Bild: Peter Kneffel/dpa
4 Fragen zum Fall

Viele halten Xavier Naidoo für einen Antisemit. Dagegen ist der Sänger jetzt gerichtlich vorgegangen. Am Dienstag fiel das Urteil.

Wogegen hat sich Naidoo gewehrt?

Eine Referentin der Amadeu-Antonio-Stiftung hat Xavier Naidoo vergangenes Jahr vor Publikum als Antisemiten bezeichnet. Sie sagte: "Das ist strukturell nachweisbar." Die Stiftung setzt sich gegen Rechtsextremismus ein.

Dagegen hat Xavier Naidoo geklagt – und Recht bekommen. Das Landgericht Regensburg untersagte es der Referentin, den Sänger als Judenhasser zu bezeichnen. 

Wie kommt die Referentin darauf?

Der Sänger aus Mannheim gilt wegen politischer Äußerungen als umstritten

Am Tag der Deutschen Einheit 2014 sprach er in Berlin bei einer Demonstration der sogenannten Reichsbürger, die die staatliche Ordnung in Deutschland ablehnen. Naidoo sagte wiederum später, er habe mit den "Reichsbürgern" nichts zu tun.

Im Jahr 2015 nannte ihn der NDR als einzigen deutschen Kandidaten für den Eurovision Song Contest 2016 in Schweden, zog seine Nominierung aber nach erheblichen Protesten zurück. (bento)

Im vergangenen Jahr geriet der Sänger wegen seines Songs "Marionetten" in die Kritik. Ihm wurde vorgeworfen, in dem Lied mit abfälligen Bemerkungen über Politiker rechtspopulistische Töne anzuschlagen. 

Wie lief die Verhandlung? 

Xavier Naidoo, Sänger der Band Söhne Mannheims, hatte sich in der Verhandlung vor drei Wochen auf die Kunstfreiheit berufen und betont, dass er sich gegen Rassismus einsetze. Den Vorwurf antisemitischer Ressentiments wies er im Gerichtssaal zurück.

Sein Sohn trage zudem einen hebräischen Namen

Die Beklagte sagte, dass Naidoo in seinen Liedtexten antisemitische Codes und Chiffren verwende. Diese seien ihm nicht bekannt, hielt der Musiker dagegen.

Wie rechtfertigt die Richterin das Urteil?

  • Der Vorwurf, ein Antisemit zu sein, greife in Naidoos Persönlichkeitsrecht ein. Außerdem sei bei dem Sänger der Schutz der Kunstfreiheit zu berücksichtigen. 
  • Die Beklagte könne sich auf das Recht auf Meinungsfreiheit berufen, jedoch wiege hier das Recht auf Schutz der Persönlichkeit schwerer. 
  • Der Satz "Er ist Antisemit" sage außerdem, dass der Sänger in ganzer Person ein Antisemit sei, über die zitierten Liedtexte hinaus. Das habe die Beklagte nicht ausreichend belegen können. 
  • Der Sänger dagegen habe sich glaubhaft von der Verwendung antisemitischer Ressentiments und Codewörter in seinen Texten distanziert
  • Antisemit zu sein, sei in Deutschland ein "sehr grober Vorwurf". Die Beklagte habe diesen zu unterlassen. 

Gegen das Urteil ist eine Berufung möglich. 

Mit Material von dpa


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