Bild: Sebastian Gollnow / dpa
Was sonst noch so passierte, während Wikipedia down war.

Wer am Donnerstag die deutsche Wikipedia besuchte, den erwarteten ein schwarzer Bildschirm und geschwärzte Artikel: 24 Stunden lang war die Seite nicht erreichbar. Aus Protest gegen die geplante Urheberrechtsreform der EU mit dem umstrittenen Artikel 13 schränkte die Online-Enzyklopädie den Zugriff stark ein.

Doch nicht nur für Schülerinnen und Schüler, die noch schnell ein Referat vorbereiten mussten, war das ein Problem. 

Wir haben bei Wikipedia nachgefragt: Wie machte sich der Blackout bemerkbar? Und was war die kurioseste Reaktion darauf?

Bernd Fiedler von Wikimedia Deutschland hat uns die Antworten darauf gegeben. Das Kommunikationsteam der Seite hatte am Donnerstag viel zu tun. Neben Medieninterviews kamen auch zahlreiche Anfragen herein – die teilweise auch Unverständnis zeigten.

  • Auf den Seiten des Europarlaments sorgte der Protest beinahe ebenfalls zu einem Blackout: Denn die Wikipedia hatte dazu aufgerufen, EU-Abgeordnete zu kontaktieren und sie über die eigene Haltung zur Urheberrechtsreform zu informieren. Dafür verlinkte sie auf die Suchfunktion des Europäischen Parlaments. Diesem Aufruf folgten offenbar so viele, dass die Parlamentsseiten teilweise nur sehr schlecht zu erreichen waren.
  • Die Zahl der Menschen, die am Donnerstag die deutschsprachige Wikipedia besuchten, blieb am Donnerstag etwa auf dem normalen Niveau: Manche blieben wohl von vorneherein weg, andere wollten sich erst recht davon überzeugen, dass die Seite schwarz blieb. 
  • Ein Nutzer hatte für den Protest überhaupt kein Verständnis – und will die Enzyklopädie jetzt verklagen: Er habe ja nun Verdienstausfall, weil er nicht an seiner Diplomarbeit arbeiten könne.

Wikimedia Deutschland hatte sich auf eigene Initiative zu dem Blackout entschlossen, auch in Tschechien und Dänemark blieb die Wikipedia am Donnerstag schwarz. Die Wikimedia Foundation – die Gesellschaft, die hinter Wikipedia steht – war gegen den Protest in dieser Form, weil er so kurz vor der Europawahl als "Wahlempfehlung" gesehen werden könne.

Vorwürfe gab es zudem, Wikipedia lasse sich von Unternehmen wie Google vor den Karren spannen – so wie ihn sämtliche Gegner der Urheberrechtsreform zu hören bekommen. Bei Wikipedia handelt es sich jedoch um eine gemeinnützige Seite, die noch nicht einmal selbst von den Gesetzen betroffen ist. An den Protesten beteilige man sich trotzdem – weil sich die Organisation insgesamt für ein freies Netz einsetze.

Doch auch innerhalb der deutschen Wikipedia-Community wurde das Thema kontrovers diskutiert: Zum geplanten Protest hatte es eine Abstimmung unter Wikipedia-Autoren gegeben, von knapp 5000 stimmberechtigten Autorinnen und Autoren hatten sich aber nur 215 beteiligt – von diesen stimmte die Mehrheit allerdings für den Blackout. 

Über die Wikipedia-App konnte man am Donnerstag übrigens ganz normal auf die Seite zugreifen – und auch im Browser gab es verschiedene Tricks, weiterhin die Artikel zu lesen. Trotzdem erreichten die schwarzen Bildschirme der Wikipedia wohl Hunderttausende. 


Gerechtigkeit

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Um solche Taten als Gesellschaft gemeinsam zu überstehen, braucht es starke Politikerinnen und Politiker, die vereinen anstatt zu spalten. Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern gezeigt, wie das geht. Ihre Reaktion auf den Terror von Christchurch ist ein Lehrstück für Politiker auf der ganzen Welt – in einer Woche und fünf Akten. 

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1 Tag 1: Die richtigen Worte

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