Bild: WDR
"Barista, Barista, Antifascista" – die wichtigsten Fragen.

Was ist passiert?

Anfang der Woche war in der WDR-Morgensendung "Live nach Neun" Carlo von Bülow zu Gast, der Deutsche Meister in Latte Art. Er sollte zeigen und berichten, wie er Bilder mit Kaffeeschaum malt. Allerdings schnitt der WDR den Auftritt von Bülow in der Mediathek nachträglich zunächst heraus – wegen seines T-Shirts

Darauf sind eine Espressokanne und der Spruch "Barista, Barista, Antifascista" abgebildet. Noch während der Sendung hatten sich Zuschauer beschwert (übermedien.de). Der Verein "Ein Prozent für unser Land" rief auf Facebook zu einem Shitstorm auf und schrieb, bei der "inhaltlich seichten Vormittagssendung der ARD" dürfe ein Gast seine "verblödeten linksextremen Botschaften" absetzen. Der Verein arbeitet eng mit den "Identitären" zusammen (SPIEGEL ONLINE) und wird vom rechtsradikalen Burschenschaftler Philip Stein geleitet (taz).

Der WDR reagierte, indem er die Passage in der Mediathek aus der Sendung schnitt – was wiederum andere Zuschauer erzürnte. 

Was bedeutet die Botschaft auf dem T-Shirt? 

Der Spruch "Barista, Barista, Antifascista!" veralbert den Antifa-Schlachtruf "Alerta, Alerta, Antifascista", der auf den Kampf italienischer Antifaschisten gegen den Diktator Mussolini in den Zwanzigerjahren zurückgeht. (Mut-gegen-rechte-Gewalt.de)

Die abgewandelte Version entstand bei einem Gerichtsverfahren gegen den Sänger der Punkband Feine Sahne Fischfilet, Jan "Monchi" Gorkow, der wegen Landfriedensbruch angeklagt war. Im Prozess sagte ein Polizist aus, die Linken hätten immerzu etwas gerufen: "Ich kann kein Spanisch, 'Barista, Barista Antifascista' oder so." (Nordkurier)

Das erheiterte damals eine Menge Leute. Der Spruch wird auch über die Szene hinaus verwendet. Das daraufhin entstandene Logo lehnt an das Logo der Antifaschistischen Aktion an. Diese Aktion ist ein Zusammenschluss von antifaschistischen Gruppen, die auch vom Verfassungsschutz beobachtet werden. Auf dem T-Shirt des Barista sind allerdings statt Fahnen Kaffeebohnen und Espressokannen in der Mitte zu sehen.

Was sagt Carlo von Bülow dazu?

Er distanziert sich ausdrücklich davon, eine politische Haltung ausgedrückt haben zu wollen, selbst wenn der Sinn seines Shirts sei, ein antifaschistisches Logo zu veralbern. In einem Facebook-Post nimmt er Stellung zu der nachträglich gekürzten Sendung und schreibt:

"Das Shirt ist weit weniger politisch, als es auf den ersten Blick vielleicht den Anschein macht. Es hat keine parteipolitische Zugehörigkeit und kann de facto nicht einmal konkret der (sehr losen) politisch-aktiven Gruppierung 'Antifa' zugeordnet werden. (...) Mit diesem Hintergrundwissen ist das Shirt definitiv mit einem großen Augenzwinkern zu sehen und nicht als Statement einer radikalen politischen Haltung. Manchmal lohnt ein Blick über den eigenen Horizont hinaus."

Bülow wundert sich außerdem darüber, dass eine andere Sendung aus dem Monat März, in der er das T-Shirt ebenfalls trug, weiterhin in der Mediathek verfügbar sei. Damals habe er sich bei der Redaktion sogar erkundigt, ob er das Shirt nicht lieber wechseln solle. 

Die Antwort sei sinngemäß gewesen: "Lass das ruhig an. Unser Publikum kann das auch mal vertragen und aushalten." Die Resonanzen seien damals fast durchweg positiv gewesen. 

Bülow hinterfragt auch, wie weit die Wahrung von Neutralität im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gehen kann und sollte.

"Natürlich ist 'Live nach Neun' keine Polit-Sendung aus dem Abendprogramm, bei der kontrovers diskutiert wird. Und sie ist auch keine politische Satiresendung, wie beispielsweise 'Die Anstalt'. (...) Hätte man mich mit einer Frisur wie der von Sascha Lobo auch schon herausgeschnitten? Denn wie oben ausgeführt besitzt mein Shirt bei genauerem Hinsehen kaum mehr Aussagekraft, als ein rot gefärbter Irokesenschnitt."

Warum ist das wichtig?

Der Fall zeigt, wie schwer sich Medien und Unternehmen oft tun, mit dem steten Beschwerde-Rauschen im Netz umzugehen. Ist die Objektivitäts- und Neutralitätspflicht des Senders bereits verletzt, weil ein Gast ein T-Shirt trägt, das politisch gemeint sein könnte, aber nicht muss?

Bevor ein Shitstorm droht, eine Sendung in sozialen Netzwerken geteilt wird und – gerechtfertigt oder nicht – negativ im Gedächtnis der Zuschauerinnen und Zuschauer bleibt, wird Streit lieber gleich vermieden. Einige Zuschauer der Sendung empfanden das als Zensur. 

Was sagt der WDR?

Der Sender sah das offenbar ähnlich. Er hat das Original nachträglich wieder in die Mediathek aufgenommen und sich unter einem Ausschnitt aus der Sendung (Facebook) bei seinen Zuschauerinnen und Zuschauern entschuldigt:

"Wir haben voreilig eine Passage aus der gestrigen Sendung gelöscht, weil der Gast ein T-Shirt mit einem Spruch getragen hat, der in den sozialen Medien kritisiert wurde. Die Löschung war ein Fehler, den wir bedauern. Wir haben daher die Passage wieder hereingenommen, so dass die Sendung jetzt so zu sehen ist, wie sie gestern ausgestrahlt wurde. Liebe Grüße aus der Redaktion"

Übrigens: 

Die Sendung stand am besagten Tag unter dem Motto: "Mach’s doch mal mit links." Wie Übermedien berichtet, sollte es dabei aber eigentlich nur um den Linkshändertag gehen. 


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