im Nah- und Fernverkehr der Deutschen Bahn. Das Beste: Anders als die Bahncard 50 gilt die Bahncard 25 auch bei Sparpreisen. Ohne Ermäßigung kostet sie 62 Euro pro Jahr, Schüler, Azubis und Studenten bis 26 Jahre zahlen den ermäßigten Preis von 41 Euro. Den Preis für die Bahncard hast du also in der Regel schon mit wenigen Fernfahrten wieder reingeholt.



Wer spontan wegfahren und 25 Prozent Rabatt bekommen möchte, kann die Bahncard 25 einfach online bestellen und eine vorläufige Karte ausdrucken; die endgültige kommt dann per Post. Übrigens: Mit einer Bahncard kannst du am Bahnbonus-Programm teilnehmen, also mit jeder Fahrt Punkte sammeln. Für jeden bezahlten Euro gibt es einen Prämienpunkt. Wenn du 1000 Prämienpunkte hast, kannst du sie gegen eine Freifahrt einlösen, egal wohin. (Deutsche Bahn)


Darüber hinaus gibt es zwei Strategien, die zwar momentan nicht funktionieren, die aber jederzeit wieder aktuell werden könnten:

7. Werbung auf Fernbus-Seiten nutzen

Dieser Trick erfordert ein bisschen Geduld. Zunächst suchst du bei einem Fernbusanbieter nach deiner gewünschten Strecke. Dann klickst du dich in der Buchung so lang durch, bis das Werbebanner der Deutschen Bahn erscheint – das dir deine Strecke zu einem Sparpreis anbietet, der auf der Bahnseite selbst nicht angeboten wird. Klickst du darauf, wirst du direkt zur Buchung des günstigen Tickets auf die Bahnseite weitergeleitet.

Der Haken: Manchmal brauchst du mehrere Anläufe, bis die Bahnwerbung erscheint – und manchmal klappt es gar nicht. Derzeit schaltet Meinfernbus/Flixbus zudem gar keine Werbung mehr auf seinen Seiten, deshalb funktioniert der Trick im Moment nicht. Bleibt zu hoffen, dass sich das bald wieder ändert.


8. Sparpreis für 19 Euro

Streikende Gewerkschaften, wachsende Konkurrenz durch Fernbusse: Im vergangenen Jahr überlegte sich die Deutsche Bahn ein neues Lockangebot, um ihre Kunden zu halten – oder zurückzugewinnen. Im Sommer gab es erstmals ein Kontingent an 19-Euro-Tickets für beliebige Fahrten im Fernverkehr, also mit ICE, IC und EC – egal, wie lang die Strecke war. Ein paar Monate später wurde ein zweites Kontingent freigeschaltet.


Die Tickets konnten jeweils nur für einen bestimmten Zeitraum gebucht werden, außerdem war die Anzahl begrenzt. Inhaber der Bahncard 25 bekamen wie gewohnt 25 Prozent Rabatt. Ob und wenn ja wann die Bahn ein solches Kontingent wieder freischalten wird, ist nicht bekannt. Deshalb gilt: Augen offen halten. (Welt, Maulwurf)

9. Anbieter kombinieren

Bei internationalen Fahrten ist es oft schwierig, den günstigsten Preis zu finden: Die Anbieter in den einzelnen Ländern bieten nur begrenzt internationale Strecken an, die Buchung über mehrere Anbieter ist unübersichtlich. Damit ihr nicht während der Buchung ständig zwischen verschiedenen Portalen wechseln müsst, gibt es Captain Train. Die Seite verbindet die Systeme von Zug- und Busanbietern in Belgien, Deutschland, Frankreich und Italien. Buchungsgebühren gibt es keine, das Portal finanziert sich über Kommissionen der jeweiligen Anbieter – um Preise zu vergleichen müsst ihr euch allerdings anmelden.