Das Zelt an einer steilen Klippe aufstellen, die Hängematte zwischen zwei alten Bäumen spannen oder den Van an einem verlassenen Strand parken und den Sonnenuntergang vom Autodach genießen: Wer campt ist flexibel, mitten in der Natur und außerdem umweltschonend unterwegs – könnte man meinen. 

Ist aber nicht unbedingt so. Auch ein Urlaub zwischen Bäumen kann für die Umwelt negative Folgen haben. 

(Bild: Unsplash / Spring Fed)

Seifenreste im Waldboden oder ein zurückgelassenes Stück Klopapier können Flora und Fauna schwer beschädigen. Aber wie wird der Camping-Urlaub umweltfreundlich? 

Wir haben Tipps gesammelt, die dabei helfen:

1. Seife, Shampoo und Lotionen

(Bild: Giphy)

Statt Körpercremes und Lotionen zu nutzen, die häufig Silikone und Mikroplastik enthalten, kann man im Campingurlaub auf native Öle zurückgreifen. Besonders eignen sich Olivenöl, Sesamöl, Ringelblumenöl und Weizenkeimöl.

Praktisch daran ist, dass die Öle auch zum Kochen benutzt werden können – zum Beispiel zum Braten oder für ein Salatdressing.

Im Internet finden sich zahlreiche Empfehlungen, wie man mit diesen Ölen eine Körperlotion anrühren kann. Eine Anleitung findest du hier, Tipps für selbstgemachtes Shampoo und DIY-Seife kann man hier nachlesen.

Egal, in welcher Kombination diese Pflegeprodukte letztlich auf der Haut landen, sie alle haben einen Vorteil: Man weiß, was drin ist und hat am Ende keine leeren Plastik-Verpackungen, die man entsorgen muss.

Wer seine Shampoos und Lotionen nicht selber anrühren und trotzdem die Umwelt schonen möchte, kann auch biologisch abbaubare Alternativen aus dem Regal kaufen: Naturseifen in kleinen Reisegrößen, die in jeden Wanderrucksack passen oder basische Shampoos von Greendoor. Oder man greift einfach zu einem Stück Kernseife ohne jegliche Zusätze, auch die ist für die Umwelt meist unbedenklich.

2. Das große und kleine Geschäft

Pipi machen im Wald? Das ist für die meisten kein Problem. Auch das große Geschäft ist schnell erledigt, wenn man den geeigneten Ort dafür gefunden hat.

Aber wer sein Geschäft mitten in der Natur verrichtet, sollte auch bedenken, dass es dort für eine Weile bleibt. Es wurden schon ganze Bücher darüber geschrieben, wie man im Wald richtig groß macht

Die Outdoor-Expertin Kathleen Meyer rät in ihrem Buch: Man sollte sicher gehen, dass es mindestens 70 Meter entfernt von einem See geschieht. Ideal fürs Geschäft ist ein besonders humushaltiger Boden, darin kann es schnell zersetzt werden. (Stern)

Der Camping-Profi buddelt für sein Geschäft übrigens ein Loch. Dafür eignet sich ein Klappspaten, zur Not tut es aber auch ein Fuß, mit dem man eine kleine Kuhle in den Boden stampft. Das verhindert, dass neugierige Tiere angelockt werden, die unter Umständen Bakterien verteilen könnten. Abgesehen davon tut man seinen Mitmenschen damit einen Gefallen.

(Bild: Giphy)

Wer Toilettenpapier nutzt, sollte auch das nach seinem Geschäft wieder mitnehmen. Selbst Öko-Papier braucht Jahre, bis es im Boden komplett zersetzt ist. Umweltschonender ist es daher, das benutzte Papier zurück zum Lager zu bringen und dort im Müll zu entsorgen.

Möchte man komplett auf Toilettenpapier verzichten, kann man auch Moos oder Blätter benutzen. 

3. Zähneputzen

Die kleine Menge Zahnpasta und das bisschen Schaum, das man am Ende ausspuckt, sind für die Umwelt doch kein Problem, könnte man meinen. 

Leider ist es anders. Zahnpasta enthält Fluor und Kunststoff-Nano-Partikel. Die landen beim Ausspucken auf dem Waldboden, für den sie schädlich sind. 

Eine einfache Lösung sind Zahnpasta-Tabletten. Die Tabs enthalten dreimal weniger Chemikalien als normale Zahnpasta und werden einfach im Mund zerkaut. (Ecowoman)


(Bild: Giphy)

Wer genau wissen will, womit er sich Zähne und Zahnfleisch putzt und dabei die Natur schützen will, kann Zahnpasta auch selbst anrühren. Auch dafür gibt es im Netz viele Rezepte: Zum Zähneputzen eignen sich viele Produkte, unter anderem Heilerde, Meersalz oder Natron.

Besonders häufig wird in Foren ein einfacher Trick empfohlen: Asche als Zahnputzpulver. Die feuchte Zahnbürste wird einfach in die Reste des Lagerfeuers getaucht. Asche enthält viele Mineralien wie Zink, Kalium, Magnesium und Kalzium. Der basische pH-Wert hilft dabei, zahnschädigende Säuren im Mund zu neutralisieren. (Bergzeit)

4. Kochen und Essen

Auf einem Camping-Trip sinken die kulinarischen Ansprüche, sodass selbst eine Dose Baked Beans oder eine Tütensuppe wie ein Gourmet-Menü schmecken.

Doch auch beim Aufwärmen von Dosenfutter über dem Gaskocher sollte man einige Dinge beachten, um der Natur nicht zu schaden

Absolutes Zero-Waste Camping ist fast unmöglich. Besonders beim Kochen lässt sich aber unnötiger Verpackungsmüll vermeiden.

Schon zu Hause kann man Lebensmittel in Dosen und Gläser packen und die Verpackungen gleich im Hausmüll entsorgen. Dafür muss man nicht extra einkaufen: Nudeln und Reis kann man auch prima in alten Marmeladengläsern und Jutebeuteln transportieren.

(Bild: Giphy)

Auf Plastikflaschen kann man gut verzichten, wenn man sich vorher informiert, wie gut oder schlecht die Wasserqualität am Zielort ist. Häufig hat Wasser aus der Leitung Trinkwasser-Qualität.

Statt dann alte PET-Flaschen zu nutzen, die irgendwann im Müll landen, lohnt es sich, in wiederverwendbare Trinkflaschen aus Edelstahl oder bpa-freiem Kunststoff zu investieren. Diese sind oft schon für unter 10 Euro zu haben.

Sollte das Wasser am Zielort keine gute Qualität haben, lässt es sich durch Wasserfilter oder Lifestraws in Trinkwasser verwandeln. Diese filtern Schmutz und Bakterien einfach aus dem Wasser. Es gibt sogar Wasserflaschen und Kanister, in denen diese Filter bereits integriert sind.

(Bild: Giphy)

Besonders in der Wildniss gilt: Leave no traces - Hinterlasse keine Spuren. Das sollte auch für das Zelten auf einem offiziellen Campingplatz gelten.

5. Der richtige Ort

(Bild: Giphy)

Wildcampen ist in Deutschland illegal. Wer einige Regeln befolgt, kann das Abenteuer zwar trotzdem wagen, macht sich dabei aber strafbar. (Wild-Campen)

In Skandinavien hingegen ist wildes Campen an vielen Orten legal. Dort gilt das "Jedermannsrecht", das die freie Nutzung der Natur, unter bestimmten Bedingungen, erlaubt (Der Westen).

Ein Ausflug nach Schweden, Norwegen oder Finnland lohnt sich also, wenn man alleine auf einer verlassenen Lichtung in den Sternenhimmel bestaunen will. 

(Bild: Unsplash / Dino Reichmuth)

Wer umweltbewusst campen will, sollte Sprit und Geld sparen und kann einfach in Deutschland bleiben. Hier gibt es "Ecocamping"-Plätze.

"Ecocamping" ist eine europäische Initative für ökologisches Campen. Sie berät und unterstützt Campingplätze, die sich für Umwelt- und Naturschutz einsetzen. Insgesamt ist die Initivative in sechs Ländern aktiv. Allein in Deutschland gibt es knapp 100 Campingplätze, die das Ecocamping Siegel tragen.

Um damit ausgezeichnet zu werden, erklärt sich der Campingplatz bereit, Strom, Heizenergie, Wasser und den produzierten Abfall zu zählen und Maßnahmen zu bestimmen, mit denen der Verbrauch weiter verringert werden kann. (Ecocamping)

Wer auf einem solchen Campingplatz Urlaub macht, zahlt nicht mehr als auf einem normalen Campingplatz. Viele der Plätze erwärmen ihr Heizwasser durch Solarenergie. Strom und Licht werden durch Bewegungsmelder gesteuert. Wer im Campingladen einkauft, kann aus regionalen Bioprodukten wählen. (Das Erste)

Hier findest du eine Übersicht aller Ecocamping-Plätze. 
Die Internetseite Greenkey sammelt neben umweltfreundlichen Camping-Plätzen auch Hotels, Restaurants und Freizeitattraktionen auf der ganzen Welt, die nachhaltig wirtschaften. 

Selbst, wenn sich nicht all diese Tipps gleichzeitig umsetzen lassen, macht es schon einen großen Unterschied,
wenn man beim nächsten Camping-Trip einige von ihnen beachtet. 

Die Umwelt freut sich – und dein Gewissen auch!

(Bild: Giphy)



Gerechtigkeit

Wir sind mehr? Warum das in Stephans sächsischer Heimatstadt nicht stimmt
Was sich in der ostdeutschen Provinz ändern muss

"#wirsindmehr" und ein Konzert am Karl-Marx-Kopf reichen nicht gegen den Hass und die Hetze, da ist sich Stephan Conrad sicher. Er wohnt in Döbeln, einer Kleinstadt unweit von Chemnitz. Er ist sauer. Innerhalb weniger Tage hatten sich Größen aus der Musikszene wie Kraftclub, Casper und Feine Sahne Fischfilet zusammengetan und haben ein großes Konzert am Montagabend am Karl-Marx-Kopf in Chemnitz gespielt. 65.000 Menschen kamen und setzten damit ein Zeichen gegen Rechts (bento). 

Stephen Conrad schrieb dazu vor wenigen Tagen bei Facebook: "Wir brauchen keine Wochenendantifa, wir brauchen keine Eventantifas, wir brauchen Hilfe. Egal wo."