Bild: Dominic Lipinski/ PA Wire/ dpa
Das Paar ist gerade zu Besuch in Deutschland

Irgendwie schaut man sie sich ja doch gerne an: Kate und William, permanent strahlend, zwischen ihnen ihre beiden Kinder, der übellaunige George und die zufriedene Charlotte. Hunderte Royal-Fans werden sie mit Enthusiasmus und Fähnchen begrüßen. Diese schrecklich glücklich wirkende, gutangezogene Familie aus England. 

Warum eigentlich? Warum stehen in Deutschland, ausgerechnet, die Menschen so auf dieses Adelspaar?

In einer Zeit, in der dieses glattgebügelte Vater-Mutter-und-zwei-Kinder-Bild fast schon aus der Zeit gefallen wirkt. In der wir Frauen als Konzernchefinnen sehen und nicht als Prinzessinnen. In denen wir uns Gedanken um einen nachhaltigen Urlaub machen und nicht davon träumen, auf einer Yacht vor Monaco zu segeln. 

Wie kann das sein?

Harald Lange leitet das Institut für Fankultur in Köln und Würzburg. Er erklärt, was Fußball- und Adelsfans gemeinsam haben und warum viele noch nicht für einen schwulen Prinzen bereit sind. 

Herr Lange, wieso ist Adel immer noch angesagt?

Es ist egal, in welchem Alter man ist: Jede Generation wächst mit Märchen auf. Und Königinnen und Könige, Prinzen und Prinzessinnen bleiben deshalb oft ein Leben lang Identifikationsfiguren. Wir projizieren Träume und Ideale auf sie.

In der Slideshow: Kate und William auf Reisen 
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Und was fasziniert ausgerechnet an diesem Vorzeigepaar?

Sie erscheinen mit ihren Kindern Charlotte und George zusammen wie die perfekte Familie. Beide entsprechen dem Schönheitsideal unserer Gesellschaft, sind selbst noch jung. Diese Sphäre des Unerreichbaren ist total wichtig für die Fankultur. Sie lässt Freiraum für Fantasie. 

Am besten finden die Fans es, wenn die Familie abseits des Protokolls kleine, volksnahe Gesten zeigt. Also George das Gesicht verzieht, Kate mit ihm schimpft. Das macht sie andererseits so nahbar.

Außerdem fiebert man mit den beiden auf ein Ziel hin – bis sie irgendwann endlich König und Königin werden. 

Harald Lange kennt sich mit Fantum aus(Bild: Gunnar Bartsch)
Warum? In Deutschland gibt es doch gar kein Königshaus?

Das schmälert keinesfalls das Interesse an royalen Themen und Figuren. Im Gegenteil, die Fantasie und Träumereien haben genug Stoff, um sich als Fan der Royals in deren Rolle hinein zu projizieren. Dafür braucht es kein deutsches Königspaar.

Ist das nicht ein spießiges Bild einer Familie? 

Die Gesellschaft wäre noch nicht bereit für einen schwulen Prinzen oder eine lesbische Prinzessin. Das ändert sich frühestens, wenn auch in Märchen andere Lebenspartnerschaften präsentiert werden.

Ich glaube übrigens, dass man selbst im Fußball schon viel weiter ist mit schwulen und lesbischen Sportlern.

Kann Harry nicht die Rolle des Wilden übernehmen?

Ja, er ist wie ein guter Sidekick. Kate und William sind die, die immer strahlen. An Harry kann man sich reiben. Ich erinnere mich an wilde Partys und Spekulationen um seine Partnerinnen, jetzt ist er auch noch mit einem Hollywood-Star zusammen. Das passt gut zur Dramaturgie – wie in einem Theaterstück. 

Jemanden gut finden und Hochzeiten im Fernsehen anschauen, ist ja eine Sache. Aber viele stellen sich beim Besuch mit Fähnchen an den Straßenrand und sind in britischen Farben gekleidet. Wieso wird daraus so ein großes Event?

Das liegt natürlich auch an der Exklusivität dieses Anlasses. Kate und William kommen schließlich nicht jedes Jahr nach Deutschland. Der Auftritt fällt schon in das Sommerloch und viele Medien berichten darüber. 

Außerdem ist das ein bisschen wie im Fußball. Wenn man wirklich für jemanden oder einen Verein brennt und sich stark mit ihm identifiziert, will man ihn auch irgendwann einmal sehen. 

Keine schlechte Idee, nach dem Brexit-Frust Kate und William vorbei zu schicken.

Die royalen Fans sind weniger politisch orientiert. Aber ja, ich bin mir sicher, dass das Königshaus Mitarbeiter hat, die daran arbeiten, diese Fankultur aufrecht zu erhalten. Kate und William rekrutieren sozusagen Fans für Großbritannien. 


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Gut so: Polens Präsident stellt sich gegen umstrittene Justizreform der Regierung

Die Nachricht überraschte seine Anhänger wohl ebenso wie seine Gegner: Der polnische Präsident Andrzej Duda weigert sich, das Gesetz zu einer geplanten Justizreform zu unterschreiben. Die Reform würde die Unabhängigkeit der Justiz einschränken, jetzt stellt sich der Präsident quer.

Der Entwurf der Regierungspartei PiS wurde bereits von Parlament und Senat verabschiedet, nur Dudas Unterschrift fehlt. Eigentlich gehört Andrzej Duda selbst dem politischen Lager der PiS-Partei an und trug bisher alle ihre umstrittenen Projekte mit. 

Nun aber hat er starke Bedenken – und legte sein Veto ein.