Er hält dich warm, wenn die Deutsche Bahn es nicht tut.

Wer regelmäßig auf verspätete Züge warten muss, der weiß, dass einem irgendwann die Zeitvertreibe ausgehen. Was tun, wenn man nichts zu Lesen dabei hat, bis ans Ende des Insta-Feeds gelangt ist und schon genug gesnackt hat, um davon drei Monate zu zehren? Hm, vielleicht stricken. Oder den Frust auf Twitter rauslassen. In der folgenden Geschichte passiert beides.

Die Münchnerin Sara Weber hat gerade ein Bild auf Twitter gepostet, das offenbar auf den Punkt bringt, was viele fühlen. Auf den ersten Blick ist es einfach nur ein Schal, doch er steht für Frust.

Was ist das für ein Schal?

Den Schal hat Saras Mutter gestrickt. Diese pendelt täglich aus dem Münchner Umland in die Stadt – eine Fahrt die nach Saras Aussage normalerweise pro Strecke etwa 40 Minuten dauert. An vielen Tagen war die Mutter allerdings deutlich länger unterwegs, weil ihre Züge Verspätung hatten.

Also machte sie ein Experiment und strickte 2018 für jeden Arbeitstag zwei Reihen des Schals, in wechselnden Farben: grau, wenn die Züge pünktlich waren oder maximal fünf Minuten verspätet kamen, rosa bei fünf bis 30 Minuten Verspätung, rot bei Verspätung auf beiden Fahrten oder auf einer Strecke mehr als 30 Minuten.

Was sagt uns das?

Ein Blick auf das Ergebnis zeigt: ganz schön viel rot. Damit verbildlicht der Schal etwas, das andere Menschen oft nur als Bauchgefühl haben, aber nicht belegen können. Denn wie oft wütet man gegen die Bahn – "ständig verspätet, unerhört!" – und zweifelt trotzdem: War es wirklich so häufig, oder erinnere ich mich einfach nur an die schlechten Erlebnisse?

Der Schal zeigt nun: Zumindest auf dieser Strecke braucht man zum Pendeln offenbar viel Geduld. Das wirft wiederum die Frage auf: Wofür zahlt man dann eigentlich so viel Geld?


Kann man da nicht das Geld zurückverlangen? 

Auch wenn die Wartezeiten von Saras Mutter zusammengerechnet ganz schön lang sind, kann sie dafür keine Entschädigung verlangen. Bei der Deutschen Bahn gibt es erst ab einer Stunde Verspätung 20 Prozent des Fahrpreises zurück, bei mehr als 120 Minuten 50 Prozent (SPIEGEL ONLINE). Auf kurzen Regionalstrecken und vor allem ohne Einzeltickets lässt sich da also wenig machen. 

Auf Twitter gab es allerdings schon eine Idee, wie die Mutter trotzdem einen Teil ihres Geldes zurückbekommen könnte.

Im Fernverkehr stellten 2018 immer mehr Fahrgäste bei der Deutschen Bahn Anträge auf Entschädigung wegen Verspätungen (SPIEGEL ONLINE). Nachdem im Sommer eine Statistik zeigte, dass nur 72,1 Prozent der Züge pünktlich waren, tauschte das Unternehmen im November sogar seinen Fernverkehr-Vorstand aus (SPIEGEL ONLINE).

Lässt sich also nur hoffen, dass die pendelnde Mama bald keine Frust-Schals mehr stricken muss.


Gerechtigkeit

18-Jährige floh vor ihrer Familie aus Saudi-Arabien – jetzt sitzt sie am Flughafen fest und hofft auf Asyl
Der deutsche Botschafter hat seine Hilfe angeboten.

Sie will ein Leben in Freiheit führen und sich nicht falsch verstanden Islam-Vorschriften unterwerfen. Und sie will frei von ihrer Familie in Saudi-Arabien sein. Also ist sie abgehauen.

So erzählt es Rahaf Mohammed al-Qunun, 18 Jahre alt, frisch aus Saudi-Arabien geflohen, auf Twitter.

Die junge Frau sitzt derzeit am Flughafen von Bangkok fest. Dorthin war sie gelangt, als sie mit einem Flieger von Kuwait nach Australien flog. Beim Zwischenstopp wurde sie allerdings festgesetzt.

Nun harrt sie am Flughafen aus und hofft, nicht wieder zurück nach Saudi-Arabien zu müssen. Das könnte allerdings schwierig werden: Botschaftsvertreter aus Kuwait und Saudi-Arabien sollen ihr den Pass weggenommen haben, berichtet der Vizechef von Human Rights Watch, Phil Robertson auf Twitter. Einem ersten Abschiebeflug zurück konnte sie demnach jedoch entwischen.

Auf Twitter zeigt sie ein Video, bei dem kuwaitische und saudische Offizielle vor ihrem Zimmer im Flughafenhotel gewartet haben sollen. Sie verbarrikadierte sich hinter der Tür.