Bild: Carmen Jaspersen/dpa
Er könnte seine Dauerkarte verlieren.

Für Hubertus Hess-Grunewald ist Fußball nicht einfach nur die schönste Nebensache der Welt. Sondern durchaus eine politische Angelegenheit. Das machte der Präsident von Fußball-Bundesligist Werder Bremen kürzlich in einem Interview mit dem "Weser Kurier" deutlich. 

Darin sprach er sich gegen Rassismus, Rechtsradikalismus und die AfD aus:

Jeder AfD-Wähler sollte schon wissen, dass es ein Widerspruch ist, Werder gut zu finden und die AfD zu wählen.
Hubertus Hess-Grunewald, Präsident von Werder Bremen

Das Interview wurde Ende September veröffentlicht. Anschließend meldete sich offenbar ein Fan des Vereins per E-Mail bei Hess-Grunewald. Das geht aus Recherchen der Zeitung "Welt" hervor, der die E-Mail des Fans vorliegt.

Demnach hat der Fan dem Klub-Präsidenten mitgeteilt, dass und warum er aus dem Klub ausgetreten sei. Seiner Ansicht nach hätte Hess-Grunewald mit seinem Statement gegen die Satzung des Vereins verstoßen. Seine Dauerkarte wolle der Fan jedoch – trotz des Austritts aus dem Klub – behalten, heißt es in der Mail weiter.

In der Satzung des Vereins heißt es in Paragraf 2 im zweiten Absatz:

Der Verein ist politisch und religiös streng neutral und steht in allen seinen Belangen auf demokratischer Grundlage.
Satzung und Jugendordnung des Sportvereins Werder

Der "Welt" zufolge hat Hess-Grunewald auf die Mail geantwortet, auch seine E-Mail liegt der Zeitung vor. 

In seinem Schreiben betont Hess-Grunewald, dass AfD-Wähler bei Werder nicht unerwünscht seien. Seit er mit dem "Weser Kurier" gesprochen habe, hätten sich einige Anhänger des Fußballklubs kritisch mit Anhängern der Partei befasst. 

Er wünsche sich einen Dialog.

Eine ganz geringe Zahl von Mitgliedern hat aufgrund meiner Aussage die Mitgliedschaft bei Werder Bremen gekündigt. (…) Meine Aussage wird offenbar von Ihnen nicht als Aufforderung zum Dialog und zur Auseinandersetzung mit den Werten von Werder Bremen verstanden.
Hubertus Hess-Grunewald, Präsident von Werder Bremen

Im weiteren Verlauf der E-Mail kündigt Hess-Grunewald an, dass noch nicht klar sei, ob der Fan seine Dauerkarte behalten könne: "Darüber hinaus werden wir uns mit Ihrem Wunsch (...) noch intensiv beschäftigen. Es ist nicht auszuschließen, dass wir in Zukunft Dauerkarten nur noch an Vereinsmitglieder ausgeben." 

Der Verein gab jedoch auf bento-Anfrage bekannt, dass eine grundsätzliche Umstellung der Dauerkarten-Regelung derzeit nicht geplant sei. Das Weser-Stadion werde weiterhin ein Platz für alle sein, unabhängig der politischen oder religiösen Einstellung. 

"Wir behalten uns aber bei aller satzungsgemäßen politischen Neutralität vor, Werte wie Solidarität, Humanismus und den Kampf gegen Rassismus und für Integration sehr deutlich hervorzuheben", hieß es.

"Der Fußball wie wir ihn lieben funktioniert nur in einer freiheitlichen und auf Toleranz und Vielfältigkeit basierenden Zivilgesellschaft." Deswegen sei es im "ureigenen Interesse", auf gesellschaftliche Entwicklungen zu reagieren.

Die Deutsche Fußballliga (DFL) betrachtet die Vorgänge bei Werder Bremen laut "Welt" als "vereinsinterne Angelegenheit". In diese wolle man sich derzeit nicht einmischen, man sei aber sensibilisiert.

Der sportpolitische Sprecher der AfD, Jörn König, sagte der "Welt":

Es ist Heuchelei, wenn Hess-Grunewald seine Äußerungen als Aufforderung zum Dialog bezeichnet.
Jörn König, sportpolitische Sprecher der AfD

Auch König beruft sich auf die Satzung des Vereins. Hess-Grunewald würde Toleranz nur predigen, sein Vorgehen führe zum "verfassungswidrigen Ausschluss von Menschen mit anderen Meinungen". 

Werder Bremen ist nicht der erste Klub, der sich mit Fans auseinandersetzt, die der AfD nahe stehen. 

Anfang des Jahres stellte Peter Gottschalk, langjähriger Vorsitzender des HSV-Seniorenrats, dort den Antrag, Mitglieder der AfD aus dem Verein zu werfen. (SPIEGEL ONLINE)

Im Dezember des vergangenen Jahres hatte sich Peter Fischer, Präsident von Eintracht Frankfurt, in einem Interview gegen Rechtspopulismus positioniert, er bezeichnete Mitglieder der AfD als "braune Brut". (Hessischer Rundfunk)

Korrektur, 14.42 Uhr: 

In einer vorherigen Version dieses Artikels hatten wir berichtet, dass sich der Verein zu den Vorfällen zunächst nicht äußert. Mittlerweile liegt der bento-Redaktion eine Äußerung von Werder Bremen vor, die sich von dem "Welt"-Bericht distanzieren. Entsprechend haben wir außerdem die Überschrift des Artikels angepasst.


Today

C&A entschuldigt sich für Pullover im Nazi-Look
Dieser Pulli war vielleicht keine gute Idee.

"Division" steht auf dem Kinderpulli von C&A. Die schwarze Schrift ist weiß umrandet. Die Schriftart: Fraktur. Pullover wie diese hat die Modekette C&A verkauft. Das Problem: Die Pullover erinnern an Nazimode. "Division Germania" ist eine Rechtsrockband, bei Nazi-Konzerten kommen viele Männer mit Glatzen in den Division-Shirts. (Taz)

Das hat nun auch C&A gemerkt, die Pullover aus dem Sortiment genommen und sich entschuldigt. Dem Unternehmen sei ein "bedauerlicher Fehler" unterlaufen, sagte ein C&A-Sprecher der "Waz" und der "Taz".

Wie kam es dazu?

Zuerst hatte eine Twitter-Nutzerin auf die Ähnlichkeit hingewiesen. Ihr Vorwurf: Hat C&A sich bewusst bei einem Neonazi-Label inspirieren lassen?