Chrrrrr, chrrrrrrr, chrrrrrr

Es ist ätzend, wenn man nicht schlafen kann. Und wenn der Mensch neben uns dafür verantwortlich ist, wird die Lage ernst. Schnarchen sorgt häufig für Zoff – und wer hat dann nicht schon diverse Tricks probiert: Nase zuhalten, Kopf höher legen, auf der Seite schlafen. 

Was hilft wirklich gegen das nervige Geräusch? Wir haben nachgefragt: bei Hartmut Grüger, Chefarzt an der Klinik für Schlafmedizin Düsseldorf.

Erwachsenwerden für Anfänger

Irgendwie dachten wir früher immer, Leute in unserem Alter hätten das Leben besser im Griff: Finanzen geregelt, Kühlschrank gefüllt. Heute wissen wir: Sachen im Griff haben ist schwerer als gedacht. Also googlen wir unsere Probleme. Die Antworten der Suchmaschine sind nur leider manchmal unbefriedigend. Deshalb klären wir mit Hilfe von echten Experten Fragen, die Google uns vorschlägt, wenn wir bestimmte Begriffe eingeben. Zum Beispiel Plastikflaschen – oder Kopfhörer.

Was passiert beim Schnarchen überhaupt? 

"Beim Schnarchen kommt das Weichteilgewebe im Schlundbereich in Vibration", erklärt Grüger. "Ähnlich wie bei einer Fahne, die im Wind knattert." 

Etwa die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung schnarcht. Im Alter tritt die Störung häufiger auf: "Das Weichteilgewebe wird lockerer, gleichzeitig lässt die muskuläre Koordination nach, die für die Stabilisierung der Atemwege und damit den Transport der Luft in die Lunge verantwortlich ist", sagt Grüger. 

Außerdem haben wir nicht nur das Gefühl, dass Männer viel lauter schnarchen als Frauen, es ist wirklich so, sagt Grüner: 

"Männer haben einen größeren Resonanzraum im Rachen und gleichzeitig ein etwas lockereres Gewebe." 

Das verstärkt den nervigen Sound in der Nacht.

Wovon hängt es ab, ob jemand schnarcht? 

Nicht nur alte Männer schnarchen – viele haben Phasen, in denen sie ganz besonders stark schnarchen. Warum? "Bei Erkältungen und Allergien sind die Schleimhäute angeschwollen, dadurch werden die Atemwege enger und das Schnarchen wird verstärkt", sagt Grüger. 

Einen ähnlichen Effekt haben Zigaretten, weshalb Raucher häufiger schnarchen. Und auch Alkohol spielt eine Rolle: "Dadurch wird die Muskelspannung geringer, was die Vibration des Gewebes erleichtert", sagt Grüner. 

Ähnliches können auch Medikamente auslösen, die die Muskeln entspannen. Zum Beispiel Schlafmittel – mit ihnen schläft man zwar besser, aber auch lauter. 

Was kann man gegen Schnarchen tun? 

Bei Erkältungen dafür sorgen, dass die Nase frei ist, bei Allergikern die Allergie selbst bekämpfen, damit dadurch auch das Schnarchen nachlässt. Weniger Alkohol vorm Schlafen – und in einigen Fällen: abnehmen. "Übergewicht verstärkt das Schnarchen, weil der Halsumfang und der Gewebeumfang dabei zunehmen", sagt Grüger. 

Es kann auch helfen, mit erhöhtem Kopf und Oberkörper zu schlafen. "Manche Menschen verteilen nachts aus den Beinen und Armen Gewebeflüssigkeit um, sie gelangt teilweise in den Halsbereich", sagt Grüger. "Das erhöht wieder den Weichteilgewebedruck." 

Und das führt zu starkem Schnarchen. Ein dickes Kissen kann helfen. Außerdem schnarchen Menschen, die auf dem Rücken schlafen, häufiger, weil dabei die Zunge weiter nach hinten fällt. 

Also: besser auf der Seite oder dem Bauch schlafen.

Welche Lösungen gibt’s beim Arzt und Apotheker?

Neben den Hausmitteln, die leicht umzusetzen sind, gibt es unterschiedliche Behandlungsmethoden beim Arzt – inklusive diverser Operationen. "Zunächst ist zu klären, ob es sich um primäres Schnarchen ohne Atempausen handelt oder eine Schlafapnoe vorliegt", sagt Grüger. Das sind kleine Atemaussetzer im Schlaf, häufig tritt diese Störung gemeinsam mit Schnarchen auf. Auch verengte Atemwege können zu den Schlafgeräuschen führen. 

Von der Ursache hängt die Behandlung ab:

Weiße Anführungszeichen
Es gibt mehr als 20 Operationsverfahren, die gegen Schnarchen helfen.
Hartmut Grüger, HNO-Arzt

Man kann zum Beispiel das Weichteilgewebe operieren lassen oder von einem Zahnarzt durch eine spezielle Schiene aus dem 3-D-Drucker den Unterkiefer nach vorn holen. Eine ziemlich neue Therapie, die aktuell selbst bezahlt werden muss.

Und was macht der oder die, die daneben liegt?

Egal, ob das Schnarchen durch die Erkältung kommt, von der Partynacht oder vielleicht anatomisch bedingt ist: Wer neben einem Schnarcher liegt, den nervt das. Ist es hilfreich, wenn man den Anderen anstupst oder ihm kurz die Nase zuhält? Von wegen, sagt der Experte:

"Wenn wir das tun, erzeugen wir bei dem Partner eine Weckreaktion. Das erhöht die Muskelspannung und derjenige hört auf zu schnarchen – zumindest solange, bis er wieder in einen tieferen Schlaf kommt."

Die Methode ist erstens nicht besonders wirkungsvoll, weil das Schnarchen normalerweise zurückkommt, sobald die kurze Wachphase vorbei ist. Zweitens unterbrechen wir immer wieder den Schlaf des Anderen. Das merkt er zwar nicht unbedingt (oder erinnert sich am nächsten Morgen nicht mehr dran), aber wirklich erholsam ist die Nacht so nicht – für alle Beteiligten. 


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