"Zentral, sauber, günstig, alles ganz familiär, total toll": Die Bewertung des Hostels oder der Airbnb-Wohnungen liest sich perfekt, die Bilder sehen toll aus. Also schnell gebucht, die Freude über das Schnäppchen ist groß – bis zur Ankunft. Es folgt vor Ort: die herbe Enttäuschung

Der Traumurlaub in der Traumunterkunft wird zum Horrortrip.

Vier bento-Redakteurinnen und -Redakteure erzählen von ihren schlimmsten Airbnb- und Hostel-Erlebnissen.

Moritz: Das Hostel, in dem alles lebte

Das Hostel "Krishna*’s Dream" (*die Gottheit wurde von der Redaktion geändert) im südlichen Nepal sollte eher "Krishna’s Nightmare" heißen. Das Hostel war vor Ort am günstigsten, deshalb hatte ich es gebucht. Es versprach eine Klimaanlage, WLAN-Router, Warmwasserleitungen. Als ich ankam, musste ich feststellen: Das alles war frei erfunden. Hinzu kam noch, dass die Tür so verbaut war, dass man sie nicht abschließen konnte, es gab kaum Licht, sodass ich nach Sonnenuntergang kaum etwas sehen konnte. Und das Bad war überschwemmt.

Neben einer italienischen Backpackerin in einem anderen Zimmer war ich der Einzige im ganzen Hostel. Eigentlich super, ich konnte mir das beste Bett aussuchen. Ich hatte die Wahl: lange Haare, Blut und Schimmel auf dem einen oder eine halbe Ameisenkolonie auf dem anderen Bett. "Da bewegt sich wenigstens nichts", dachte ich, und wählte ersteres. Weit verfehlt. Das "Fenster" im Bad gewährte Mücken freien Eintritt. Das löchrige, blutverschmierte Moskitonetz über dem Bett zeugt wahrscheinlich bis heute von meinem Kampf gegen die Mückeninvasion, aber irgendwann verließen mich die Kräfte. Morgens kamen dann noch Bettwanzenbisse dazu.

Selbst nach dieser Nacht entschied ich mich zu bleiben, denn ich hatte ja schon bezahlt. Aber am nächsten Tag wurde es noch schlimmer: Mir wurden 4500 Rupien aus dem Zimmer geklaut und die Ameisenkolonie vom anderen Bett fand ihr neues Zuhause in meinem Rucksack. Da half nur noch Bier. Ich empfehle "Everest" statt "Nepal Ice".

Jan: Das Fenster, das nur mit Spaghetti schloss

Am Ende meines Erasmus-Semesters in Madrid musste ich kurzfristig ein paar Tage früher aus der Wohnung ziehen. Ich suchte mir ein Airbnb-Zimmer in der Nähe und nahm mir vor, die restlichen Tage mit Weißwein und Freunden im Park zu verbringen. Doch daraus wurde nichts. 

Denn so schön das Zimmer im Erdgeschoss eines schicken Altbaus war: Die Fenster gingen nicht richtig zu. Der alte Holzrahmen klemmte und quietschte, bei jedem stärkeren Windstoß gingen die Fensterflügel auf. Auf dem Holzboden war bereits ein modriger Fleck, der nach Abwasser roch. Nach zwei Tagen kam ich das erste Mal gerade noch rechtzeitig herein, um meine Bettdecke und vor allem meinen Laptop vor dem Regen zu retten. Die Matratze war bereits nass. Ich schlief die Nacht verkehrt herum und hing alles zum Trocknen auf. 

Doch was tun? 

Ein Mitbewohner hatte schließlich den Tipp, die Fenster mit einem Besenstiel zu blockieren. Ich hatte keinen Besen, deshalb nahm ich Spaghetti. Die 500-Gramm-Packung war genau richtig, um den Griff zu blockieren und die beiden wackeligen Fensterflügel zusammenzuhalten. Für die restlichen vier Nächte schlief ich in einem Zimmer, das müffelte und von Nudeln zusammengehalten wurde. In meiner Bewertung vergab ich aus Feigheit dennoch fünf Sterne und schrieb etwas von "unique experience".

Baha: Die Wohnung, die nicht existierte

Ich war mit meiner Band auf Tour. Wir fuhren zu einem Gig in Passau. Unser Schlagzeuger hatte eine Wohnung mit zwei Schlafzimmern von einer Person namens Clarence angemietet. Dass auf dem Profilbild ein junger Mann zu sehen war, in seiner Beschreibung aber stand, dass er 80 ist, hatte uns aus unerfindlichen Gründen nicht skeptisch gemacht. Keiner von uns hatte sich das alles richtig durchgelesen. Wir dachten alle, die anderen würden sich schon drum kümmern. 

Nach einigen Stunden kamen wir endlich in Passau an. Wir suchten einen Parktplatz und liefen in Richtung Wohnung. An der Adresse angekommen schauten wir uns verwirrt an und checkten die Angaben noch einmal. Wir standen am Liefereingang eines Einkaufszentrums. 

Wir riefen bei der Nummer von Clarence an – es war irgendeine indonesische Nummer. Es ging natürlich niemand ran. Dann wurde uns schnell klar, was passiert war: Wir waren reingelegt worden. Die Wohnung existierte nicht, genauso wenig Clarence. 

Die nächsten Stunden verbrachten wir damit, bei Hotels und Hostels vorzufahren und anzurufen, in der Hoffnung, noch eine Bleibe zu finden. Nach etwa zwei Stunden nahm uns eine Jugendherberge auf der anderen Seite der Stadt auf. 

Ein kleiner Trost: Wir bekamen das ganze Geld von Airbnb zurück – inklusive kleinem Bonus. 

Inken: Der Wohnwagen, in dem es spukte

Ein restaurierter Wohnwagen aus den Siebzigerjahren mit sehr guten Bewertungen vorheriger Gäste – was für eine vielversprechende Airbnb-Unterkunft. Schade, dass wir nur eine Nacht bleiben würden. Mit diesen Gedanken im Hinterkopf tippten wir die Adresse bei Google Maps ein. 

Die Straßen hinter Miami wurden immer einsamer, bis wir über einen kleinen Pfad fuhren, der eigentlich gar keine Straße mehr war. Wir kamen an einem Tor zu etwas an, das wie ein Schrottplatz aussah. Dort sollte unser Airbnb sein – offenbar war das hier so etwas wie ein Trailerpark. Wir klingelten am Tor. Eine Zeit lang passierte nichts. Nur ein Hund kam angerannt, bellte und knurrte. Dann schloss uns doch noch jemand auf. Wir betraten unsere Unterkunft, ein Wohnwagen auf dem Gelände. Sofort schlug uns der beißende Geruch von Schimmel und Urin entgegen.

Mit "restauriert" war wohl gemeint: Irgendwann war mal die Bettwäsche gewechselt worden. Unsere einzige Hoffnung, die Nacht in dieser ekligen Behausung zu überstehen, war die Klimaanlage. Die sollte die muffige Luft wenigstens etwas besser machen. Die Klimaanlage machte dann leider einen solchen Lärm, dass wir sie irgendwann ausstellen mussten, um wenigstens in einem leichten Dämmerzustand etwas Erholung zu finden

Gegen zwei Uhr wachten wir schweißgebadet auf. Uns war kotzübel. Wir taumelten ins Freie und beschlossen, es mit geöffneter Tür weiter zu versuchen. Natürlich taten wir dann den Rest der Nacht kein Auge zu: Im Dämmerlicht des Morgens meinten wir permanent, Umrisse von Meuchelmörder im Türrahmen zu erkennen. Es handelte sich wohl höchstens um einen der vielen Hunde, oder die einäugige Katze, die dort rumlief, deren Name passender Weise One-Eye war. 

Am nächsten Tag reisten wir ab. Eines blieb uns allerdings ein Rätsel: Woher waren all die guten Bewertungen für dieses Airbnb gekommen? Aber das fragt am besten mal Jan. 

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Gerechtigkeit

Mit dieser Petition stellen sich Menschen gegen Seehofer und seine Rückflugaktion

In den vergangenen Wochen sind überall in Deutschland Plakate des Bundesinnenministeriums aufgetaucht, die Geflüchtete und Asylbewerber dazu animieren sollen, freiwillig bis zum 31. Dezember zurück in ihre Heimatländer zu reisen. Zur Belohnung soll es unter anderem Wohngeld in für bis zu 12 Monate geben (bento).

Viele Leute kritisierten die Werbung des Ministerium scharf. Einige bemalten oder überklebten die Plakate mit Solidaritätsbekundungen oder äußerten einfach nur ihre Fassungslosigkeit über die Kampagne (bento).

Doch jetzt gibt es einen organisierten Protest gegen die Plakate des Innenministeriums.

Wie sieht der Protest aus?

Auf dem Portal change.org ist eine Online-Petition eingerichtet worden, bei der man kostenlos gegen die Plakat-Kampagne unterschreiben kann. 

Die Initiatoren der Petition schreiben: "Das BMI wirbt in bester Schnäppchen-Manier für eine ungewisse Zukunft, suggeriert ein Unerwünschtsein von Menschen mit Migrationshintergrund und bestärkt so rechte Denkmuster."

Zudem kritisieren sie, dass sich die Plakate zwar eigentlich an Asylsuchende wendet, dies aber nicht deutlich wird. Die Flaggen, die auf den Plakaten abgebildet seien, würden auch Länder repräsentieren, in denen Terror und Menschenrechtsverletzung Alltag seien. Zudem würde insbesondere die türkische Flagge irritieren.

Wie viele Menschen haben schon unterschrieben?

Das ausgegebene Ziel sind 25.000 Unterschriften. Bereits am Dienstag wurde die Petition über 22.300 Mal unterschrieben.

Richtet sich der Protest nur gegen die Plakataktion?

Nein. Die Initiatoren gehen noch einen Schritt weiter und fordern mit der Petition den Rücktritt von Bundesinnenminister Horst Seehofer. Wie sie schreiben, wollen sie mit dem Hashtag #deinezukunftohnehorst zeigen, dass Seehofer "dem Amt eines Innenministers nicht gewachsen ist."

Den Humor haben die Aktivisten aber scheinbar nicht verloren. In Anlehnung an das Originalplakat fordern sie nämlich: "Unser Land! Unsere Zukunft! "Freiwilliger" Rücktritt von Horst Seehofer. JETZT!