Bild: Antonia Kourtides
Unsere Autorin nimmt uns mit ins Land ihrer Großeltern – ohne die eigene Stadt zu verlassen.

 

Ein leichter Wind weht und trägt den Geruch des salzigen Wassers mit sich. Ich tauche meine Füße in den warmen Sand und weiß, dass ein paar der Sandkörner später auch nach mehrmaligem Duschen irgendwie in meinem Bett landen werden. Aber das ist egal. Ein gutes Buch und das Meer, mehr braucht es nicht, um mich glücklich zu machen. Am Abend sitze ich mit Freunden auf dem Balkon. Wir essen, trinken und lachen während die Zikaden ihr immer gleiches Lied singen.

Im Juni wollte ich wieder nach Griechenland. Diesmal länger. Ich wollte das Land besser kennenlernen, die Sprache üben, Zeit verbringen mit Menschen, die ich liebe und die ich im restlichen Jahr zu selten sehe. Dann kam Corona. Gezwungenermaßen wurden meine Reisepläne begraben und ich entschied: Dieses Jahr muss Griechenland zu mir kommen. Meine Großeltern kamen vor 60 Jahren von dort nach Deutschland und so war ein Stück Griechenland schon immer hier bei mir. 

Vergesst Gyros und Souflaki

Eine Sache, die man in Deutschland ohne Probleme haben kann, ist gutes griechisches Essen. Hierzulande verbinden die meisten mit der griechischen Küche vor allem sehr viel Fleisch. Dabei hat sie so viel mehr zu bieten! In Griechenland teilt man sein Essen, daher komme verschiedenste kleine Vorspeisen auf den Tisch: Mezedes. 

Einfach nachzukochen, lecker und viele von ihnen sogar vegetarisch. Neben Tzatziki, das bei den Mezedes nicht fehlen darf, gibt es noch andere leckere Pasten, die schnell zubereitet werden können. Bei Tarama, einer Creme aus Fischrogen, und Skordalia, einer Knoblauchcreme, kann man sogar altes Brot verwerten. Außerdem ist der enthaltene Knoblauch gesund – und in Zeiten von Social Distancing und Mundschutz muss sich auch niemand Gedanken über seine Knobifahne machen.

Zu den Pasten passen perfekt Kolokithakia tiganita und Saganaki, frittierte Zucchini und gebackener Schafskäse. Zusammen mit einem griechischen Bauernsalat, Pitabrot oder Pommes ergibt das ein abwechslungsreiches Abendessen.

Ihr habt keine Lust zu kochen und wollt lieber Essen bestellen? Dann probiert statt Gyros und Souflaki doch einmal Gavros. Das sind frittierte Sardellen, die im Ganzen gegessen werden.

Die perfekte Mahlzeit am Meer: Gavros mit Pommes und Tzaziki. 

(Bild: Antonia Kourtides)

Eiskaffee und griechische Literatur

Das Meer kann man hier leider nicht ersetzen. Aber mit dem geheimen Nationalgetränk der Griechen, dem Frappé, könnt ihr ohne großen Aufwand entspannen. Dafür braucht ihr nur Instantkaffee, Wasser, Zucker, Milch und einen schönen Platz in der Sonne.

Dann fehlt nur noch das passende Buch. Wer sich mehr mit dem virtuellen Reiseland und seinen Leuten beschäftigen will, findet hier ein paar Ideen:

  • Die "Odyssee" von Homer ist eines der ältesten literarischen Meisterwerke. Während ihr gar nicht raus dürft, findet Odysseus nicht mehr nach Hause. Auf seiner zehnjährigen Irrfahrt erlebt er viele Abenteuer, die heutigen Filmen und Büchern immer wieder als Grundlage dienen. Da das Epos schon über 2000 Jahre alt ist, ist es urheberrechtsfrei und ihr könnt es als E-Book gratis lesen.
  • "Die Königin der bunten Tüten" von Linda Zervakis. Sie war die erste Tagesschausprecherin mit Migrationshintergrund und erzählt in ihrem Buch, wie es war, als Kind von Gastarbeitern in Deutschland aufzuwachsen. Dabei erzählt sie eine Geschichte, die sich in den 60er Jahren in ähnlicher Weise überall in der BRD zugetragen hat.
  • "Alexis Sorbas" von Nikos Kazantzakis ist wahrscheinlich der bekannteste griechische Roman der Neuzeit. Die Geschichte spielt auf Kreta und handelt von Freundschaft, Liebe und Leidenschaft. Es folgt dem Lebensmotto des Minenarbeiters Alexis Sorbas: "Das Leben lieben und den Tod nicht fürchten."

Einfach mal in der Sonne entspannen.

(Bild: Antonia Kourtides)

Ausgrabungen, Kunst und virtuelle Weinverkostung

Falls das Wetter auf deinem Balkon versucht, die imaginäre Reise nach Griechenland zu verhindern, gibt es auch online zahlreiche Möglichkeiten dafür. Das Tourismusministerium Griechenlands hat wegen der Corona-Pandemie eine Webseite für Touristen entwickelt, auf der bekannte Griechinnen und Griechen die Kultur ihres Landes vorstellen. Man kann vor malerischer Kulisse Yoga machen, griechischen Wein verkosten, kochen und mit Musikerinnen und Musikern singen.

Auch die über 2000 Jahre alte Stadt Thessaloniki bietet sich für eine virtuelle Tour an an. Bis heute werden dort nämlich bei fast jeder Baumaßnahme archäologische Überreste gefunden, von denen viele ins Stadtbild integriert sind. Als virtueller Tourist kann man einfach einen Google-Streetview-Spaziergang durch die Stadt machen und entdeckt fast an jeder Ecke ein antikes Bauwerk. Einige der Museen in Athen kann man einfach über Google Arts and Culture virtuell besuchen.

Von der Akropolis in Thessaloniki hat man den besten Blick über die Stadt.

(Bild: Antonia Kourtides)

Alpha, Beta, Omega?

Griechisch schreibt man mit einem eigenen Alphabet, das dem kyrillischen ähnelt. Die meisten kennen zumindest die Buchstaben Alpha, Beta und Omega aus dem Mathe- oder Physikunterricht. Beschäftigt man sich ein wenig damit, ist auch der Rest des griechischen Alphabets schnell erlernt. Einige Buchstaben können Deutschen bei der Aussprache trotzdem Schwierigkeiten bereiten: Das "R" wird mit der Zunge gerollt und das "D" ähnelt dem englischen "th". 

In griechischen Restaurants standen früher die wichtigsten Wörter und Sätze häufig auf den Servietten. Wer die Sprache über das Servietten-Griechisch hinaus lernen will, kann über die 50 Languages oder die App Duolingo damit anfangen – hier aber leider nur, wenn man bereits Englisch-Kenntnisse hat. 

Bären, Wölfe, Wohlfühlfilme

Wer sich lieber berieseln lässt, findet gleich mehrere Stunden Unterhaltung mit der fünfteiligen Doku-Reihe "Griechenland: Von den Gipfeln bis ans Meer". In jeder Folge werden Bewohnerinnen und Bewohner der verschiedenen Regionen und ihre Traditionen vorgestellt. Wer bisher nur für Strandurlaub dort war, bekommt einen umfassendern Eindruck des restlichen Griechenlands. Denn drei Viertel des Landes bestehen aus Gebirge, in den Wäldern des Hinterlandes leben wilde Bären und Wölfe. Man findet die Doku-Serie bei YouTube und zeitlich begrenzt in der 3sat-Mediathek.

Der Olymp ist das höchste Gebirge Griechenlands.

(Bild: Antonia Kourtides)

Als Wohlfühlfilm für abends auf dem Sofa eignet sich außerdem "Mamma Mia!". Das Hollywood-Musical mit Abba-Songs wurde in Griechenland gedreht und zeigt vor allem dessen paradiesische Kulissen.

Das beste Griechenland-Erlebnis bekommt man aber ganz ohne Fernseher: An einem lauen Sommerabend draußen sitzend, mit griechischem Wein in der Hand und der Musik von Mikis Theodorakis auf den Ohren. Wenn man dann die Augen schließt, hört man schon fast die Zikaden zirpen.


Style

Möbel, Pflanzen, Deko: So machst du deinen Balkon bereit für den Sommer

Menschen mit Balkon können sich momentan sehr glücklich schätzen, denn sie haben die Möglichkeit, frische Luft, Vogelzwitschern und Sonnenstrahlen zu genießen, ohne das Haus verlassen zu müssen. Wie man aus den eigenen paar Quadratmetern unter freiem Himmel das Meiste rausholt, haben wir zwei Interior-Blogger mit besonders schönen Balkonen gefragt. 

Antonia Schmitz schreibt unter craftifair.com seit 2013 nicht nur über ihren Wohnstil, der nach eigenen Angaben eine Mischung aus Vintage, skandinavischem Design und Bohochic ist, sondern versorgt ihre Leser auch regelmäßig mit Do-it-yourself-Projekten. Der Balkon ihrer Altbauwohnung in Köln ist etwa vier Quadratmeter groß und nach Norden ausgerichtet, nur im Hochsommer kriegt er etwas Sonne ab.