Vor meiner Asien-Reise bin ich mit Jogging-Hose ins Büro, war jedes Wochenende auf Party-Exzess und habe meine Familie zu oft hinten angestellt. Jetzt schmiere ich mir Gel in die Haare, trinke alkoholfreies Hefeweizen-Bier und verteidige autoritäre Regime. Meine mehrmonatige Reise durch Südostasien ist an allem Schuld.

Wie es dazu kam:

Mein rechter Fuß nach der ersten professionellen Pediküre meines Lebens. Die Zehennägel waren für Wochen wie konserviert: wuchsen nicht mehr und hörten auch nicht zu glänzen auf. (Bild: Philipp T. Hinz)
Körperpflege: Pediküre statt Jogging-Hose

Ich bin im Techno-Tempel der Großstadt erwachsen geworden. Dort gehören Augenringe und ein gegrilltes Gehirn zum Schick. Im urbanen Untergrund ist das sexy. Und in einer Stadt wie Berlin ist es auch kein Problem, im Start-up mit Jogging-Hose aufzutauchen.

Auf meiner halbjährigen Reise durch Thailand, Malaysia, Laos und Vietnam habe ich umgedacht. Denn in Südostasien wählen die Menschen den Schlabber-Look offenbar höchstens für eine 14-Stunden-Schicht im Moder der Reisfelder. Dort betreibt Körperpflege nur, wer es sich leisten kann.

Westler, die im Entwicklungsland aus Lifestyle-Gründen den Penner-Look kultivieren, wirkten auf mich plötzlich einfach nur noch respektlos – vor dem eigenen Leben und vor den eigenen Privilegien.

Bald fing auch ich an, Menschen attraktiv zu finden, die sich pflegen. Und schon bin ich selbst zum ersten mal zur Pediküre gegangen.

Der Weg zum Spießer war aber dennoch ein weiter:
Kurz vor meiner Abreise hat mich ein streunender Hund gebissen. Ich musste mir dann auf meiner Rückreise in drei unterschiedlichen Ländern Tollwut-Impfstoffe besorgen.
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Bananen- und Bambussprossen mit der Machete abgeschlagen, in den Busch nach Kräutern gegriffen, und das Ganze zu einer vegetarischen Suppe aufgekocht. Im Nam Ha Nationalpark in Laos hat uns der Djungel mit Essbarem versorgt. Jetzt kann mir in Sachen Bio-Lebensmittel keiner mehr etwas vormachen(Bild: Philipp T. Hinz)
Ernährung: Vom Lidl-Fleisch-Esser zum Bio-Besser-Wisser

Besonders krass habe ich bei Fleisch umgedacht. Vor Asien fand ich eine weiche Hühnerbrust geil, ich lagerte fast immer ein paar Filets von Lidl im Kühlschrank.

Als ich dann das erste Mal ein Huhn vom vietnamesischen Dorf aß, habe ich gelernt, dass "echtes" Geflügel überhaupt keine Brust hat. Wie auch, wenn Huhn, Ente oder Schwein den ganzen Tag frei über den Hof rennen. Bei so einem Cardio-Programm ist das Fleisch derart fettfrei und sehnig, dass es in jeder Zahnritze stecken bleibt. Aber es schmeckt eben auch viel intensiver. Meine neue Bäuernschläue muss ich jetzt natürlich jedem ungefragt auftischen.

Bodybuilding-Fleisch kann ich nicht mehr ernst nehmen und mache einen Bogen drum. Und in Restaurants nerve ich jetzt öfter mal die Bedienung mit Fragen wie: "Wo kommt das Tier eigentlich her?"

Der Gastraum dieses Restaurants in Laos war auch zugleich Wohn- und Kinderzimmer. Man ist eigentlich permanent von Kindern und Familie umringt(Bild: Philipp T. Hinz)
Familie: Zurück zu Mutti

In Südostasien ist man ständig von einer Horde Kindern umgeben. Denn hier ist die Straße ihr Spielplatz, ständig lachen sie einen an und jubeln einem zu.

Im Wohnzimmer der Gasthäuser sieht man, wie Urgroßeltern, Großeltern und Eltern Tag ein Tag aus zusammen auf dem Boden Baby und Bagger spielen.

Und nein, es ist nicht so, dass nur arme Leute an dem Konzept Familie festhalten. In Bangkok habe ich zum Beispiel einen Arzt kennengelernt, der zwei Nächte pro Woche statt in seinem Loft lieber im Bett neben Mutti einschläft.

Familie ist eben etwas, das einem keiner nehmen kann. Und jetzt möchte ich, dass das auch bei mir wieder so wird. Neuerdings rufe ich meine Eltern nicht mehr nur dann an, wenn ich irgendetwas von ihnen will. Und über das "Projekt Kind" denke ich wieder ernsthafter nach.

Noch keine Halluzination: Visuelle Kunst in einem Club auf der thailändischen Halbinsel und Partyhochburg Phuket​​(Bild: Philipp T. Hinz)
Drogen: Nie wieder Bewusstseinserweiterung

Vor meiner Reise habe ich mich mindestens einmal im Quartal so richtig abgeschossen. Und zwar mit allem drum und dran.

Und in Asien? Da trinken die Leute zwar oft mehr Bier als Wasser. Aber du als Westler, vor allem wenn du wochenlang auf dem Motorrad herumgurkst, hast bei über 40 Grad Hitze irgendwann kaum mehr Lust drauf. Zigaretten schmecken sowieso nach verkokeltem Plastik – zusatzstofffreien Rolltabak gibt es in Südostasien quasi nicht.

Und andere Stimulanzien? Nun ja, man hört immer wieder Geschichten von Leuten, die in der Region für Drogenkonsum direkt im Hardcore-Knast gelandet sind, wo sie Toilettenwasser trinken mussten, wenn sie Durst hatten.

Und wenn man sich dann doch mal drauf einließe? Dann käme man sicherlich nur an Sachen ran, die man zu Hause niemals nehmen würde. Danach würde man bestimmt den Rest seines Lebens auf bewusstseinserweiternde Erlebnisse verzichten wollen.

In Vietnam ist das Militär doch recht präsent. Und das gab mir meist ein gutes Gefühl. (Bild: Philipp T. Hinz)
Politische Einstellung: Plötzlich Zucht-Und-Ordnungs-Fan

Im Frühjahr 2014 hat in Thailand das Militär eine demokratisch gewählte Regierung abgesetzt und die Macht übernommen. Damals habe ich aus meiner Westler-Perspektive gedacht: was für ein Rückschritt, wieder ein Militärregime.

Aber als ich selbst durch die Länder Südostasiens reiste, war ich plötzlich ganz froh über Zucht und Ordnung. Denn ich fühlte mich dort nachts auf der Straße stets sicherer als irgendwo in Amerika, Europa oder Afrika. Auch wenn ich mit Locals sprach, schien kaum einer das Bedürfnis nach demokratischen Experimenten zu haben.

Natürlich kenne ich die Warnungen von Amnesty International oder Transparency International, sie berichten immer wieder von Folter, Menschenrechtsverletzungen und Unterdrückung. Dennoch: Nach meiner Reise maße ich mir nicht mehr so schnell ein Urteil über andere Länder an.

Zurück in Deutschland bin ich jetzt also familienorientiert, gepflegt, ausgenüchtert, ernährungsbewusst und sicherheitsbedürftig.

Okay, es bleibt abzuwarten, ob mein neues Wertekonstrukt nachhaltig ist oder mich der Sumpf der Großstadt wieder umpolt.

Gestern bin ich schon das erste Mal schwach geworden: Im Freibad habe ich mir am hellichten Tag eine Zigarette angezündet. Mal sehen wo das hinführt.

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