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Mit Witzen kommt man da nicht weiter

Sind Sie drogenabhängig? Haben Sie eine psychische Erkrankung? Sind sie mehr als zweimal zu einer Haftstrafe von insgesamt 5 Jahren verurteilt worden oder haben Sie vor, kriminelle Aktivitäten auszuüben?

Wer bereits einmal in die USA geflogen ist, kennt diesen ganz besonderen WTF-Moment beim Ausfüllen des Einreisefragenbogens (PDF): Die fragen mich ernsthaft, ob ich schon einmal an einem Genozid beteiligt war? Ja, ne, ist klar. Natürlich nicht.

Genau das sollte auch entsprechend angekreuzt werden – egal wie lächerlich es zunächst erscheinen mag. Spaß versteht bei den US-amerikanischen Grenzbeamten wohl eher niemand.

Wenn deine Postings über die Einreise entscheiden

Jetzt könnte noch eine weitere, zunächst einmal etwas ulkig anmutende Aufforderung hinzukommen. Eine geplante Erweiterung des Einreisebogens (hier die Website mit Antrag)sieht vor, dass Urlauber vor der Einreise in die USA Angaben über ihre Social-Media-Accounts machen müssen. Twitter-Handle, Facebook-Nutzername, Instagram-Account, Snapchat-Profil – alles denkbar.

Die Idee dahinter besteht für die Behörden darin, Menschen anhand ihrer Social-Media-Postings zu analysieren, um sie dann bei entsprechendem Verdacht mit einem Einreiseverbot zu belegen.

Ein böser Tweet gegen US-Präsident Obama könnte dann schon eine Kritik zu viel sein:

Wie das genau funktionieren soll, ist nur schwer nachzuvollziehen. Die US-Behörden können ja kaum die Millionen an Postings auf all den Plattformen durchleuchten und eine wirklich informierte Entscheidung darüber treffen, ob jemand einreisen darf oder nicht. Und vor allem: Wer soll festlegen, welche Postings noch okay sind oder bereits ein Grund sein könnten, die Einreise zu verweigern? Ein absurdes Beispiel gibt es hierfür bereits:

2012 hatte die Heimatschutzbehörde einem jungen Iren die Einreise verweigert, weil er auf seinem Twitter-Account angekündigt hatte, die USA zerstören und Marilyn Monroe ausgraben zu wollen. Natürlich ein dummer Scherz. Aber davon wollten die Beamten nichts wissen. Sie steckten ihn mit mexikanischen Drogendealern in eine Zelle. Eine Erfahrung, auf die sicherlich jeder gut und gerne verzichten kann.

Terroristische Netzwerke erkennen

Der US-Zoll- und Grenzschutzbehörde geht es aber wahrscheinlich auch in erster Linie nicht um einzelne Postings, sondern um das größere Bild: "Das Sammeln der Social-Media-Daten wird die bestehenden Analyse- und Ermittlungsverfahren verbessern und gibt der Heimatschutzbehörde ein zusätzliches Werkzeug an die Hand, kriminelle Aktivitäten und Verbindungen klarer und sichtbarer werden lassen."

Soll heißen: Die US-Geheimdienste besitzen bereits Kenntnisse über extremistische Netzwerke und Verbindungen – und kennen somit auch die Account-Daten potenzieller Gefährder. In den Metadaten können diese Netzwerke mit den Einreiseinformationen von US-Besuchern abgeglichen werden. So ließe sich etwa feststellen, welche Nutzer auf welchen Plattformen zu welcher Zeit miteinander kommunizieren. Noch unbekannte terroristische Strukturen könnten so identifiziert werden – zumindest in der Theorie.

Rein praktisch betrachtet dürfte aber natürlich kaum jemand, der wirklich kriminelle Absichten hat, seine entsprechenden Accounts offen legen. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Aber wie das halt so ist mit diesen Fragen im Einreisebogen: Die Angaben sind freiwillig. Wer jedoch nichts angibt, macht sich automatisch verdächtig.

Lass uns Freunde werden!


Haha

Comic: Erzähl mir nix von Kuchen