Bild: Getty Images / Kevin Frayer
9 places to see before they die

So viele Orte soll man in seinem Leben besuchen bevor man stirbt, so viele Dinge tun und sehen. Der Reiseführer "1000 places to see before you die" von Patricia Schultz war ein internationaler Bestseller. Doch was, wenn die Orte und Sehenswürdigkeiten noch während unserer Zeit verschwinden? Was, wenn wir die Schätze, die diese Welt zu bieten hat, schon bald überleben? Hier sind zehn Vorschläge für Reisen und Aktivitäten, die so bald nicht mehr möglich sind:

Jetzt noch einmal ein Tattoo stechen lassen: Die 93-jährige Apo Whang Od aus dem Dorf Buscalan in der philippinischen Provinz Kalinga ist die letzte Künstlerin, die traditionell Tribaltattoos mit Bambusstöcken sticht. Die Bilder bedecken meist den ganzen Körper und erzählen die individuelle Lebensgeschichte der Person oder rufen Götter und Naturgeister an. Apo Whang Od benutzt den Bambusstock als Hammer, um das schwarze Pulver aus Kohle mit Hilfe der Dornen der Limonenpflanze unter die Haut zu treiben. Dieser langsamen und schmerzhaften Prozedur wollen sich nur noch wenige philippinische Einwohner unterziehen, sie bevorzugen meist die zeitgenössische Form des Tätowierens.

Hinkommen: Buscalan ist mit Bussen eine gute Tagesreise von der Hauptstadt Manila entfernt. Hier hat ein Reiseblogger seine Route protokolliert.

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Jetzt noch einmal Anarchie genießen: Eine Schießerei im August 2016 hat dem Freistaat Christiania in Kopenhagen geschadet. Die Cannabis-Läden machen nach und nach dicht, Videoüberwachung wird installiert. Bis dahin hatten die Bewohner Christianias relative Narrenfreiheit; bei Drogenkonsum in der selbsterklärten Mikronation drückten die Behörden meist beide Augen zu. Seit jedoch Cannabis durch härtere Substanzen verdrängt wurde und seit organisierte Banden wie die Hells Angels diese verkaufen, scheinen die Christianier die Schotten herunter zu lassen. Das Ende einer Utopie?

Hinkommen: Nach Kopenhagen zum Beispiel mit dem Zug ab Hamburg. Für die rund drei Kilometer vom Kopenhagener Hauptbahnhof nach Christiania braucht ein Bus rund 24 Minuten, zu Fuß braucht man keine Stunde.

Jetzt noch einmal mit Charlie sprechen: Er ist das Objekt der Begierde eines jeden Linguisten, denn Charlie Mangulda ist der letzte lebende Sprecher der Amurdag-Sprache, einer Aboriginiesprache aus dem Norden Australiens. Vor der Invasion und Kolonialisierung sprachen die Einheimischen Australiens über 250 Sprachen und rund 600 verschiedene Dialekte. Davon sind nur noch rund 140 übrig geblieben. Viele davon überleben lediglich durch eine Handvoll Sprecher im hohen Alter. Bis in den siebziger Jahren wurden indigene Sprachen aus dem Schulunterricht verbannt und Aborigines angehalten, sich nicht in ihrer Muttersprache zu unterhalten.

Hinkommen: Croker Island liegt im Norden von Australien, der Flug von Darwin dauert rund eine Stunde. Man braucht eine Genehmigung des Nothern Land Councils, um die Insel betreten zu dürfen.

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Jetzt noch einmal tauchen gehen: Das Ama-Tauchen – ohne Sauerstoffgerät oder Schnorchel – ist die traditionelle Art des Fischfangs in Japan und wird vor allem von Frauen praktiziert. Die sogenannten Meerfrauen fangen dabei nicht nur Fisch, sondern sammeln auch Algen, Muscheln und Seeigel, manchmal in bis zu 20 Metern Tiefe. In Zeiten des industriellen Großfangs ist die Zahl der praktizierenden Taucherinnen jedoch auf lediglich 800 geschrumpft. Sie werden nicht mehr gebraucht – und ihre Arbeit ist durch Verschmutzung und Überfischung der Meere nur schwerer geworden.

Hinkommen: Okinawa liegt ganz im Süden Japans, der Flug von Tokio dauert knapp drei Stunden. Nicht viel schneller ist man auf der Halbinsel Izu, südlich von Tokio. Die Bahnfahrt dauert drei Stunden.

Jetzt noch einmal authentische Clubluft schnuppern: Trotz der Renaissance elektronischer Musik ist die Anzahl der Diskotheken in den Niederlanden seit 2001 um über 40 Prozent zurückgegangen, in Großbritannien ist seit 2005 sogar die Hälfte aller Clubs verschwunden. Das Problem sei die Gentrifizierung in den Städten, sagt Dimitri Hegemann, der Gründer des Berliner Tresors. Gestiegene Mietpreise und Anwohnerbeschwerden machen den Nachtclubs das Leben in den europäischen Metropolen schwer. Hinzu kommen teure Urheberrechtsabgaben für die Musik und immer höhere Sicherheitsauflagen.

Reinkommen: Nicht als große Gruppe auftreten, keine Business-Kleidung, nicht angetrunken in der Schlange pöbeln, keinen Fotoapparat rumzeigen. Viel Glück!

(Bild: imago / Zuma Press)

Jetzt noch einmal zur Trompete tanzen: Die Mariachis durften einst auf keiner Hochzeitsfeier fehlen. Mit Violinen, Guitarren, Trompeten, mehreren Sängern und in aufwendigen Kostümen sind die Musikgruppen und ihr besonderer Klang fester Bestandteil mexikanischer Kultur. In ihren Liedern besingen sie ihre indigene Vergangenheit und geben Geschichten aus dem Landleben Mexikos an die nächste Generation weiter. Heutzutage wollen nur noch wenige Teenager Mariachis werden. Und der traditionelle Klang wurde bereits durch europäische Musikeinflüsse wie Oper und Walzer und die amerikanische Musikindustrie verwässert und überrannt.

Hinkommen: Ab nach Mexiko. Die Geburtsstadt des modernen Mariachi ist Cocula, rund 600 Kilometer westlich von Mexiko City. Der Flug dauert eine Stunde, mit dem Auto ist es eine Tagesreise.

Lass uns Freunde werden!

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Jetzt noch einmal auf den Adler warten: Im westlichen Teil der Mongolei ist das Leben hart. Die kargen Steppen und schroffen Gebirgsketten machen die Nahrungssuche schwer. Doch die hier beheimatete Minderheit der Kasachen hat eine besondere Strategie entwickelt. Gemeinsam mit Steinadlern, von den Kasachen nur "Goldadler" genannt, geht das Reitervolk auf die Jagd. Der Mensch erspäht das Tier, schickt den Vogel für den Fang und wartet dann auf einer Klippe, bis der Adler mit der Beute zurückkehrt. Die Tiere werden mit vier Jahren dem Nest der Mutter entnommen, über ein Jahr trainiert und bleiben ihr Leben lang – Steinadler werden bis zu 30 Jahre alt – bei ihrem Jäger. Seit die Kasachen jedoch ihre traditionelle Lebensweise Stück für Stück aufgeben, wird auch die Goldadlerjagd immer seltener praktiziert.

Hinkommen: Direktflug ab Istanbul in die mongolische Hauptstadt Ulaanbataar. Wer Zeit hat, kann die transsibirische Eisenbahn nehmen.

Jetzt noch einmal auf dem Seil tanzen: Das koreanische Jultagi ist mehr als nur Zirkus. Während einer mehrstündigen Performance muss der Tänzer neben 40 akrobatischen Übungen auf einem Seil auch noch gemeinsam mit einem Clown am Boden singen und Geschichten erzählen. Das traditionelle Jultagi vereint Schauspiel, Musik, Dichtung und Akrobatik. Doch nur noch wenige koreanische Jugendliche wollen durch das harte Training gehen. Kim Dae Gyung, Mitglied des Vereins zur Erhaltung des Jultagi, ist bestürzt darüber, dass viele Menschen zwischen Jultagi und einer reinen Zirkusperformance nicht unterscheiden können: "Das zeigt, dass sich diese Generation über den Wert der Tradition nicht im Klaren ist und den Sinn dafür verloren hat".

Hinkommen: In der Hauptstadt Seoul gibt es das Korean Folk Village, ein Museum, in dem Jultagi aufgeführt wird. Ansonsten: Nach großen Feiertagen Ausschau halten.

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Jetzt noch einmal in den Schrein schauen: Das heute ärmliche Timbuktu am südlichen Rande der Sahara in Mali war einst wichtiger Knotenpunkt für den Handel mit Salz, Gold und Sklaven. Es war außerdem Treffpunkt der wichtigsten islamischen Gelehrten ihrer Zeit und Zentrum für Sufismus, der mystischen Abspaltung des Islams. Timbuktu war reich – mehrere Moscheen wurden errichtet, prunkvolle Mausoleen, Schreine, Friedhöfe. Seit 2012 hat die islamistische Terrormiliz Ansar Dine dem Kulturgut jedoch den Kampf angesagt. Die Friedhöfe entsprechen nicht den Vorgaben der Sharia und die Gotteshäuser seien voller blasphemischer, sufisitischer Heiligtümer, die allesamt vernichtet werden müssen. Seitdem wurden bereits mehrere Gräber und eine der drei großen Moscheen der Stadt mit Schaufeln, Spitzhacken und Kalaschnikovs zertrümmert.

Hinkommen: Sicherheitslage checken – und dann von Paris in die malische Hauptstadt Bamako. Von dort mit dem Bus in die Hafenstadt Mopti. Mit einem Boot in drei Tagen nach Timbuktu, mit einem Auto in einem langen Tag. Es gibt auch Flüge von Bamako und Mopti, sie sollen aber eher unregelmäßig stattfinden.


Tech

Unheimlich: Dieser Dienst erkennt private Handy-Nummern

Jeder bekommt mal einen Anruf oder eine WhatsApp-Nachricht von einer unbekannten Nummer. Der Dienst Opencnam will nun dabei helfen, diese Nummern zu entschlüsseln. Gruseligerweise klappt das relativ gut. Direkt auf der Homepage kann man Handynummern eintippen – werden Daten dazu gefunden, spuckt sie die Seite aus.

bento hat zehn Nummern getestet, in acht Fällen wurde der richtige Name zugeordnet. In zwei Fällen stand sogar der Wohnort dabei. Was unheimlich war: Einmal wurde nicht der volle Name angezeigt, sondern ein Spitzname. Opencnam muss also die Daten aus einem Handy-Telefonbuch abgefischt haben.

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