Bild: Connie Ma
Unsere Autorin hat drei Wochen lang in einem Hostel gewohnt. Hier sind ihre lustigsten, schönsten und nervigsten Anekdoten.
Neue Mitbewohner

Nach einer stundenlangen Zugfahrt kommst du völlig kaputt im Hostel an. Du kriegst es gerade noch hin, deinen Kram in die Ecke zu werfen und das Bett zu beziehen. Wenn du dich endlich in die Laken gekuschelt hast und eine Millisekunde davor bist, einzuschlafen, stolpert ein Trupp besoffener Typen und Mädels ins Zimmer.

(Bild: magnoid )
Schnarchnasen

Später in der Nacht wachst du von einem gruseligen Geräusch auf. Zwei der Typen in den Betten unter dir liefern sich gerade ein Schnarch-Battle.

Du hast vier Möglichkeiten:

  1. Du stehst alle fünf Minuten auf und ziehst an einem beliebigen Körperteil der beiden – in der Hoffnung, das Geschnarche hört auf.
  2. Du versuchst, das Geräusch in deinen Traum einzubauen, zum Beispiel als Baustelle.
  3. Die Rezeption ist nachts nicht besetzt, Ohropax gibt es also erst morgen wieder. Stattdessen stopfst du dir Klopapier in die Ohren oder drehst auf deinem iPod Walgesänge oder Heavy-Metal in voller Lautstärke auf.
  4. Du pennst in der Hostelküche. Es ist furchtbar kalt, der Kühlschrank rumort und spätestens um sieben Uhr morgens schmieren sich die ersten Reiselustigen ein Brot.
Ausgehen statt Rumhängen

Du wartest nur auf den Moment, dich abends mit Cornflakes vor den Fernseher zu fläzen. Da die Gemeinschaftsräume für jedermann offen sind, platzen dauernd Leute rein, die sich laut in einer unidentifizierbaren Sprache unterhalten oder englisches Fernsehen einfordern.

Eine halbe Stunde später kommt eine Gruppe von Weltreisenden in die Küche. Du lässt dich zu einer Runde Bier-Jenga mit anschließender Bartour überreden. Anstatt dich alleine vor dem Fernseher vollzustopfen, schwebst du mit verrückten Menschen durch die Nacht.

Zu mir oder zu dir?

In einer gemütlichen Bar unterhältst du dich mit einer der Personen bei zwei, drei, vier Bier intensiver darüber, wie Aliens aussehen könnten, ob Tarantino-Filme eigentlich sexistisch sind und wohin es in eurem Leben überhaupt gehen soll. Eigentlich würdest du mit dieser Person jetzt nach Hause gehen. Nach dem Motto: "Zu mir oder zu dir?"

Dein Zuhause befindet sich aber gerade im Hostel. In eurem Zimmern schlaft ihr nicht allein. Ihr lauft also von peinlichem Schweigen begleitet die Treppen hoch und es bleibt bei einem "Okay, I'll go that way. Sleep well."

Seltsame Gestalten

Es ist super, so viele unterschiedliche Menschen kennenzulernen. Und sobald du dir Ohropax besorgst, sind auch die Nächte erträglich. Allerdings sind im Hostel einige sehr seltsame Gestalten unterwegs. Zum Beispiel die Nerds, die selbst bei geilem Wetter den ganzen Tag im Hostel vor ihren Laptops rumhängen. Warum seid ihr nochmal hier?

Oder der Dauergast Mitte vierzig, der sich als Seifenblasen-Artist ausgibt und entweder an der Hostelbar Bier trinkt oder wildfremde Menschen zu Barbecues im Hostel-Hinterhof einlädt.

Oder das unscheinbare Wesen, das zwar die ganze Zeit in deinem Zimmer wohnt, aber noch nie mit dir gesprochen hat. Und dann plötzlich verschwunden ist.

(Bild: pianissimou )
Unfreiwillig die Essenswohlfahrt spielen

Nach zwei Wochen hast du kapiert, dass 1,50 Euro für den täglichen Kaffee außerhalb superteuer sind. In dem Hostel gibt es aber keine Kaffeemaschine. Du kaufst Instant-Kaffee, den du in deinem quasi-eigenen Fach neben Cornflakes und Fertiglinsen lagerst – nicht alles davon, bleibt auch wirklich für dich übrig.

(Bild: giphy.com )
Du wirst locker

Langsam ist es dir egal, was deine Mitbewohner von dir denken und du ziehst dich mitten im Zimmer um. Deinen Kulturbeutel, dein Buch und dein Handtuch lässt du in heimischer Manier im Bad liegen. Es ist einfach zu anstrengend, jeden Morgen wieder alles aus dem Rucksack zu kramen.

Mittlerweile hast du dich daran gewöhnt, dass dauernd Menschen um dich herum sind. Es ist das einfachste auf der Welt, ein Gespräch anzufangen und du hattest schon drei mal für jeweils ein paar Tage neue beste Freunde.

Best-Buddies mit den Hostelbetreibenden

Nach drei Wochen hast du schon so oft an der Hostelbar rumgehangen, dass du die Namen der Thekenleute kennst und weißt, mit wem du an einsamen Wochentagen worüber reden kannst. Solange du dein Geschirr spülst und nicht zugibst, dass es immer dein Kram ist, der im Bad steht, können sich daraus echte Freundschaften entwickeln.

Irgendwann schaffst du es sogar, das Balkonzimmer zu bekommen und einen Dauergast-Rabatt auszuhandeln. Strike!

(Bild: billutzius )
Verlustängste

Man gewöhnt sich daran, die wichtigen Dinge vor dem Verlassen des Hostels in einen Schrank zu sperren. Am letzten Tag checkst du aus und lagerst deinen riesigen Rucksack in der Gemeinschaftsküche, um einen entspannten Nachmittag in der Stadt verbringen zu können.

Du entscheidest dich nach langem Überlegen, dass dein Laptop bestimmt in Tausend Sachen gewickelt ganz unten im Rucksack dort liegen bleiben kann. Und verbringst deinen letzten Tag damit, die ganze Zeit darüber nachzudenken, ob ihn nicht gerade doch jemand klaut.

(Bild: Dieter Titz )

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