Bild: Lars Schröer/dpa
Inzwischen wurde der Katastrophenfall ausgerufen – hier sind fünf Gründe, warum es immer noch brennt.

Seit dem 3. September schwelt auf dem Bundeswehrgelände WTD 91 in der Nähe von Meppen in Niedersachsen ein Moorbrand (bento); mittlerweile auf einer Größe von acht Quadratkilometern, eine Fläche von mehr als 1100 Fußballfeldern. Warum bekommen die Einsatzkräfte der Feuerwehr den Brand nicht in den Griff?

1 Der Moorbrand schwelt unterirdisch und ist schwer zu löschen

Das erste Problem ist der Brand selbst. Bei einem Moorbrand brennt es nicht wie bei anderen klassischen Bränden oberirdisch, sonder unter der Erde – ohne offene Flamme. Der Brand ist also nicht ohne Weiteres zu erkennen. Hinzu kommt, dass der Torf sehr schwer zu löschen ist. Eigentlich wird er als Brennstoff abgebaut, in diesem Jahr brennt er aber noch stärker, wegen der langanhaltenden Dürre und der Hitze im Sommer.

2 Die Feuerwehrleute können nicht die ganze Fläche betreten – es werden explosive Munitionsreste im Moor vermutet

Ein weiteres Problem für die Einsatzkräfte der Feuerwehr: Auf dem Moorgebiet werden explosive Munitionsreste vermutet, die bei Truppenübungen zurückgeblieben sind. Das Gebiet wird laut Umweltministerium seit 1876 militärisch genutzt und gilt als "blindgängergefährdet", das berichtet der "Weser Kurier".

Diese könnten sich bei Hitze entzünden oder explodieren. Deshalb können die Feuerwehrleute nicht einfach von allen Seiten löschen. Sie dürfen das Moor nur in freigegebenden Bereichen betreten, in denen keine Explosionsgefahr besteht.

3 Es sind etwa 1100 Einsatzkräfte in Meppen im Einsatz, aber die sind mit den Kräften am Ende

Derzeit sind etwa 1100 Kräfte vom Technischen Hilfswerk, freiwilligen und Berufsfeuerwehren und der Bundeswehr im Einsatz. Es handelt sich zum großen Teil um freiwillige Helfer, die für ihr Engagement Berufs- und Privatleben vernachlässigen. 

Nach über zwei Wochen sind diese Helfer am Ende ihrer Kräfte. Sie schlafen nur drei Stunden in der Nacht und haben zwischen den Einsätzen maximal zwei Stunden Pause, erklärten zwei Feuerwehrmänner dem NDR.

4 Das Wetter könnte die Lage verschlimmern

Der Sprecher des WTD-91, David Bracke, betont zwar, das Feuer sei derzeit "unter Kontrolle". Die Löscharbeiten würden aber bis mindestens Ende der Woche fortgeführt werden, berichtet die "Hannoversche Allgemeine Zeitung". Als weitere Herausforderung käme auf die Einsatzkräfte zu, dass für die nächsten Tage böiger Wind angekündigt ist, der die Feuer weiter anfachen könnte.  

5 Der Rauch ist derzeit das größte Problem

Die Rauchwolke, die von dem Brand ausgeht, ist bis ins 100 Kilometer entfernte Bremen zu sehen. Sogar in Hamburg habe es mehrere Beschwerden über Geruchsbelästigung gegeben, die auf den Brand zurückzuführen seien, berichtet das "Hamburger Abendblatt".

Durch den Rauch könnten bisher zwischen 500.000 und 900.000 Tonnen CO2 freigesetzt worden sein, errechnete Felix Grützmacher, vom Deutschen Naturschutzbund. Das entspräche dem Ausstoß, den 50.000 bis 90.000 Personen im Jahr produzieren.


Wie geht es weiter?

Der Landkreis Emsland, zu dem die Stadt Meppen gehört, hat nun sogar den Katastrophenfall ausgerufen. Evakuierungen seien nicht mehr auszuschließen (SPIEGEL ONLINE). Dies betreffe vor allem die Gemeinden Groß Stavern und Klein Stavern, wurde mitgeteilt. Bei dem aufkommenden Sturm sei nicht vorherzusehen, wie sich der Brand entwickelt.


"Eine ganz konkrete Prognose ist derzeit nicht möglich, dennoch ist zu erwarten, dass sich Rauchbelästigung und Funkenflug verschärfen", sagte Reinhard Winter, Landrat des Kreises Emsland. Man wolle keine Unruhe erzeugen, aber die Bevölkerung darauf aufmerksam machen, dass eine Evakuierung nicht mehr undenkbar sei, so Winter weiter.


Future

Keine Abtreibung, keine zweite Heirat, keine wilde Ehe: So absurd sind die Regeln für Angestellte der Kirche
Warum arbeitet man dort trotzdem?

Ein katholischer Arzt heiratet zum zweiten Mal – und wird deshalb gefeuert. Sein katholischer Arbeitgeber entließ ihn wegen "Illoyalität". Laut der katholischen Lehre ist eine Ehe nicht auflösbar. Eine zweite Ehe nach einer Scheidung gilt als Sünde. Vergangene Woche entschied der Europäische Gerichtshof, dass die Kündigung eine "verbotene Diskriminierung" darstellen könne. (bento)