Bild: privat

Nach der Schule direkt arbeiten oder studieren? Muss nicht unbedingt sein. Viele entscheiden sich für eine soziale Arbeit im Ausland.

Wir haben mit fünf Menschen gesprochen, die einen Freiwilligendienst in Asien, Afrika, Ost- oder Westeuropa gemacht haben:
Luisa, 24, mit Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in Oświęcim, Polen.

Was genau? Historische und politische Bildung im jüdischen Zentrum Oświęcim/Auschwitz, vor allem deutsche und englische Führungen im Museum

(Bild: privat)

Warum der Freiwilligendienst?

Ich wollte vor dem Studium noch etwas Anderes erleben. Außerdem hat mich die Arbeit von Aktion Sühnezeichen angesprochen, die Organisation setzt sich mit dem Nationalsozialismus und den Folgen des Holocausts auseinander.

Als ich erfahren habe, dass ich in Oświęcim arbeiten würde, in Auschwitz also, musste ich erst mal schlucken. Schließlich gibt es für Deutsche kaum einen Ort, der symbolisch so stark aufgeladen ist.

Worauf warst du nicht vorbereitet?

Anfangs fiel es mir schwer, allein zu leben. Während andere Freiwillige in WGs untergebracht waren, war ich in meiner Wohnung alleine. Ohne Internetverbindung. Meine Familie und meine Freunde haben mir zunächst sehr gefehlt.

Im Winter kamen zudem weniger Besucher, weshalb ich seltener Führungen im Museum geben konnte. Ich hatte nicht erwartet, dass ich mitunter einen Tag damit verbringen würde, Briefe zu frankieren.

Was war besonders bereichernd?

Ich habe viel über den Umgang mit Auschwitz als Ort gelernt. Natürlich sind die Verbrechen des Nationalsozialismus allgegenwärtig, trotzdem sind wir dort abends – wie an jedem anderen Ort auch – gemeinsam in die Kneipe gegangen und haben viel gelacht. Für mich war die Erkenntnis wichtig, dass Oświęcim ein Ort ist, wo Alltag möglich ist und möglich sein muss.

Das Jahr hat mir auch gezeigt, wie wichtig es ist, sich mit Geschichte auseinanderzusetzen. Ich hatte Lust, noch mehr zu lernen – auch aus wissenschaftlicher Perspektive. Deshalb habe ich mich für Geschichte als Studienfach entschieden.

Was gibt es für Dienste?

Im Internet bieten unzählige Organisationen an, Freiwillige an Entwicklungsprojekte ins Ausland zu vermitteln – oft müssen die Helfer dafür auch noch viel Geld zahlen. Kritiker nennen diese Form des Freiwilligendienstes "Voluntourismus", eine Kombination aus "volunteering" und "tourism" also.

Es gibt aber auch europäisch und staatlich geförderte Programme wie den Europäischen Freiwilligendienst und weltwärts, die junge Menschen im Alter von 17 bis 27 Jahren für mindestens sechs Monate ins Ausland entsenden. Zum Programm gehören auch Seminare, die auf die Arbeit vor Ort vorbereiten und ein Lohn, angepasst an die Lebenshaltungskosten vor Ort.

Lilli, 22, mit weltwärts in Phnom Penh, Kambodscha

Was genau: Assistenz-Arbeit (Fundraising, Public Relations, Finanzen) und Englischunterricht von Kindern in einer NGO (Save Children in Asia Organization)

(Bild: privat)

Warum der Freiwilligendienst?

Ich wollte herausfinden, ob ich mir NGO- und Entwicklungsarbeit auch für die Zukunft vorstellen kann.

Worauf warst du nicht vorbereitet?

Ich hätte nicht erwartet, dass ich eine so große Rolle innerhalb der Organisation spielen würde. Oft habe ich Aufgaben übernommen, für die ich als 19-jährige Abiturientin eigentlich nicht qualifiziert war. Es hat mich natürlich stolz gemacht, dass ich dem dennoch gewachsen war.

Was war besonders bereichernd?

Als ich 2013 in Kambodscha war, kam es zu Demonstration wegen angeblicher Wahlfälschungen und später dann zu andauernden Protesten wegen der schlechten Arbeitsbedingungen in Textilfabriken. Die internationale Presse hat erst berichtet, als es wirtschaftlich relevant für den Westen wurde und es schließlich Todesopfer gab. Für mich war es spannend mitzuerleben, wie viel abseits des Weltfokus passiert, von dem ich in Deutschland nichts mitbekommen hätte.

Ich hoffe, dass ich durch meine Arbeit das ein oder andere Mädchen dazu inspiriert habe, sie selbst zu sein. Mir reicht es schon, wenn ich eine meiner Schülerinnen zu mehr Selbstbewusstsein und Selbstständigkeit motiviert habe.

Mittlerweile studiere ich Politikwissenschaft. Nach einem Jahr in einer NGO lernt man, dass nicht alles, was gut gemeint ist, auch gut ankommt. Dennoch möchte ich nach wie vor in der Entwicklungshilfe arbeiten.

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Laura, 22, mit dem Internationalen Jugendfreiwilligendienst (IJFD) nach Mostar, Bosnien-Herzegowina

Was genau: Mitarbeit im Pflegeheim für Menschen mit Behinderung und im Kindergarten (Zwei- bis Sechsjährige) der Caritas Mostar

(Bild: privat)

Worauf warst du nicht vorbereitet?

Dass es so lange dauern würde, Kroatisch zu lernen. Nach einem Jahr konnte ich mich zwar gut verständigen, bei den wirklich wichtigen Themen bin ich aber bis zum Schluss auf Englisch ausgewichen. An einem fremden Ort Fuß zu fassen, Freunde zu finden und die Kultur des Landes kennenzulernen, ist noch viel herausfordernder, wenn man die Sprache erst lernt.

Ich fand es traurig zu sehen, dass Eltern ihre Kinder wegen einer Behinderung abgegeben; zwei der im Pflegeheim lebenden Kinder wurden sogar im Müll gefunden. Außerdem haben mich manche Zustände vor Ort frustriert: Die Hände und Füße eines Jungen wurden von den Pflegern am Rollstuhl befestigt, damit er seine Kleidung nicht mehr in den Mund stecken konnte. Manche der Schwerbehinderte haben ihre Station auch das ganze Jahr nicht verlassen.

Was war besonders bereichernd?

Der Umgang der Pfleger mit den Menschen im Heim hat mich oft enttäuscht. Mit einem der Kinder habe ich so viel Laufen geübt, bis er echte Fortschritte gemacht hat. Als ich ihn später noch einmal besucht habe, hatte er fast alles wieder verlernt.

Beispiele wie diese haben mich motiviert, einen Bachelorabschluss in Rehabilitations-Psychologie zu machen. Ich möchte dazu beitragen, Entwicklungsdefizite vorzubeugen und behinderten oder benachteiligten Menschen zu einem glücklicheren und lebenswerten Leben zu verhelfen.

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Johannes, 22, mit weltwärts nach Pretoria, Südafrika

Was genau? Presse und Öffentlichkeitsarbeit bei einer NGO, die verschiedene Projekte wie zum Beispiel ein Frauenhaus, eine Obdachloseneinrichtung und einen Kindergarten unter einem Dach vereint

(Bild: privat)

Worauf warst du nicht vorbereitet?

In Südafrika ist die Gesellschaft immer noch stark gespalten. Die Innenstädte in Pretoria oder Johannesburg sind echte No-Go-Areas. Weil die Kriminalität in den Stadtzentren sehr hoch ist, gehen die Reichen kaum auf die Straße. Mir war im Vorfeld nicht bewusst, dass auch die Gegend, in der ich lebte als unsicher galt. Meine Organisation hat mich davor gewarnt, abends das Haus zu verlassen.

Was war besonders bereichernd?

Zusammen mit circa 20 anderen jungen Menschen war ich Teil einer "Guerilla-Gruppe", die zeigen wollte, dass auch Pretorias Innenstadt lebenswert ist. Gemeinsam haben wir Second-Hand-Märkte veranstaltet und einen Filmclub gegründet, der außergewöhnliche Filme an ungewöhnlichen Orten zeigte, zum Beispiel auf Hochhausdächern. Normalerweise findet Kino in Pretoria nur in Malls außerhalb des Stadtkerns statt.

Durch meine Arbeit hatte ich viel mit Menschen am Rande der Gesellschaft zu tun, zu meinen Aufgaben gehörte es zum Beispiel, Essen zu verteilen. Der Kontakt zu Obdachlosen oder Drogenabhängigen ließ mich zwangsläufig Vorurteile hinterfragen.

Clara, 23, mit dem Europäischen Freiwilligendienst (EFD) nach Carrickfergus, Nordirland

Was genau: Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in paramilitärisch geprägten Stadtteilen

(Bild: privat)

Warum der Freiwilligendienst?

Nach 13 Jahren Schule wollte ich vor dem Studium – im sozialen Bereich – praktische Erfahrungen sammeln. Mit dem Freiwilligendienst konnte ich mir dabei den Auslandsaufenthalt auch ohne die Hilfe meiner Eltern finanzieren. Ursprünglich wollte ich unbedingt nach Dublin, Carrickfergus musste ich erst einmal googeln.

Worauf warst du nicht vorbereitet?

In Nordirland ist der Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten nach wie vor spürbar (bento). Ich konnte mir kaum vorstellen, dass Religion mitten in Europa ein Anlass für Ausschreitungen und Hass ist. Die Gemeinden, in denen ich gearbeitet habe, stehen unter starken paramilitärischen Einfluss und schotten sich oft stark ab gegenüber anderer Sichtweisen und Einstellungen. Anfangs fiel es mir schwer, dort einen Zugang zu finden.

Was war besonders bereichernd?

Ich habe gelernt, meinen Perfektionismus auch mal abzulegen. Zu Beginn des Jahres wollte ich die Dinge, die in meinen Projekten schiefliefen, unbedingt verändern. Später konnte ich einschätzen, was machbar ist und was meine Möglichkeiten übersteigt.

Außerdem habe ich in meiner Arbeit gelernt, auf ganz unterschiedliche Menschen zuzugehen. In einem meiner Projekte haben junge Frauen Bildungsabschlüsse nachgeholt, die schon als Teenager Mütter wurden und nun von Sozialhilfe leben. In einem anderen Projekt habe ich mit protestantischen Jugendlichen zusammengearbeitet, die in ihrer Freizeit mit Marschkappellen durch katholische Gebiete zogen und "Fuck the Pope" riefen. Es war bereichernd, die Geschichten und Beweggründe der Jugendlichen zu verstehen.

Letztendlich habe ich es als sehr wertvoll empfunden, in einer Kleinstadt wie Carrickfergus zu leben und zu arbeiten. Da meine Freunde und Kollegen Einheimische waren, habe ich mich ganz anders in die Kultur des Landes eingelebt als zum Beispiel bei einem Erasmussemester in Dublin.


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