Heute startet unsere neue Kolumne "Berlin only". Dieses Mal: Was heißt schon cool?

Ende März gehe ich mit meinen Freunden auf's "Venga Boys" Konzert im Adagio. Die nervtötendste Band Europas, berühmt durch Songs wie "We´re going to Ibiza", tritt in einem der schlechtesten Clubs Berlins auf. Zum ersten Mal besuchte ich das Adagio bei einer Ladies Night, da regnete es Schaum von der Decke und männliche Stripper tanzten an Stangen. Immerhin waren deutlich mehr Frauen als Männer anwesend. Das war auch das einzig Gute an dem Abend.

Die meisten Songs der Venga Boys treffen mich direkt ins Herz:
Boom boom boom boom / I want you in my room / Let's spend the night together / From now until forever / Boom boom boom boom.
Whoa oh whoa oh / Everybody get on down / Whoa oh whoa oh / Vengaboys are back in town.

Berlin only

Für bento berichtet Max Deibert regelmäßig aus Berlin. Und zwar aus Berlin only. In welchen Club sollte man gehen? In welchen nicht? Haben Veganer Friedrichshain unter ihre Kontrolle gebracht? Wie muss ich mich anziehen, um in Berlin als "sexy" empfunden zu werden? Max teilt seine besten Antworten und Lebensweisheiten in dieser Kolumne mit euch.

Warum wir uns das Konzert geben? Weil es sicher lustig wird. Deswegen waren meine Freunde im vergangenen Jahr auch beim Alexander Markus Konzert ("Er hieß Pitschi Pitschi Popo, Pitschi Pitschi Popo. Die Magic Power macht ihm Spaß, oh yeah!"). Wir sind beim Venga Boys Konzert wahrscheinlich 25 Jahre jünger als alle anderen Gäste. Aber: Wen stört das?

Feier-Fotostrecke: Berghain, Butzke, Birgit und Bier
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Was ich an Berlin mag: Ich muss mich nicht nach jedem Trend richten und auf andere herab blicken, die das nicht tun. Ich halte mich an meinen Freundeskreis und mache, worauf ich Lust habe. Coolness misst sich meiner Meinung nach nicht an der Zahl der Berghainbesuche, Nasenringe, MDMA-Beutelchen in der Hosentasche, Antifa-Aufkleber auf dem Laptop, Vegan Blogs auf Instagram, eingerahmten Schallplatten im Wohnzimmer, Gerstensorten in der Küche, Vorurteile gegen Hipster. Sondern daran, wie wohl man sich in seiner Haut fühlt.

Max auf einem Pferd. Nachts. Weil es Spaß macht.

Selbstverständlich sollte man sich nicht mit Hochwasser-Jeans und Tanktop vor einem Edelclub wie dem "Felix" anstellen, das wäre dumm – dort herrscht Hemdpflicht. Man sollte nur irgendwie versuchen, die Möglichkeiten, die die Stadt einem bietet, so zu nutzen, dass man Spaß hat. So lautet jedenfalls meine Definition von Berliner Coolness.

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Hier wird man nicht komisch angeschaut, wenn man homo/transsexuell ist oder gerne laut in der U-Bahn singt. Deswegen ist Berlin auch so viel geiler als irgendwelche Kleinstädte und Dörfer. Nicht weil wir den besten Döner haben und weil man Prinz Pi auf der Straße trifft, sondern weil jeder die Möglichkeit hat, zu machen, worauf er Bock hat. Und wir haben eben Lust auf "Venga Boys" und wollen uns nicht in dieses "Nee, dahin gehe ich nicht, man könnte denken, ich sei uncool"-Korsett zwängen.

Es ist ja nicht ausgeschlossen, im Anschluss in angesagte Locations wie dem "Ritter Butzke" oder "Birgit und Bier" (wenn es sein muss auch Berghain) zum Feiern zu düsen und sich rattengeil zu finden. Aber nur, wenn man da wirklich Lust drauf hat. Gruppenzwang ist sowas von 8. Klasse.

Und die, die trotzdem lästern sind eh keine echten Berliner.

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