Im vergangenen Jahr haben in den USA mindestens 265 Kinder und Jugendliche unter 17 Jahren versehentlich auf sich selbst oder auf jemand anderes geschossen. Im Durchschnitt passierte das fünfmal pro Woche. Das zeigen Analysen der Lobby-Organisation "Everytown for Gun Safety", sie kämpft in den USA gegen die laschen Waffengesetze.

Woher hat die Organisation die Zahlen?

Auf ihrer Webseite schreibt die Organisation, dass sie Medienberichte über solche Unfälle analysiert (Alle Artikel in der Übersicht), bei offenen Fragen würde sie zusätzlich örtliche Behörden kontaktieren. Tatsächlich geht es nur um Unfälle; Amokläufe und Suizide werden in der Erhebung nicht berücksichtigt.

Die Organisation sei dabei, noch 30 weitere Schießereien aus dem vergangenen Jahr zu verifizieren, schreibt die "Washington Post". Demnach könnte die Zahl der betroffenen Kinder und Jugendlichen sogar noch steigen. Die Organisation sammelt zum ersten Mal diese Zahlen, dementsprechend lassen sie sich nicht mit Vorjahren vergleichen.

    In einer interaktiven Karte zeigt "Everytown for Gun Safety", wo die Unfälle passierten(Bild: Everytown for Gun Safety)
    Was weiß man über die Unfälle?

    Die "Washington Post" berichtet über Einzelheiten aus der Analyse der Lobby-Organisation:

    • Todesfälle: 83 der Schießereien endeten tödlich. 41-mal tötete der Schütze sich selbst, 42-mal jemand anderen.
    • Ort: Meist ereigneten sich die Schießereien beim Opfer zuhause (148 Fälle), gefolgt vom Zuhause eines Freundes (31-mal) oder eines anderen Familienmitglieds (28-mal)
    Grafiken aus dem "Innovents Lost" Bericht aus dem Jahr 2014(Bild: Everytown for Gun Safety)

    2014 veröffentlichte die Lobby-Organisation Zahlen zu Schießereien, bei denen Kinder unter 14 Jahren ums Leben kamen (Zum Bericht "Innocents Lost"). Damals bezog sie sich auf Medienberichte, die zwischen dem 15. Dezember 2012 und dem 14. Dezember 2013 erschienen waren.

    Die zentralen Ergebnisse von damals:
    • Todesfälle: Es gab 100 Fälle, in den versehentlich ein Kind mit einer Schusswaffe getötet wurde.
    • Alter: Wenn ein Kind bei einer Schießerei gestorben ist, war der Schütze meist selbst ein Kind (73 Prozent). In 16 Prozent der Fälle war der Schütze erwachsen, in 11 Prozent der Fälle ist das Alter unbekannt.
    • Ursache: Meist (70 Prozent) hätte der Tod verhindert werden können – wenn der Besitzer seine Waffe verschlossen und ungeladen aufbewahrt hätte.
    • Ort: Am häufigsten (61 Prozent) kam das Kind im eigenen Haus ums Leben. Ansonsten ereignete sich der Unfall im Haus eines Freundes (10 Prozent), bei Verwandten (10 Prozent), bei der Jagd (5 Prozent) oder im Auto (3 Prozent).
    • Besitzer: Meist gehörte die Waffe den Eltern des Kindes (41 Prozent), gefolgt von anderen Familienmitgliedern (35 Prozent).
    Wer steht hinter der Organisation?

    "Everytown for Gun Safety" ist eine Lobby-Organisation, das heißt: Sie verfolgt ein klares Ziel, nämlich die Waffengesetze in den USA zu verschärfen. Die Organisation fusionierte 2014 aus zwei bestehenden Organisationen: "Mayors Against Illegal Guns", 2006 gegründet von den ehemaligen Bürgermeistern Michael Bloomberg (New York) und Tom Menino (Boston), sowie der Organisation "Moms Demand Action for Gun Sense in America", die seit einem Amoklauf in Newton 2012 besteht.

    Lässt sich die Politik von solchen Zahlen beeindrucken?

    Leider halten konservative Amerikaner unbeirrt an ihren Waffen fest. Gerade erst ist in Texas ein neues Gesetz in Kraft getreten: Seit dem 1. Januar 2016 darf jeder in dem Bundesstaat Handfeuerwaffen offen tragen, der eine Waffenlizenz hat – das betrifft in Texas fast eine Million Menschen. Orte wie Bars, Kirchen und Stadien sind von der Regelung ausgeschlossen. Das Gesetzt ist sehr umstritten: "Ich verstehe nicht, warum Feuerwaffen im Alltag irgendwas verbessern sollten", sagte der Demokrat Diego Bernal, er hatte gegen das Gesetz gestimmt.

    Immerhin: Präsident Barack Obama startet jetzt einen neuen Versuch, die Waffengesetze zu verschärfen – gegen die Blockade von Parlament und Waffenlobby. In seiner wöchentlichen Videobotschaft sagte er, er werde sich am Montag mit Justizministerin Loretta Lynch treffen, um mögliche Schritte zu besprechen.

    Quellen:

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