Ich saß am Strand, dachte an die vergangenen vier Wochen zurück und musste einfach weinen. Hemmungslos liefen die Tränen, melancholisch starrte ich auf das Brechen der Wellen und beneidete den Yogi, der neben mir im Sand den Sonnengruß machte.

Er hatte das, was ich in diesem Moment so herbeisehnte: Ein Leben an dem Ort, den ich so ungern wieder verlassen wollte. Das Meer vor der Tür, und zwar 365 Tage im Jahr und bestimmt keinen grauen Alltag.

Fast jeder, der reist, kennt diesen Moment vor der Abreise. In dem man spürt, dass ein Teil einfach dort bleiben wird. Die Stunden, bevor man wieder in den Flieger steigt und weiß, dass das Abenteuer vorbei ist.

Zuhause angekommen wurde meine Stimmung nicht besser: Wehmütig zog ich ein Sommershirt nach dem anderen aus meinem Rucksack heraus. Mir graute es vor den nächsten Tagen im verregneten Deutschland, auf Alltag hatte ich so gar keine Lust.

Schlimmer noch: Ich war mir sicher, dass ich zuhause nie so ein Freiheitsgefühl haben würde, wie auf einer Reise.

Hätte mir damals jemand verraten, was gegen den Reise-Kater hilft – ich hätte ihm Geld dafür bezahlt. Gibt es ein Mittel dagegen? Oder muss jeder für sich herausfinden, ob und wie das Fernweh gelindert werden kann?

Wir haben die gefragt, die es wissen müssen: Reiseblogger.

Sie reisen ständig und müssen den Abschied deshalb unzählige Male durchstehen. Hier ist, was sie uns raten:

Lea Hajner ist österreichische Reisejournalistin und Bloggerin. Sie lebt in Innsbruck und liebt es, draußen zu sein. Auf ihrem Blog gibt sie Tipps für Abenteuer in ihrer Heimat und Reiseziele in der ganzen Welt.
(Bild: SimonBeizaae.com)

Lea hat uns drei Dinge verraten, die gegen den Reise-Kater helfen:

1. Das Fernweh zuhause stillen.

Wenn Lea das Fernweh überkommt, schafft sie sich ein Abenteuer – zu Hause. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Nacht im Zelt unter dem Sternenhimmel? Dazu braucht man nicht viel Geld und auch ein Zelt lässt sich im Freundeskreis auftreiben. Optional nimmt man dann noch jemanden mit, oder man genießt das kleine Abenteuer ganz allein.

Noch eine Situation, in der Lea ihr letztes Reiseziel gefehlt hat: "Als ich gerade wieder aus Thailand zurück war, hatte ich manchmal das Gefühl, thailändisches Essen zu riechen", erzählt Lea. Bei der nächsten Gelegenheit zum Asia-Supermarkt gehen, einkaufen und nachkochen, habe da oft gegen das aufkommende Fernweh geholfen.

Und für alle, die die interessanten Begegnungen auf Reisen vermissen und ein bisschen mehr wagen wollen, als eine Nacht im Zelt: In eine neue Stadt zu ziehen und dort ganz viele neue Leute kennenzulernen, hilft unwahrscheinlich.

2. Ganz unromantisch: Listen schreiben.

Lea schreibt sich Listen, auch schon vor der Abreise nach Deutschland. Die enthalten dann alles, was für die nächsten Tage erledigt werden muss, aber auch schöne Dinge, die sie unternehmen möchte. "Da sammelt sich so einiges an, von Arztterminen bis hin zu Freunden, die ich bald treffen möchte", sagt Lea. Die Listen geben ihr Struktur. Beim Abarbeiten startet sie mit den schönen Dingen.

3. Sich selbst eine kleine Pause gönnen.

Direkt nach der Ankunft in Deutschland wieder zur Arbeit – der blanke Horror für Lea. Soweit es geht, plant sie mindestens einen Tag Pause zwischen Reise und Alltag. Wäsche waschen, mit den Eltern telefonieren, Freunde treffen. Für den ersten Arbeitstag bietet sich übrigens der Donnerstag an: So hat man schon nach zwei Tagen wieder Wochenende und überfordert sein (reise-)verkatertes Ich nicht zu sehr.

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Anja Beckmann war ein Jahr lang auf Weltreise und reist heute mindestens vier Monate im Jahr. Die Kölnerin hat mehr als 50 Länder besucht und hält ihre Erlebnisse seit 2012 auf ihrem Blog fest.
(Bild: Anja Beckmann)

Was sind ihre Tipps gegen schreckliches Fernweh?

1. Etwas von der Reise mit nach Hause nehmen.

Auf ihrer letzten Reise durch Thailand hat Anja einen Kochkurs gemacht. Wenn sie das Fernweh überkommt, lädt sie Freunde ein und kocht die Rezepte nach. Auch andere Mitbringsel stehen mittlerweile in ihrer Wohnung: eine Alpaca-Figur aus Peru, eine Holzmaske aus Bali. Machen die Erinnerungen nicht noch sehnsüchtiger? Nein, findet Anja. "Sie erinnern mich an die schönen Momente", sagt Anja.

2. Sich mit Gleichgesinnten unterhalten.

Nicht alle Menschen haben so ein unstillbares Verlangen nach dem Unbekannten, Fernen, Aufregenden. "Mein Freund ist zum Beispiel auch echt gerne zuhause", sagt Anja. Wichtig, wenn das Fernweh kommt: "Dann tausche ich mich mit Freunden aus, die an denselben Orten waren und den Kater nach der Reise gut kennen", sagt Anja.

3. Den Wohlfühlfaktor erhöhen.

Anja gestaltet ihren Balkon momentan mexikanisch. "Eine schöne Wohnung, in der ich mich wohlfühle, erleichtert mir das Ankommen auf jeden Fall", sagt Anja. In das eigene Zuhause investieren – das sollte auf die To-Do Liste schon vor der Reise.

Auch Marianna Hillmer gehen die Reiseideen nicht aus: eine Containerschiffreise über einen großen Ozean, Segelfliegen über den Alpen, einen Zirkus auf Tour begleiten oder auf einem Esel den Nil entlang reiten.
(Bild: Johannes Klaus)

Auf ihrem Blog berichtet sie über ihre Abenteuer. Hier ist, was ihr gegen den Reise-Kater hilft:

1. Putzen – und zwar schon vor der Reise.

Wenn du niedergeschlagen vom Flughafen kommst, die Tür deiner Wohnung aufschließt – und dich das blanke Chaos anstarrt. Das ist nicht wirklich das, was du in diesem Moment brauchst. Bevor dich die Tränen überkommen, weil du jetzt zu allem Überfluss auch noch Aufräumen musst, mach es dir leichter: "Ich hinterlasse mir die Wohnung immer blitzblank und aufgeräumt", sagt sie. Eine Sache weniger, die einem die Laune vermiest!

2. Sich keine andere Wahl lassen.

Gegen Ende der Reise lässt Marianna es meist ruhig angehen und sucht sich einen schönen Ort zum Entspannen. Wo kann man das besser, als in einem Luxushotel? Ein positiver Nebeneffekt: "Mehr als eine Nacht kann ich mir da eh nicht leisten. Das macht die Abreise dann immer sehr einfach", sagt Marianna.

3. Die nächste Reise planen.

Und wenn nichts von alledem hilft: Die nächste Reise planen. Das ist wohl die zuverlässigste Methode, die Tristesse in der trüben Heimat zu überleben.

Noch mehr Dos and Don'ts

Wir lieben Städtereisen und haben Tipps für AntwerpenBarcelona, Belfast, BelgradBrüsselDublin, Florenz, Kopenhagen, LondonParis, Porto, Prag, RigaRom, Stockholm und Verona.

Und wenn gar nichts hilft: Jenny Mitscher (31) und Sebastian Ritter (33) arbeiten und leben ortsunabhängig und sind das ganze Jahr mit Fotoausrüstung und leichtem Gepäck unterwegs. Das Paar hat seine Berliner Wohnung auf unbestimmte Zeit untervermietet.
(Bild: 22places.de)

Auf ihrem Blog schreiben sie über ihre Erfahrungen als Paar, das sich für ein Leben auf Reisen entschieden hat. Was hilft den beiden gegen Fernweh?

Gar nichts.

"Wir wollten so viel von der Welt sehen, hatten aber nie genug Zeit. Der ständige Reisekater wurde uns irgendwann zu viel", sagt Sebastian. Statt dagegen anzukämpfen, machte das Paar einen Schnitt: Seit eineinhalb Jahren sind Jenny und Sebastian jetzt unterwegs – ohne Rückreisedatum.

"Die größte Hürde auf dem Weg in die Unabhängigkeit war die ewige Unsicherheit, ob es klappt", sagt Jenny. Viele Bekannte hätten ihren Beruf "Reiseblogger" nicht ernst genommen.

Jenny und Sebastian schon. Heute arbeiten sie dort, wo andere Urlaub machen. "Wir brauchten viel Durchhaltevermögen und Disziplin", sagt Sebastian. Zwei Jahre habe das Paar gebraucht, um vor der Abreise ihren Reiseblog aufzubauen und vom Bloggen und der Fotografie leben zu können. Und das sei eine vergleichsweise kurze Zeit.

(Bild: 22places.de)

Lass uns Freunde werden!

Ort aussuchen, SIM-Karte kaufen, ein Airbnb buchen und innerhalb kurzer Zeit eine Lebensroutine entwickeln – so sieht mittlerweile ein ganz normaler Tag für die beiden aus. 

In Arbeitsphasen schreiben sie Blogbeiträge, kümmern sich um ihre Social-Media-Kanäle, beantworten E-Mails, entwickeln neue Konzepte und erledigen Verwaltungskram. In Reisephasen sind sie unterwegs und weniger aktiv auf dem Blog.

"Das Reisen an sich hat sich für uns aber auch verändert", sagt Sebastian. Urlaub im klassischen Sinne hätten die beiden seit zwei Jahren nicht mehr gemacht. 

Den Reisekater aber haben sie besiegt.

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