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Schlechte Umfragewerte, keine Lust auf die GroKo und seit Monaten nur Streit – für die SPD könnte es gerade besser laufen. Doch jetzt erhält die deutsche Sozialdemokratie von unerwarteter Seite neue Unterstützung: Wolfgang "Wölfi" Wendland ist der SPD beigetreten. Der Musiker ist seit Jahren Sänger der Punkband "Die Kassierer" ("Das Schlimmste ist, wenn das Bier alle ist") – und war einmal Kanzlerkandidat der APPD, der "anarchistischen Pogo-Partei Deutschlands". 

Zu den Slogans der Partei gehörten unter anderem "Arbeit ist Scheiße!", "Geld kommt aus der Druckerei, sind wir von der Arbeit frei!" und "Meine Stimme für den Müll!". 

In den Nullerjahren war die APPD als satirische Kleinpartei so etwas wie der etwas müffelnde Vorläufer der Partei "Die Partei" – nur ohne C&A-Anzüge, mit mehr Dosenbier und wüsteren Videos. Vor allem auf Youtube faszinierten die trashigen Wahlwerbespots viele junge Menschen schon lange, bevor sie selbst wählen durften.

Schon vor Youtube ein Video-Star

In vielen der Videos der inzwischen aufgelösten "Pogo-Partei" war Wolfgang Wendland Hauptdarsteller oder Spitzenkandidat. 2005 weigerte sich die ARD einen Wahlwerbespot mit ihm auszustrahlen, da er die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen und ihre Erziehung zu einer "eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit" schwer gefährde.

Der damalige SPD-Innenminister Otto Schily bezeichnete den Clip sogar als 

Schande für Deutschland

Das Oberverwaltungsgericht Münster entschied schließlich, das Video sei "geschmacklos", aber grundsätzlich legitim. Was den Inhalt vielleicht gut zusammenfasste:

Auch außerhalb der Politik provozierte "Wölfi" gern. Bei den Auftritten mit seiner Punkband "Die Kassierer" machte Wendland vor allem Schlagzeilen damit, dass er sich bei fast jedem Konzert irgendwann nackt war. 

Jetzt ist er in der SPD. Es dürfte nach Oskar Lafontaines Wechsel zu den Linken einer der sehr seltenen Momente sein, in denen ein ehemaliger Kanzlerkandidat einer anderen Partei beitritt. Wohl auch deshalb feierte die SPD Bochum den Beitritt mit einer eigenen Mitteilung im Internet. 

Was will der Punksänger in der SPD? 

Als Grund für seinen Beitritt bei den Genossen nennt Wolfgang Wendland übrigens durchaus ernste Gründe:

Ich habe mit einer gewissen Besorgnis die politischen Entwicklungen, insbesondere den Rechtsruck der letzten Jahre zur Kenntnis genommen. Dabei bin ich zu dem Schluss gekommen, dass eine sinnvolle Gegenstrategie nicht in einer Ideologisierung und/oder Radikalisierung von Politik bestehen kann. Vielmehr ist eine Stärkung der politischen Mitte notwendig.
Wolfgang Wendland

Mitte statt Punk also. Eine Rolle gespielt haben nach seinen Angaben außerdem drei Kulturpolitiker, die ebenfalls Mitglied der SPD waren, schreibt Wendland. Weitere seien ihm nicht eingefallen. Und: "Googeln wollte ich nicht." 


Fühlen

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