Und wenn ja: Wie lange muss ich aushalten?

Zähne zusammenbeißen und ab unter die kalte Dusche: So wollen manche Menschen sich gegen Erkältungen abhärten und das Immunsystem stärken. Einige gehen sogar Eisbaden – etwas, das schon Johann Wolfgang von Goethe in der Ilm getan haben soll.

Aber bringt regelmäßiges Kaltduschen unser Immunsystem wirklich auf Trab? Und wenn ja, woran liegt das und ist die Kältekur für jeden geeignet? Das haben wir Rainer Brenke gefragt. Er ist Facharzt der Inneren und Physikalischen Medizin und war zuletzt Chefarzt der Abteilung Naturheilverfahren an der Hufeland-Klinik in Bad Ems. 

Stärkt regelmäßiges kaltes Duschen unser Immunsystem?

"Dafür gibt es tatsächlich viele Hinweise", sagt Brenke: "Wissenschaftlich belegt ist der Effekt allerdings nicht." Denn welche Wirkung kaltes Duschen auf unser Abwehrsystem hat, ist bislang wenig erforscht. Die Studien, die es zum Thema gibt, beziehen sich meist auf Wechselreize, also den Wechsel von heiß und kalt.

Häufig zitiertes Beispiel ist eine Studie aus den Niederlanden aus dem Jahr 2016 (PLOS One). Um herauszufinden, ob Wechselduscher seltener krank werden als Warmduscher, teilten die Forscher ihre gut 3000 Probanden in vier Gruppen ein. Je nach dem, welcher Gruppe sie angehörten, mussten sie einen Monat lang ihre Duschgänge mit 30, 60 oder 90 Sekunden langem Kaltduschen beenden. Die verbleibende vierte Gruppe durfte wie gewohnt ihre warme Dusche genießen. Das Ergebnis: Die Wechselduscher-Gruppen meldeten sich in den darauffolgenden zwei Monaten zu gut 29 Prozent weniger krank. Wie lange sie kalt duschten, machte dabei keinen Unterschied.

Klingt erst mal gut – doch ob die Kältekur das Immunsystem der Probanden tatsächlich gestärkt hat, lässt sich aus dieser Studie nicht ableiten, sagt Brenke. Denn obwohl die Wechselduscher sich weniger krankmeldeten, berichteten sie dennoch genauso häufig, sich krank zu fühlen, wie die Warmduscher. Ob sie am Ende öfter zur Arbeit gingen, weil ihre Symptome weniger schlimm waren, oder sie sich durch das Wechselduschen tatsächlich fitter fühlten, lässt sich nicht sagen.

Woher könnte eine stärkende Wirkung kommen?   

Als bewiesen gilt: "Regelmäßige Wechselreize verbessern die Durchblutung", sagt Brenke – "und das tut auch unserem Immunsystem gut." Für den Körper bedeutet der Wechsel von warm und kalt Stress. Registriert er einen Temperaturunterschied, versucht er sofort zu regulieren. Bei einem Kältereiz bedeutet das: Die Blutgefäße unserer Haut ziehen sich zusammen, werden dadurch weniger durchblutet und unser Körper verliert weniger Wärme. "Kurz nach dem Kaltreiz weiten sich unsere Blutgefäße wieder und der Blutfluss nimmt zu", erklärt Brenke.

Was das mit unserem Immunsystem zu tun hat? Ist unsere Haut gut durchblutet, trifft das in der Regel auch auf unsere Schleimhaut in Mund und Nase zu – "und gut durchblutete Schleimhäute können sich besser gegen potenziell krankmachende Viren und Bakterien schützen", so Brenke.

Hat kaltes Duschen noch andere positive Effekte?

"Wie jeder starke Reiz scheint kaltes Duschen Endorphine freizusetzen", sagt Mediziner Brenke, "das hebt die Stimmung und könnte vielleicht sogar gegen Depression helfen." Wissenschaftlich belegt ist das aber nicht. 

Gut ist die Kältekur für die Haut selbst: "Anders als warmes Wasser entzieht kaltes unserer Haut kaum Feuchtigkeit und lässt ihren natürlichen Schutzfilm weitestgehend intakt", so Brenke. Wer regelmäßig kalt duscht, könnte im Laufe seines Lebens also weniger Falten entwickeln.

Möglich ist auch, dass Wechselduschen beim Abnehmen helfen. Denn Kältereize können im Körper sogenannte braune Fettzellen aktivieren – "und die funktionieren wie ein Verbrennungsmotor", erklärt Facharzt Brenke: "Sie produzieren Wärme und verbrauchen dafür Kalorien." Ihr Pendant, die weißen Fettzellen, dient hingegen als Energiereserven. Leider nimmt das braune Fettgewebe aber im Erwachsenenalter ab. 

Wie oft muss ich kalt duschen, damit es sich positiv auf meinen Körper auswirkt?

"Auch hierzu gibt es keine wissenschaftlichen Studien", sagt Brenke. Um einen dauerhaften Effekt zu erzielen, sollte man sich nach seiner Schätzung jedoch mindestens einmal am Tag unter die kalte Dusche stellen – je nach Verträglichkeit für bis zu drei Minuten. "Kalt" bedeutet laut Brenke übrigens eine Temperatur zwischen 14 bis 16 Grad Celsius.

Zu viel sollte man von der Kältekur jedoch nicht erwarten. Kaltes Duschen allein reicht nicht aus, um den Körper gesund zu halten. "Wichtig ist das Gesamtpaket", so Brenke – und dazu gehören: "Eine ausgewogene Ernährung, Stressabbau, Bewegung an der frischen Luft und der Verzicht auf Zigaretten und zu viel Alkohol." 

Gibt es Menschen, die auf kaltes Duschen verzichten sollten?

Vorsichtig sein sollten zum Beispiel Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und/oder einem zu hohen Blutdruck. Der Grund: "Ziehen sich ihre Blutgefäße durch den Kältereiz zusammen, steigt der Druck in den Gefäßen und der Blutdruck schnellt zusätzlich in die Höhe." Im Zweifelsfall sollten Betroffene das mit ihrem Hausarzt besprechen.


Gerechtigkeit

Diese junge SPD-Politikerin könnte ins Europaparlament einziehen – dank einer Quote
Hier spricht Juso-Vize-Chefin Delara Burkhardt über ihre Bevorzugung auf der Liste für die Europawahl.

Delara Burkhardt ist 26 Jahre alt, eine Frau und in der SPD. Bei der Europawahl wird sie für ihre Partei antreten. Und wenn alles läuft wie geplant, wird sie ins Europäische Parlament einziehen. Das ist gleich aus mehreren Gründen bemerkenswert.

  • Zum einen gibt es nicht so viele junge Frauen in der Partei.
  • Noch weniger junge Frauen werden von der Partei auf aussichtsreichen Listenplätzen aufgestellt, selbst wenn sie, wie Burkhardt, Vize-Chefin der Jusos sind.
  • Zudem war der Zug nach Brüssel für Delara Burkhardt schon abgefahren – eigentlich.

Auf dem Nominierungsparteitag der SPD in Schleswig-Holstein unterlag sie ihrem Kontrahenten Enrico Kreft, 40. Auf dem Vorschlag des SPD-Parteivorstands zur Bundesliste der Partei für die Europawahl hätte sie also weit abgeschlagen hinter Kreft landen müssen.

Aber es kam anders.

Der SPD-Parteivorstand zog zwei junge Kandidatinnen auf aussichtsreiche Plätze vor. Delara Burkhardt war eine davon. Sie bekam den Listenplatz fünf. Baden-Württembergs SPD-Generalsekretärin Luisa Boos, 33, bekam Platz 15. (Hier ist die Wahlliste der SPD für die Europawahl, die am 9. Dezember bei einer Delegiertenkonferenz gewählt werden soll.)

Burkhardts Konkurrent aus Schleswig Holstein, Enrico Kreft, blieb Platz 32. Obwohl ihn die SPD-Mitglieder im Norden vor Burkhardt platzieren wollten. Viele in der SPD beschwerten sich.

Evelyne Gebhardt, 64, ist eine von denen, die wegen der Bevorzugung von jüngeren Kandidatinnen zurückstecken mussten. Sie steht auf Platz 25. Gebhardt, immerhin Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, schrieb auf Facebook, sie sei "maßlos enttäuscht. Die Bundespartei wolle sich ein "jüngeres, social-media-konformes Image" verpassen. (SPIEGEL ONLINE)