Wenn Glaube zum Lifestyle wird.

Muslime beten fünfmal am Tag – zuerst zum Sonnenaufgang, zuletzt spät in der Nacht. Bestenfalls gehen sie dafür in eine Moschee, aber meist fehlt die Zeit. 

Wer seine Gebete trotzdem möglichst zeitgenau durchführen möchte, betet daher einfach dort, wo er gerade ist. Im Büro, in der Schule, auf einem Basketballplatz oder auf einem Berg beim Wandern. 

Die Gebetsorte können mal magisch, mal banal sein – aber sie alle zeigen, wie Menschen eins mit sich und ihrem Glauben werden. Egal wo.

Die amerikanische Fotografin Sana Ullah hat genau das fasziniert. Vor zwei Jahren hat sie daher die Fotoserie "Places You'll Pray" gestartet – Orte, an denen du betest. Auf ihrer Homepage und auf Instagram zeigt die 24-Jährige genau das: Muslime in München, Schottland und Peru oder in Flugzeugtoiletten und an der Uni.

So sehen die ungewöhnlichen Gebetsorte von Muslimen auf aller Welt aus:
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Sana kommt aus Florida und studiert Kunst und Fotografie in Washington. Die Idee zur Fotoserie kam von einem Besuch in Kanada, bei dem sie erstmals im Schnee betete. "Es war unglaublich", erzählt sie (Huffington Post). 

"Die Stille des Winters, die Endlosigkeit des Schnees – es war etwas, das ich nie vergessen werde." Aus der Idee wurden erste Fotos, aus den Fotos schließlich ihre Masterarbeit.

Sich als Muslim und US-Bürgerin zu identifizieren, sei in letzter Zeit schwer geworden, schreibt Sana auf ihrer Homepage. Das liege vor allem daran, wie Muslime dargestellt werden: düster, verhüllt, zurückgezogen. 

Die Fotos von Sana holen betende Muslime aus der Hinterhofmoschee und bringen sie zurück in die Wirklichkeit.

"Meine Idee ist es, offene Gespräche über Identität, Religion und Stereotypen anzuregen", sagt Sana.

Tatsächlich ist das Beten an jedem Ort für viele Muslime normaler Alltag. Und nicht neu: Schon der von Muslimen verehrte Prophet Muhammad betete vor allem in der Wüste. Mit seiner Gefolgschaft, den ersten Muslimen, war Muhammad mit Karawanen auf der Arabischen Halbinsel unterwegs. 

Die Gebete verrichteten sie, wo immer Platz für einen Gebetsteppich war, später schuf Muhammad Regeln, wie Muslime die Gebete außerhalb der Moschee am besten durchführen können. Die einfache Botschaft dahinter: Gott hat überall ein Ohr für dich.

Das islamische Gebet

Muslime beten immer so, dass sie gen Mekka schauen. Die Stadt in Saudi-Arabien gilt als besonders heilig. Wichtig für das Gebet ist, sich vorher zu säubern – und auch eine saubere Unterlage zu haben.

Es gibt fünf Zeiten jeden Tag: "Fadschr" zum Sonnenaufgang, "Zuhr" zur Mittagszeit, "Asr" am Nachmittag, "Maghrib" kurz nach Sonnenuntergang und "Ischa" im Laufe der Nacht.

Sana hat mit ihrer Arbeit aber auch einen Hashtag geschaffen – und damit eine alte Glaubenspraxis ins Instagram-Zeitalter gehoben. 

#PlacesYoullPray wird so auch zur Selbstinszenierung. Das ist die Kehrseite. 

Aus dem stillen Gebet, aus der Einswerdung mit dem Glauben wird auf Instagram plötzlich ein Lifestyle:

Seht her, ich bin ein guter Muslim und ganz nebenbei noch beim Trekking-Urlaub in Schottland!

Der religiöse Moment sieht dann unter all den Hashtags nur wenig anders aus als ein Yoga-Blog.

Sana stört das nicht. Wichtig ist, sichtbar zu sein – je verschiedener die Fotos und Orte, desto eher werde allen klar, "wie vielfältig und unterschiedlich die muslimische Community tatsächlich ist". Und es helfe dabei, das Miteinander zu normalisieren: "Die Muslime, die mitmachen, merken dass es okay ist, Muslim zu sein."


Today

Echt jetzt? Forscher transplantieren erstmals den Kopf einer Ratte
Es ist nur der Anfang.

Forscher an der Harbin Medical University in China haben zum ersten Mal eine Kopftransplantation bei einer Ratte durchgeführt. Laut dem umstrittenen italienischen Forscher Sergio Canavero gilt der im Fachmagazin CNS veröffentlichte Versuch als Vorlauf für eine Transplantation beim Menschen. (The Independent)