Wenn nur der Pilot es schafft, deinen harten Flirt zu unterbrechen.

An einem Flughafen passiert an einem einzigen Tag so viel, dass kein Leben ausreichen würde, um alles selbst zu erleben. Wir empfangen die Familie, verabschieden uns von besten Freunden, wir verlassen einen Ort mit großen Erwartungen – oder kehren an einen Ort zurück, der uns viel bedeutet. 

Egal, was wir durchmachen: Am Flughafen und in Flugzeugen gehts immer um Gefühle! In Wartehallen, in Schlangen, engen Sitzreihen, direkt auf dem Rollfeld passiert, was uns aufreibt, glücklich macht. Oder total verzweifeln lässt!

Hier erzählen vier bento-Autoren von einem Flug-Moment, den sie nie vergessen werden. 

Als Julia einmal fast mit einem Sexspielzeug geflogen wäre...

Als ich vor einigen Jahren am Flughafen in Porto war, rief mich der Sicherheitsdienst zu sich. Er hielt mir meinen Rucksack hin und fragte, was denn dort drin sei: "Klamotten? Bücher?" 

Ich hatte keine Ahnung, worauf er anspielte. Mit einer Handbewegung bat mich der Mitarbeiter ein Stück näher: "Do you have something to make massage?", fragte er leise. 

Ich schüttelte verunsichert den Kopf. Als er die Frage wiederholte und dabei peinlich berührt auf seinen Bildschirm zeigte, wurde mir klar, was er meinen könnte. 

Er hatte in meinem Rucksack einen Gegenstand entdeckt, den er sich nicht erklären konnte und wollte offenbar wissen, ob es sich dabei vielleicht um ein Sexspielzeug handeln könnte. Die peinliche Situation konnte ich dann schnell aufklären: Es war ein kleines Stativ.

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Als die Maschine, die Susan besteigen wollte, einen kleinen Defekt hatte...

Für eine Frauenzeitschrift arbeitete ich als Praktikantin im Beauty- und Mode-Ressort. Ich bekam die Möglichkeit, eine der Redakteurinnen auf eine Produktionsreise nach Vietnam zu begleiten. Ganz spontan!

Zehn Tage später stand ich nervös mit einem Koffer voller Marken-Kleidung für die Models – und ein wenig eigenem Gepäck – am Flughafen.

Ich gab meinen Koffer ab, ließ meinen Pass kontrollieren, wartete am Gate, bevor ich in den Bus stieg, der die Passagiere zum Flugzeug bringen sollte.

Doch der fuhr nicht los. Stattdessen stieg eine Flughafenmitarbeiterin ein – und erklärte uns, dass wir zurück zum Gate gehen sollten.

Nach über einer Stunde stellte sich heraus: Das Flugzeug, mit dem wir fliegen sollten, hat einen Platten

"Es kann sein, dass wir in einer Stunde fliegen", sagte ein Mitarbeiter der Airline. "Oder in fünf. Oder gar nicht. Kommt drauf an, ob uns eine andere Fluggesellschaft einen Reifen leiht." Ahja.

Telefonisch konnte der Flug offenbar nicht umgeschrieben werden. Ich verließ das Gate und ließ den Koffer aus dem Flugzeug holen.

Das Gefühl, wenn du es leider nicht in die Kabine schaffst.

(Bild: Unsplash )

Doch zurück in der Eingangshalle weigerte sich die Fluggesellschaft, mich mit einer anderen Maschine zu fliegen. Als ich das erfuhr, flog die erste Maschine gerade los. 

Eine Angestellte der Zeitschrift kam zum Flughafen – um mir zu sagen, dass ich nun leider gar nicht mehr fliegen könne. Der Koffer mit den Modelklamotten wurde stattdessen als Fracht verschickt, um weitere Kosten zu sparen. 

Ich war unfassbar wütend, weil ich gerade als Praktikantin immer wieder beweisen musste, dass ich mehr konnte als nur Post zu öffnen und nun – wenn auch unverschuldet – so ein Chaos angerichtet hatte. Ich kaufte zwei Plastiktüten, in die ich die paar Sachen stopfte, die noch in dem großen, zu verfrachtenden Koffer lagen. Und fuhr heim.

Als eine glücklich vergebene Mitarbeiterin, die ihren Namen lieber nicht nennen will, einen interessanten Typen traf...

Der große, blonde Mann war mir schon am Schalter im Flughafen aufgefallen, als er sich von einer Freundin verabschiedete.

Als er in den Flieger stieg, saß ich bereits auf meinem Platz. Unsere Blicke trafen sich. Peter – so sein Name, wie ich erst später erfuhr – schaute auf sein Ticket und dann zu mir. Er hatte gleich die Sitznummer nebenan. 

Po an Po, Herz an Herz.

Wir grüßten uns kurz, dann sah ich nervös aus dem Fenster – und sagte nichts mehr. Bis Peter mir das Essen der Stewardess weiterreichte und anschließend fragte, wie lang der Flug noch dauern würde. 

Eine komische Frage, wo die Flugzeit doch auf unseren Tickets stand – er wollte wohl einfach mit mir ins Gespräch kommen. Ich fand das süß.

Genauso süß wie das Buch, das er gerade las. Es ging darin um Kommunikation im Zeitalter von Social Media. Darum, dass wir nur noch miteinander schreiben, aber nicht mehr reden – und genau das wolle er jetzt mal anders machen, sagte er.

Hallo Süßer, auch hier?

(Bild: Imago)

Klingt nach einem schlechten Sat.1-Liebesfilm-Drehbuch? War aber so.

Wir sprachen über unseren Urlaub in Israel, darüber, dass er Medizin studierte, dass ich noch nie in Norwegen war. Es gab nicht eine Minute, in der wir schwiegen. Erst die Stimme des Piloten, der den Landeanflug ankündigte, unterbrach uns. 

Wir hatten uns nicht nach möglichen Partnern gefragt, nicht nach unseren Nummern, noch nicht einmal nach unseren Namen. Erst beim Abschied verrieten wir sie uns. Er flog weiter nach Norwegen, ich reiste mit dem Zug nach Hamburg. Wir hörten nie wieder voneinander.

Als Korinnas Weg zum Airport die Tortur ihres Lebens wurde...

Ich war 22 Jahre alt und hatte eine Freundin besucht, die in der Nähe von Washington, D.C., als Au Pair arbeitete. Der Flughafen war etwa anderthalb Stunden mit öffentlichen Verkehrsmitteln entfernt.

Wir hatten den Weg vorher gecheckt: Erst mit der einen U-Bahn in die Stadt rein, mit einer zweiten dann raus zum Flughafen. 

Nur leider stand im Internet nichts von der Baustelle auf der Strecke der zweiten U-Bahn.

Ich kam 40 Minuten vor Abflug am Flughafen an und wurde nicht mehr durch die Sicherheitskontrollen gelassen. Ich diskutierte mit den Frauen am Check-In. Aber nichts ging. Bis das Flugzeug tatsächlich ohne mich abhob.

Ich stand in Washington und es war spät. Keine U-Bahn fuhr mehr, die Flüge in den nächsten Tagen hätten alle über 2500 Euro gekostet, denn es war Ostern. Ich ging in eine Ecke und heulte los.

In der Halle waren mehrere kleine Büros von verschiedenen Fluglinien. Auch von einer kleinen kanadischen Fluglinie. Eine der Mitarbeiterinnen sprach mich an, was los sei. Sie und ihr Kollege machten irgendwas am Computer, tuschelten – während ich vollkommen mit meinem Leid beschäftigt war. 

Viel Spaß beim Neu-Suchen und Nichts-Finden!

(Bild: dpa / Bernd Settnik)

Plötzlich drückte mir die Frau ein Voucher in die Hand. Sie hatte mich als "Kundin" ihrer Fluglinie eingetragen und konnte mir dadurch einen Taxi-Gutschein geben. Damit ich zumindest zu meiner Freundin zurück konnte. 

Ich fuhr los und kümmerte mich in den kommenden Tagen in Ruhe um einen neuen Flug, der einigermaßen bezahlbar war. Aber so verloren und ratlos, wie in dieser Nacht am Flughafen, habe ich mich zuvor noch nie gefühlt.

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