Bild: Foto: Constantin Eckner/dpa
Drei eindeutige Beispiele aus den Enthüllungen

Wikileaks war lange Zeit die erste Adresse für Whistleblower. Die Plattform veröffentlicht regelmäßig interne Dokumente von Unternehmen oder Regierungen, die Ungerechtigkeiten, Korruption und Verbrechen aufdecken. Dabei galt das Portal, das von Julian Assange aufgebaut wurde, immer als unabhängig und liberal.

Doch nun wurde WikiLeaks selbst geleakt.

Die Aktivistin Emma Best veröffentlichte auf ihrem Blog insgesamt 11.000 private Twitter-Nachrichten aus dem sogenannten "WikiLeaks + 10"-Chat, in dem neben ihr neun weitere Mitglieder und ein weiteres anonymes Mitglied unter dem Namen "WikiLeaks" aktiv gewesen sein sollen. Wer sich dahinter verbirgt, ist unklar. Viele vermuten WikiLeaks-Chef Assange persönlich.

Angeblich zeigt der Verlauf, dass WikiLeaks Propaganda und Trollkampagnen organisiert haben soll und systematisch geplant habe, einzelne Personen anzugreifen. bento hat Passagen übersetzt und die wichtigsten Zitate zusammengefasst. Drei Beispiele:

1

Die Chatpartner hetzen gegen Minderheiten und Prominente oder Medienschaffende. 

Ein Beispiel ist Raphael Satter. Der Journalist der Associated Press, einer Nachrichtenagentur in den USA, hatte kritisch über die WikiLeaks-Enthüllungen aus Saudi-Arabien berichtet, bei denen sensible Daten von vielen saudischen Bürgern veröffentlicht wurden. Darunter befanden sich Krankenakten von Kindern und Vergewaltigungsopfern. 

Die Mitglieder des WikiLeaks-Chat nennen ihn "Ratte"und weisen darauf hin, dass er Jude ist. Der anonyme WikiLeaks-Account fordert auf:

Macht ihn fertig! Er muss sich mit Statements selbst entlarven!

2

Neben Journalisten und Juden greifen die Chatmitglieder auch Politiker an. 

Besonders interessierten sie sich offenbar für den US-Wahlkampf zwischen Hillary Clinton und Donald Trump. Hier beziehen sie klar Stellung gegen Clinton:

[2015-11-19 13:46:18] <Emmy B>
Leider hat Clinton die Macht zu täuschen, genau wie Obama, ihr Schafspelz versteckt ihr wahres Gesicht. Und dann hat sie auch noch einen Ex-Präsidenten als Ehemann... naja alleine schon mit dem Namen ist Einiges für sie drin.
[2015-11-19 13:46:39] <WikiLeaks>
Wir glauben, es wäre besser, wenn die Republikaner gewinnen.
[2015-11-19 13:47:28] <WikiLeaks>
Demokraten+Medien+Liberale würde einen Block ergeben, der mit den schlimmsten Qualitäten herrscht.
[2015-11-19 13:48:22] <WikiLeaks>
Wenn Hillary an der Macht ist, würden die Republikaner die schlimmsten Qualitäten aus ihr herausquetschen, Demokraten+Medien+Neoliberale würden still sein.
[2015-11-19 13:50:18] <WikiLeaks>
Sie ist eine intelligente, gut vernetzte, sadistische Soziopathin.
Wir glauben, es wäre besser, wenn die Republikaner gewinnen.

3

Im Chat geht es auch darum, mit welchen Informationen man aktiv ins politische Geschehen eingreifen kann.

Die Mitglieder des Chats diskutieren nicht nur, ob eine Regierung der Republikaner besser wäre, sie planten offenbar auch detailliert, Clintons Präsidentschaft zu verhindern:

[2015-11-19 14:14:37] <Emmy B>
Welche Art von Korruption könnte sie unwählbar machen? Finanzbetrug vielleicht? Oder hat sie die Kampagne eines andere Demokraten mit schmutzigen Tricks untergraben?
[2015-11-19 14:22:40] <WikiLeaks>
Hillary hat so viel Schleim auf ihrem Hemd, es wird schwer, dass Schmutz hängen bleibt.

Ob WikiLeaks tatsächlich in den US-Wahlkampf eingegriffen hat, bleibt unklar. Allerdings hat die Plattform Hillary Clintons E-Mail Skandal enthüllt (SPIEGEL ONLINE), was zu den geleakten Gesprächen der Mitglieder passen würde. 

Zwar präsentiert sich WikiLeaks als Non-Profit-Organisation, die überparteilich ist, doch den Enthüllungen zu Folge hatten WikiLeaks-Mitglieder offenbar ein Interesse daran, Hillary Clinton als Präsidentin zu verhindern und planten dies gezielt.

Wie ging es nach den Enthüllungen weiter?

Emma Best schreibt auf ihrem Blog, sie hielt es für notwendig, die Chats zu veröffentlichen, um zu zeigen wie homophob, transphob, sexistisch und antisemitisch WikiLeaks eigentlich sei. Zwar seien manche Aussagen als Witz getarnt, trotzdem seien sie ernst gemeint, so Best. 

Nach der Enthüllung des Chats veröffentlichte Julian Assange – offenbar als Rache – auf Twitter den Geburtsnamen von Best. Für Transsexuelle wie Best ist dies eine große Beleidigung, da sie diesen Namen abgelegt hat. Assange wurde daraufhin auf Twitter geblockt


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