Wir haben einen Experten gefragt.

Seit ein paar Jahren machen es immer mehr Menschen: Abends nach der Uni oder der Arbeit noch ein kurzes Treffen in der Shisha-Bar, die Wasserpfeife kreisen lassen. Immer mehr Shisha-Bars eröffnen, die man meist schon aus hundert Meter Entfernung am leicht süßlichen Geruch erkennt. 

Hartnäckig hält sich das Gerücht, die Wasserpfeifen seien eine gesündere Alternative zur Zigarette. Das soll irgendwas mit der Kombination aus Tabak und Wasser zu tun haben. 

Stimmt es, dass Shisha zu rauchen gesünder ist als Zigaretten? 

Wir haben Michael Barczok vom Bundesverband der Pneumologen, Schlaf- und Beatmungsmediziner gefragt.   

Wie funktioniert eine Shisha überhaupt? 

Shishas sind Wasserpfeifen, die eigentlich aus dem arabischen Raum kommen – inzwischen aber auch bei uns extrem verbreitet sind. Geraucht wird Tabak, ergänzt durch Aromastoffe. Die sind für den Geruch verantwortlich, der aus den Läden strömt

Der Rauch wird durch ein Gefäß mit Wasser gekühlt und etwas gefiltert, dann durch einen Schlauch eingeatmet. Klar, ein etwas komplizierterer Aufbau als bei der Zigarette – aber man raucht sie normalerweise auch nicht kurz in der Uni-Pause, sondern abends, gemütlich zusammen mit Freunden.

Erwachsenwerden für Anfänger

Irgendwie dachten wir früher immer, Leute in unserem Alter hätten das Leben besser im Griff: Finanzen geregelt, Kühlschrank gefüllt. Heute wissen wir: Sachen im Griff haben ist schwerer als gedacht. Also googlen wir unsere Probleme. Die Antworten der Suchmaschine sind nur leider manchmal unbefriedigend. Deshalb klären wir mit Hilfe von echten Experten Fragen, die Google uns vorschlägt, wenn wir bestimmte Begriffe eingeben. Zum Beispiel Plastikflaschen – oder Kopfhörer.

Ist der Tabak anders als bei einer Zigarette?

"Der einzige Unterschied ist, dass eine Shisha vielen Zigaretten entspricht", sagt Barczok. "Damit ist sie in jedem Fall gefährlicher als eine Zigarette." Und wie viel Tabak steckt da genau drin? "Eine Shisha enthält so viel Tabak wie zehn bis 20 Zigaretten. Das ist also wie eine Schachtel Zigaretten, die man in kurzer Zeit einfach wegraucht." 

Klar, wer die Shisha kreisen lässt und sie mit sechs Freunden zusammen raucht, bekommt eine kleinere Dosis ab – die aber selbst dann noch sehr hoch ist. 

Und wie ist die Wirkung auf den Körper?

Durch das Wasser in der Shisha fühlt sich das Rauchen bekömmlicher und ungefährlicher an – und genau da liegt das Problem: "Der Rauch wird durch das Wasserbad abgekühlt und das führt dazu, dass man den Rauch tiefer einatmen kann", sagt Barczok. Sonst müssen vor allem ungeübte Raucher oft husten, wenn sie zu tief inhalieren – bei der Shisha fällt das weg. "Tausende von Inhaltsstoffen, die in unterschiedlicher Weise aggressiv auf die Schleimhaut wirken, kommen tiefer in den Körper und können deshalb auch größeren Schaden anrichten", sagt Barczok.

Gibt’s zusätzliche Risiken?

Dass Rauchen unter anderem Lungenkrebs verursachen kann, ist bekannt. Was bei der Shisha noch hinzukommt: Meistens wird sie zwischen einer Gruppe von Freunden geteilt, so können Bakterien leicht weitergegeben werden. Außerdem ist in der Shisha nicht nur Tabak enthalten: "Hinzu kommen Glycerin und Aromastoffe, die sich im Körper ebenfalls giftig entwickeln können", sagt Barczok. Das hängt von der jeweiligen Zusammensetzung des Tabaks ab.

"Das ist wie eine Schachtel Zigaretten, die man in kurzer Zeit einfach wegraucht."
Michael Barczok

Und was ist mit Kohlenmonoxid? 

Immer wieder liest man von Kohlenmonoxid-Vergiftungen, die in Shisha-Bars auftreten. Woher kommt das? "Es wird Kohle verbrannt, dabei entsteht natürlich Kohlenmonoxid", sagt der Arzt. "Eigentlich müssten Shisha-Bars deshalb spezielle Belüftungssysteme haben, es müsste Kontrollen geben.“ 

Besonders tückisch: Kohlenmonoxid ist ein geruchloses Gas, die Vergiftung wird meistens ziemlich spät bemerkt. "Man spürt es erst gar nicht, man hat auch noch rosige Haut", sagt Barczok. "Aber irgendwann wird man benommen und dann kann es zu schweren Vergiftungen kommen." Im schlimmsten Fall enden die sogar tödlich. Also immer lüften, wenn eine Shisha im Raum ist – oder ganz viele in einer Bar geraucht werden. 

Ist das Passivrauchen der Shisha genauso schlimm? 

"Bei Shishas ist immerhin weniger richtiger Feinstaub und sonstiger Dreck in der Luft als bei Zigaretten", sagt Barczok. "Auch der Rauch ist durch das Abkühlen im Wasserbad nicht so schlimm für die Umgebung, aber er kann immer noch Schäden anrichten." 

Besser sehe es bei E-Shishas aus, die sich nach den E-Zigaretten jetzt langsam verbreiteten. "Für die Raucher ist die Nikotinaufnahme gleich hoch, aber hier gibt es ein Verdampfen und kein Verbrennen von Schadstoffen. Eine E-Shisha wäre also noch die bessere Wahl, wenn man die Finger gar nicht davon lassen kann", sagt Barczok. 

Und: Bei E-Shishas fällt das Risiko der Kohlenmonoxidvergiftung weg – schließlich wird dabei keine Kohle verbrannt. 


Today

Schluss mit Selbstgemachtem: Dawanda wird abgeschaltet

Als Umschlagplatz für selbst gefertigte Produkte und Raritäten hat es Dawanda zu einer der bekanntesten deutschen Handelsplattformen geschafft. Nun wird der Marktplatz verschwinden. Zum 30. August werde das Portal schließen, teilte Dawanda mit. 

"Die Entscheidung fiel uns nicht leicht, in Dawanda steckt viel Herzblut", sagte Gründerin und Geschäftsführerin Claudia Helming. Vom Aus für Dawanda will der US-Konkurrent Etsy profitieren. Dorthin sollen Käufer und Verkäufer umziehen.