Niemand sollte behaupten, es gäbe keine Alternativen

Der Berlin Linien Bus macht dichtendlich. Offensichtlich hat es erst die Kräfte des freien Marktes gebraucht, um einen skandalös schlechten Anbieter von der Straße zu kriegen.

Denn das, was die Fernbus-Unternehmen veranstalten, erinnert oft eher an schlechte Nutztierhaltung als entspanntes Reisen. Fahrten werden grundsätzlich nur von Subunternehmen durchgeführt, Arbeitszeiten hart geprellt und die Busfahrer als billige Ticketkontrolleure, Getränkeverkäufer und Gepäck-Hochstapler eingespannt. Diese Aufgaben werden von den Fahrern meist dann erledigt, wenn sie eigentlich Pause hätten. Oder eben während der Fahrt.

Die Arbeitsbedingungen gehen gar nicht

Ich habe selbst schon erlebt, wie Busfahrer mit der Kniescheibe lenken, während sie das Rückgeld für einen Snickers abzählen und bei Tempo 100 zwischen zwei Autobahnspuren wechseln. Bei einer Kontrolle in Brandenburg verstießen im Frühjahr 305 von 350 Fahrern gegen das Gesetz (MAZ). Dabei ging es nur um die Arbeitszeiten der Fahrer und noch nicht um die Sicherheit der Busse. Das ist sicher nicht die Schuld der Fahrer. Viele arbeiten am Limit – und oft noch darüber hinaus. Die schlechten Bedingungen haben System. Betriebsräte gibt es in dieser Branche aus Prinzip nicht.

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Natürlich kenne ich selbst genügend Fernbus-Fans. Darunter sind auch viele meiner Freunde. Ihr Lieblingsargument ist in jeder Diskussion dasselbe: “Willst du etwa, dass nur noch Reiche reisen?“

Nein. Aber ich will auch nicht, dass andere Menschen unter grottigen Bedingungen arbeiten, damit ich für 5,99 Euro zwischen Halberstadt und Aschersleben wackeliges WLAN habe. Viele der Anbieter sind tief in den roten Zahlen. Dass dieses Geschäftsmodell keinen Erfolg hat, hat sich in den vergangenen Jahren schon mehrfach gezeigt.

Seit der Fernbusmarkt 2012 liberalisiert wurde, sind reihenweise Unternehmen vom Start weg direkt ins Fernbus-Nirvana gefahren. Der ADAC verließ das gemeinsame Joint-Venture mit der Deutschen Post nach nur rund einem Jahr. Die Post fuhr den Postbus danach tapfer alleine weiter, nur um das Unternehmen in diesem Sommer hochdefizitär an den Marktführer Flixbus zu verkaufen. Genau wie viele andere Konkurrenten davor.

(Bild: dpa / Federico Gambarini)

Ich hatte gehofft, dass sich die Bahn Flixbus in den Weg stellt und dafür sorgt, dass verschiedenen Verkehrsmittel endlich eng verzahnt werden. Es bessere Konditionen für die Fahrer gibt. Und höhere Standards für die Reisenden. Niemand hätte das besser gekonnt als der Großkonzern Bahn. „Mobilität der Zukunft“ ist die Lieblingsphrase von Bahnchef Grube, in anderen Bereichen investiert sein Unternehmen Milliarden. Doch wenn es darum geht, Fernbusse und Züge sinnvoll miteinander zu verknüpfen, gibt die Bahn nach wenigen Jahren auf.

Hört auf zu sagen, es gäbe keine Alternativen

Was mich an der Fernbus-Diskussion besonders ärgert: Es gibt Alternativen. Jeder kann sich ein 19-Euro-Sparticket der Bahn kaufen. Es gibt ständig Rabattaktionen. Wer heute noch zum Normalpreis Bahn fährt, ist selbst schuld (bento). Und vor dem Fernbus-Hype war es jahrelang kein Problem, sich eine Mitfahrgelegenheit übers Internet zu organisieren. Oder mit dem Quer-durchs-Land-Ticket in der Hand am Bahnhof nach Mitfahrern zu suchen.

Nichts davon dauert länger oder ist teurer als eine Fahrt mit dem Fernbus. Und bei der Bahn wissen wir zumindest eins: Überarbeiten muss sich hier eher niemand.

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