"Jeder Jeck ist anders"

Wer wissen will, wie NRW tickt, nimmt am besten den Regionalexpress von Minden nach Köln. Vor den Zugfenstern rauschen erst Fachwerkhäuser und Bauernhöfe vorbei, dann Hochöfen, Industriehallen. Irgendwann überquert der Zug den Rhein und du hältst direkt neben dem Kölner Dom. 

Auf deiner Reise begegnen dir Fußballfans, die gerade halb eingefroren aus dem Dortmunder Stadion kommen. Da ist das Pärchen mit den voll gepackten Koffern, das von Düsseldorf aus in den Urlaub fliegen will, oder die muslimische Familie, die sich zu sechst auf den Viererplatz quetscht. 

Ach ja, und dann kommt noch eine Gruppe junger Frauen rein, die Junggesellinnenabschied feiern. Endstation: Kölner Ringe. Aber der Schnapsverkauf beginnt schon in der Bahn. 

Am Sonntag dürfen sie alle wählen. Jeder hat seine ganz persönlichen Wünsche an die Politik, aber eines eint sie: die Liebe zu Nordrhein-Westfalen. 

Wie ist es in NRW? Und was wünscht ihr euch für die Zukunft? Wir haben nachgefragt:
Muhamed, 27, Friseur aus Düsseldorf-Benrath
Muhamed, 27

NRW ist super tolerant, hier gibt es viele verschiedene Menschen. Alle sind locker drauf und hilfsbereit. Das erlebe ich immer wieder. Ich erinnere mich an eine Szene, als ein Mann seine Frau mitten auf der Straße geschlagen hat. Passanten sind gleich auf die beiden zugegangen, haben Hilfe geholt.

Am Sonntag gehe ich wählen, das ist wichtig. Es gibt schon Dinge, die mich nerven. Es gibt in den Städten kaum Parkplatzmöglichkeiten. Gerade habe ich für eine halbe Stunde 2,50 Euro bezahlen müssen. 

Mich nervt es, wenn Politiker Versprechungen machen und sie dann nicht einhalten. Das sehe ich zum Beispiel an meiner kleinen Tochter. Es gibt kaum Betreuungsmöglichkeiten. Meine Frau und ich arbeiten beide als Friseure, aber wir müssen die Kleine immer bei unseren Familien abgeben.

In der Slideshow: So machen die Parteien Werbung in NRW
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Laura, 29, aus Iserlohn, arbeitet bei einem Großhandel für Hundesnacks

Ich komme eigentlich aus Hamburg und wohne seit einem Jahr hier. Die Leute sind offener, freundlicher und du bekommst häufiger ein Lächeln geschenkt. Letztens saß ich mit meinem Freund im Café und wir haben uns einen Toskana-Reiseführer angeschaut. Da haben uns die Sitznachbarn gleich angesprochen und uns noch ein paar Reisetipps gegeben. 

Außerdem bin ich ein riesengroßer Musical-Fan. Da sind Bochum und Essen natürlich super. Jetzt wähle ich zum ersten Mal in NRW, beziehungsweise ich habe schon per Briefwahl gewählt. 

Innere Sicherheit ist mir wichtig, ich würde mir mehr Polizeipräsenz wünschen. Ich finde es wichtig und richtig, dass wir Flüchtlingen Schutz bieten, aber sie müssen besser eingegliedert werden. Ich selbst hatte ein unschönes Erlebnis – es ist schwierig, wenn sechs junge Männer hinter dir herlaufen, du trägst eine kurze Hose, und sie meinen, dich anfassen zu müssen. 

Ich will mich nicht verstellen müssen, sie müssen unsere Werte kennenlernen. Und wenn etwas schief läuft, müssen sie bestraft werden. Aber das ist mir wichtig: Ich bin nicht gegen die Aufnahme von Flüchtlingen.

Adam, 27, Tätowierer aus Köln
Adam, 27

In NRW gehen Jung und Alt ganz wunderbar miteinander um. Jeder Jeck ist anders, darf machen was er will. Das ist super so und wird so akzeptiert. Ich erlebe das vor allem in Kneipen oder in Parks, wenn junge und alte Menschen ins Gespräch kommen, über Fußball – das liegt in NRW ja nahe – die Politik und die Arbeit. 

Ich wünsche mir vor allem mehr künstlerischen Freiraum. Es geht mir nicht nur um mehr Ausstellungen, sondern zum Beispiel auch um mehr Flächen für Graffiti.

Carina, 18, aus Düsseldorf-Urdenbach und Nadine, 19, aus Monheim, beide studieren Game Design
Carina, 18, und Nadine, 19

Wir mögen es, dass es hier so multikulturell ist, wir sind gerne im Japanviertel in Düsseldorf unterwegs. Außerdem gibt es in den kleineren Städten immer wieder Feste und Veranstaltungen, wo Menschen zusammenkommen, die sich vorher nicht kannten. Dieser Austausch ist toll.

Wichtig ist uns das Thema Gaming. Uns nerven die Vorurteile und Kategorisierungen. Wer Egoshooter spielt, ist nicht gleich ein potenzieller Mörder. Viele Menschen wissen gar nicht, wie viel Arbeit und Recherche dahintersteckt, so etwas zu entwickeln. 

Man kann Wissen in Games viel besser vermitteln. In einem Buch liest du eine Geschichte, aber die Welt drumherum musst du in deiner Fantasie erschaffen. Aber wenn du ein Spiel spielst, kannst du selbst entscheiden, was passiert, bist interaktiv dabei. 

Soweit wir wissen, wird in Schweden das Thema Gaming zum Beispiel in den Schulunterricht integriert. Das wünschen wir uns hier auch.

Charlotte, 23, Büttgen, Junior-Projektmanagerin
Charlotte, 23

Ich schätze an NRW vor allem die Arbeitsmöglichkeiten – hier gibt es alles, von Medienunternehmen bis hin zu Großunternehmen im Pharmabereich. Außerdem kannst du hier alles studieren, was du willst. 

Eine Bitte an die Politik habe ich: Bitte schafft G8 ab. Ich bekomme es in der Familie und bei Freunden mit, wie gestresst die Schüler sind und dann eh noch nicht wissen, was sie nach der Schule machen sollen. Dann gehen sie erst mal für ein Jahr ins Ausland und haben am Ende doch keine Zeit gespart.

Tim, 27, Schwelm, Softwareentwickler
Tim, 27

Die Rheinische Frohnatur gibt es nur hier in Köln und Düsseldorf – so viel Leichtigkeit kenne ich von woanders nicht. Ich erlebe das jeden Tag im Zug. Man setzt sich hin, spricht den Nachbarn an, kommt ins Gespräch. Zunächst geht es vielleicht nur ums Wetter, aber dann kann es auch schnell persönlich werden. Man redet über die Arbeit, die Familie, vielleicht über den Stress, den man hat.

Das Gespräch hat dann nur eine halbe Stunde gedauert – man hat den Gegenüber vielleicht nicht richtig kennengelernt, aber immerhin für eine gewisse Zeit an seinem Leben teilgenommen. Das mag ich an NRW besonders. 

Zwei Themen liegen mir am Herzen. Das eine ist die Bildung. Wir haben ganz viele Menschen in unserem Land dazugewonnen, die unsere Kultur erst noch kennenlernen müssen. Neben der Sprache müssen sie lernen, wie unser Arbeitsmarkt funktioniert. In die Bildung für diese Menschen müssen wir investieren. 

Das zweite Thema ist die Sicherheit. Wir brauchen mehr Polizisten. Ein guter Freund von mir ist Polizist und er sagt mir oft: "Wir können nicht mehr als 70 Stunden arbeiten." Gerade in so einem bevölkerungsreichen Bundesland braucht es da mehr Personal.

Kim, 25, aus Duisburg, macht eine Ausbildung zur Operationstechnischen Assistentin
Kim, 25

Menschen aus NRW sind extrem heimatverbunden. Ich kennen niemanden, der sagt, dass er für immer weg will. Ich weiß, was Heimweh bedeutet. Zwei Jahre habe ich am Bodensee gelebt und wollte unbedingt zurück. Hier gibt es einfach ein abwechslungsreicheres Angebot an Freizeitaktivitäten, man ist schnell in anderen Städten. Nur Karneval hasse ich.

Für mich ist vor allem der Verkehr eine Katastrophe, also der öffentliche Nahverkehr. Ständig gibt es Baustellen, Züge sind verspätet. Aber sonst stört mich nicht wirklich etwas.

Hier sind alle unsere Beiträge zur NRW-Wahl

Haha

Melissa McCarthy düst als "Spicey" durch New York

Wenn Melissa McCarthy auf ein Rednerpult tritt, kann man sich generell schon mal auf beste Unterhaltung freuen. Und wenn auf dem Pult dann auch noch das Emblem des Weißen Hauses prangt, dann ist McCarthy in ihrer absoluten Paraderolle: die von Trumps Pressesprecher Sean Spicer. 

Niemand kann ihn so gut nachmachen wie sie. Und offenbar hat McCarthy für die Comedy-Show Saturday Night Live gerade wieder eine neue Folge aus "Spiceys" Leben gefilmt.