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Warum sollten wir in Zwölf-Bett-Zimmer um Schlaf kämpfen und uns am Morgen über das “kontinentale Frühstück” ärgern, wenn wir für das gleiche Geld auch mit New Yorker Künstlern in ihrer Loft abhängen können? Oder in einer Villa am See Silvester feiern können?

Wir schlafen in den Betten von anderen Leuten, wenn die sie gerade nicht brauchen - das Konzept von Airbnb klingt und funktioniert so gut, dass man sich fragen muss: Was wäre eigentlich, wenn es nur noch Airbnb gäbe?

Erst mal alles prima. Schließlich können gerade die, denen das Geld für die Miete am Monatsende mal wieder nicht reicht - Studenten, Auszubildende und Geringverdiener - ihr Zimmer über Airbnb problemlos untervermieten. Dazu müssen sie nur für ein paar Tage bei Freunden auf der Couch schlafen. Eine klare Win-Win-Situation. Oder?

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Nicht ganz. Denn der Staat verdient nichts, weil Airbnb-Gäste im Gegensatz zu Hotelgästen keine Steuern zahlen, und die Hotels verdienen natürlich auch nichts. Auch die Mieter stehen nur so lange auf der Gewinnerseite bis der Vermieter selbst auf die Idee kommt, seine Wohnung direkt Airbnb-Gästen zu überlassen.

Wenn der Vermieter nun also statt einmal 350 Euro monatlich lieber 30 mal 30 Euro im Monat verdient, dann müssen sich die Mieter im Airbnb-gefluteten Mietmarkt eine neue Bleibe suchen.

Wer im Viertel wohnen bleiben kann, muss sich auf eine neue, ständig wechselnde, Nachbarschaft einstellen. Wer Airbnb-Gäste als Nachbarn hat, der hat vielleicht heute holländische Party-Touristen und morgen eine französische Indie-Band neben sich wohnen. Nachbarschaftshilfe? Schwierig. Wer nur für wenige Tage an einem Ort lebt, kehrt nicht freiwillig die Straße, passt auch nicht auf die Katze auf und gießt auch nicht die Blumen.

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“Wirklich problematisch wird das Sharing-Modell Airbnb dann, wenn Leute ihre Zimmer gewerblich vermieten”, sagt Martin Herrndorf, Mitgründer und Projektmanager bei "Colabor - Raum für Nachhaltigkeit" in Köln. “Wenn Leute nicht mehr für ein paar Tage ihre Luftmatratze hergeben, sondern Airbnb als Geschäftsmodell entdeckt haben, dann müssen Regeln gelten.”

Nämlich solche Regeln, die auch für Hotels gelten: Entweder müssten die Gastgeber selbst ein Gewerbe anmelden und Steuern auf die Übernachtungen bezahlen, oder Airbnb müsste als Vermittler dafür sorgen, dass Steuern eingezogen werden wie bereits im amerikanischen Portland (SPIEGEL ONLINE) und künftig auch in Paris (Financial Times).

Auch in San Francisco könnten zukünftig strengere Auflagen für Airbnb gelten, bei den Wahlen Anfang November stimmen die Bürger unter anderem darüber ab. Das Unternehmen schaltete deswegen schnell noch mal diese Werbung.

Allerdings spotteten viele Amerikaner eher über diese Anzeige, als sich zu freuen. Inzwischen habe sich der CEO entschuldigt, berichtet "Wired“. (Wired)

Neben den Steuern müsse man auch über die Sicherheit nachdenken, sagt Herrndorf: Feuerlöscher? Notausgänge? Rauchmeldern? Und wer ist eigentlich verantwortlich, wenn Gästen in einer Airbnb-Unterkunft etwas zu stößt?

Auf den Hilferuf eines jungen Amerikaners, der jüngst von seinem Airbnb-Gastgeber in Madrid sexuell belästigt wurde, reagierte Airbnb wenig hilfreich: Das Unternehmen verwies auf die spanische Polizei (The New York Times).