Bild: Getty Images / Bertrand Guay
Frankreich hat bei der Wahl zwei traurige Rekorde aufgestellt.

Emmanuel Macron hat die Stichwahl um die französische Präsidentschaft gewonnen, er bekam etwa 66 Prozent der gültigen Stimmen – und lag damit deutlich vor seiner Konkurrentin Marine Le Pen (knapp 34 Prozent). Viele Menschen sind erleichtert, in Frankreich und der ganzen Welt.

Aber: Frankreich hat bei dieser Wahl auch zwei traurige Rekorde aufgestellt.
1. Mehr als vier Millionen Menschen gaben am Sonntag einen leeren oder ungültigen Stimmzettel ab. 

Das sind 8,55 Prozent aller registrierten Wähler – und damit so viele wie nie ("Le Monde"). Die "votes blancs" und "votes nuls" werden in die Wahlbeteiligung einberechnet und zählen deshalb offiziell nicht als Enthaltungen. 

Sie haben aber keinen Einfluss auf das Wahlergebnis: Die Stimmanteile der beiden Kandidaten werden nur auf Basis der gültigen Stimmen, der "suffrage exprimé", berechnet. Würden sie berücksichtigt, sähe das Wahlergebnis folgendermaßen aus:

  • Emmanuel Macron bekäme 58,52 Prozent der abgegebenen Stimmen – und damit immer noch die notwendige absolute Mehrheit.
  • Marine Le Pen käme auf 30,01 Prozent.
  • 8,49 Prozent der abgegebenen Stimmzettel wären leer, 2,98 Prozent ungültig.

Schon vor der Stichwahl hatten zahlreiche Menschen angekündigt, aus Protest einen leeren Stimmzettel abzugeben oder ganz zu Hause zu bleiben. Insbesondere die Anhänger des Linken Jean-Luc Mélenchon sagten, sie könnten sich weder mit Le Pen noch mit Macron identifizieren.

2. Jeder vierte registrierte Wähler enthielt sich – ein Rekord für einen zweiten Wahlgang seit 1969. 

Es ist auch das erste Mal seit 1969, dass die Wahlbeteiligung in der zweiten Runde niedriger war als in der ersten; am 23. April hatten noch knapp 78 Prozent abgestimmt ("Le Monde"). Nimmt man die Zahl der registrierten Wähler als Grundlage, sieht das Wahlergebnis folgendermaßen aus:

  • Nur 43,63 Prozent aller registrierten Wähler stimmten für Macron.
  • 22,38 Prozent wählten Le Pen.
  • 25,44 Prozent enthielten sich. 6,33 Prozent gaben einen leeren Stimmzettel ab, 2,22 Prozent einen ungültigen.

In der Stichwahl treten zwei Kandidaten an, damit einer von beiden mit absoluter Mehrheit Präsident wird – würden alle Nichtwähler berücksichtigt, müsste die Wahl also wiederholt werden.

Das bedeutet: Macron hat die Präsidentschaftswahl zwar gewonnen, er hat aber nicht die Mehrheit der Franzosen hinter sich.

So feierte Macron seinen Sieg am Sonntagabend:

Unseren Überblick zu den Wahlergebnissen und einigen Reaktionen findest du hier.

Today

Die AfD wäre raus: Das ehrliche Wahlergebnis in Schleswig-Holstein
Inklusive Nichtwählern

Am Sonntag hat Schleswig-Holstein einen neuen Landtag gewählt – die CDU wurde stärkste Kraft, die AfD zog erstmals ins Parlament ein. (bento

Die gute Nachricht: Bei der Wahl haben mehr Menschen teilgenommen als bei den vergangenen Wahlen zuvor. Die Wahlbeteiligung stieg von 60,2 Prozent im Jahr 2012 auf nun 64,2 Prozent. Das heißt: Mehr Menschen ist Politik wichtig geworden. Sie wollen, dass ihre Stimme zählt.

Aber: Würde man die Nichtwähler hinzunehmen, wäre die Wahl anders ausgefallen.