Bild: Arne Dedert/dpa
Vier Fragen, vier Antworten

In Wiesbaden ist in der Nacht eine vier Meter große, goldene Statue des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan enthüllt worden. Die Skulptur prangt auf dem "Platz der deutschen Einheit" im Wiesbadener Westend.

Wo kommt die Erdogan-Statue her?

Die goldene Erdogan-Figur wurde im Rahmen des Kunstfestivals "Wiesbaden Biennale" enthüllt. Das Festival findet dieses Jahr unter dem Motto "Bad News" statt. Verantwortlich für das Aufstellen ist das hessische Staatstheater Wiesbaden als Ausrichter. Dies bestätigt auch die Pressesprecherin des Theaters. Die Statue sei im Rahmen der Biennale und im Namen des Theaters aufgestellt worden. 

Was soll die ganze Aktion?

Auf Anfrage von bento erklärte Katrin Luz, eine Pressesprecherin des hessischen Staatstheaters: "Das Ganze ist ein künstlerisches Konzept. Wir sind uns bewusst, dass diese Statue eine starke Provokation darstellt. Wir wollen diese nutzen, um die Debatte anzuheizen, die der Frage nachgeht: Ist so etwas in Deutschland möglich?" Das Konzept stünde unter der großen Frage: "Darf man so etwas?" Bisher sei die Debatte sehr konstruktiv geführt worden, so Luz.

Grundsätzlich sei das Kuratoren-Team der "Wiesbaden Biennale" glücklich über die "souveräne Entscheidung der Stadt, die Statue stehen zu lassen und so ein deutliches Zeichen für die Kunstfreiheit zu setzen."

Der Künstler äußerte sich bisher nicht zu seinem Werk. Das sei aber auch die Idee des Festivals: "Wir stellen die Kunst weitestgehend anonym aus. Das ist das Prinzip." Da die Statue aber stark im Fokus stehe, wäre es nicht undenkbar, dass der Künstler eine Stellungnahme nachreiche, so Luz.

Wie reagierten die Wiesbadener auf die Statue?

Zunächst seien die meisten Menschen verwundert gewesen, berichtet die hessenschau. Einige ließen sich mit Türkeiflagge vor dem goldenen Erdogan fotografieren. Allerdings gab es auch viel Unverständnis und Protest gegen die Aktion. So wurde die Skulptur bereits in der ersten Nacht mehrfach mit Graffitis besprüht. "Türkischer Hitler" war ein Kommentar auf der Statue.

Luz zeigte Verständnis für die Kritik an dem Projekt, besonders da derzeit die Stimmung ohnehin durch die Krawallen in Chemnitz aufgeheizt sei: "Die Geschehnisse in Chemnitz haben uns natürlich nicht kalt gelassen." Der gleiche Zeitpunkt des Festivals mit den Ausschreitungen sei im Nachhinein sicherlich nicht glücklich, dennoch sei sie der Meinung, eine freie Demokratie müsse  auch solche Situationen aushalten.

(Bild: Arne Dedert/dpa)
 

Wie geht es jetzt weiter?

Da sich viele Wiesbadener nach wie vor fragen, welche Intention hinter der Aufstellung der Statue steht, hat die Stadt für den Abend eine Infoveranstaltung angesetzt, bei denen Bürger sich über die Ausstellung und explizit auch über die Erdogan-Statue informieren und ihre Fragen stellen können. Wie lange die Statue voraussichtlich noch auf dem Platz der deutschen Einheit stehen wird, ist noch nicht bekannt.


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