Wird die Zeitumstellung jetzt abgeschafft? Eine Umfrage der EU, die von Juli bis Mitte August ging (bento), hat ergeben, dass eine deutliche Mehrheit der Europäer dafür wäre. Was bedeutet das jetzt genau?

Eine deutliche Mehrheit ist für die Abschaffung der Zeitumstellung.

Mehr als 80 Prozent der Umfrage-Teilnehmer waren für eine Abschaffung der Zeitumstellung

Es wurde außerdem gefragt, ob im Falle einer Abschaffung eher die Sommer- oder Winterzeit beibehalten werden soll. Hier soll sich eine etwas schwächere Mehrheit für die dauerhafte Sommerzeit entschieden haben. 

An der EU-Umfrage nahmen nach dpa-Informationen 4,6 Millionen EU-Bürger teil. Dabei kamen drei Millionen der Antworten aus Deutschland.

Das klingt auf den ersten Blick – angesichts von 500 Millionen EU-Bürgern – nach nicht vielen Umfrage-Teilnehmern, vor allem aus den anderen EU-Staaten. Laut Peter Liese, Europaabgeordneter der CDU, hätten aber mit 1,6 Millionen Menschen aus anderen EU-Staaten dreimal so viel Bürger wie bei der bisher größten EU-Konsultation an der Umfrage teilgenommen.

Trotzdem ist die große Beteiligung speziell aus Deutschland natürlich auffällig. 

Liegt es an der großen Medienpräsenz des Themas? Oder sind die Deutschen tatsächlich besonders angefasst von der Zeitumstellung?

Die EU-Kommission hatte nach Ende der Umfrage zunächst nur die Teilnehmerzahl mitgeteilt, aber noch nichts zu Ergebnissen oder zur regionalen Verteilung der Teilnehmer gesagt. Über die Ergebnisse hatte zuerst die "Westfalenpost" berichtet. Die dpa bekam "aus gut unterrichteten Kreisen" eine Bestätigung der Zahlen – obwohl sich die EU-Kommission zunächst nicht äußern wollte.

Auch Politiker möchten die Zeitumstellung gerne abschaffen.

Dafür gebe es bei CDU und CSU im Europaparlament "große Sympathie", sagte der Chef der Unionsabgeordneten, Daniel Caspary. Sein Fraktionskollege Peter Liese sieht auch im gesamten Parlament eine Mehrheit für die Abschaffung des Hin und Her zweimal im Jahr. 

Er setzt auf einen raschen Vorschlag der EU-Kommission zur Abschaffung der Zeitumstellung und eine Entscheidung noch vor der Europawahl im Mai. 

Der Rückhalt im Parlament sei klar, sagte Liese der dpa. Im Rat der Mitgliedstaaten sei die Lage nicht ganz so eindeutig, aber: "Ich sehe auch da keine Mehrheit gegen die Abschaffung." 

Die Abschaffung der Zeitumstellung könnte allerdings alles noch komplizierter machen.

Bei der Umfrage konnten Teilnehmer angeben, ob sie die Zeitumstellung behalten oder abschaffen wollen. Das soll EU-weit einheitlich geregelt bleiben. 

Und sie konnten wählen, ob im Fall der Abschaffung lieber dauerhaft die Sommer- oder die Winterzeit gelten sollte. Diese Frage wiederum liegt im Ermessen der einzelnen Mitgliedsstaaten.

Das heißt, es kann passieren, dass eventuell nicht alle EU-Staaten dauerhaft die Sommerzeit einführen wollten. Einige könnten dauerhaft in Winterzeit leben, andere in Sommerzeit. Es würde also innerhalb der EU zu mehr verschiedenen "Zeitzonen" kommen. 

Jetzt muss (natürlich) erst mal weiter beraten werden.

Eine Sprecherin der EU-Kommission sagte am Dienstagabend, die zuständige Kommissarin Violeta Bulc wolle zunächst ihre Kollegen über die Ergebnisse informieren. Dann werde die Kommission über die nächsten Schritte beraten.

Die EU-Kommission prüft im Auftrag des Europaparlaments, wie es mit der im EU-Recht geregelten Zeitumstellung weitergehen soll.

Die Online-Umfrage sollte lediglich Hinweise geben, wie die Meinung bei den Bürgern ist. Es handelt sich aber nicht um ein Referendum oder eine verbindliche Vorgabe.

Angesichts der geringen Teilnehmerzahl der Umfrage (im Vergleich zur Zahl der EU-Bürger, nicht im Vergleich zur sonst üblichen Teilnahmezahl bei solchen Umfragen) mit überdurchschnittlich hoher Teilnahme aus Deutschland, ist es vielleicht auch besser, dieser Umfrage allein einen nicht so hohen Stellenwert zu geben.

Die Zeitumstellung an sich zu hinterfragen, ist aber offensichtlich eine gute Sache.

Die Zeitumstellung macht den Deutschen angeblich mehr Probleme als Nutzen.

Seit 1980 gibt es in Deutschland die Sommerzeit. Sie wurde damals eingeführt, um Energie einzusparen, um das Tageslicht besser zu nutzen. Eine Nachwirkung der Ölkrise 1973. Seit 1996 stellen die Bürger aller EU-Länder die Uhren am letzten Sonntag im März eine Stunde vor und am letzten Sonntag im Oktober eine Stunde zurück.

Für die Zeitumstellung spricht: Laut Umweltbundesamt sparen die Deutschen dank der Zeitumstellung tatsächlich Strom. Sie stellen im Sommer abends seltener das Licht an.

Aber: Im Frühjahr und Herbst heizen sie morgens mehr.

Gegen die Zeitumstellung spricht auch: Einige Mediziner sehen Gesundheitsrisiken. Schlafforscher warnen, empfindsame Menschen könnten Probleme mit dem zeitlichen Hin und Her haben – samt Schlafstörungen und Appetitlosigkeit

In Deutschland hatten sich im Frühjahr 2018 bereits in einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK 73 Prozent der Befragten gegen die Zeitumstellung ausgesprochen. Rund ein Viertel berichtete, schon einmal Probleme damit gehabt zu haben. Etliche Menschen leiden demnach nach einer Zeitumstellung an Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten und Gereiztheit als Folgen angegeben. 

Mit Material von dpa


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