Seit dem 1. Oktober gilt in Österreich das umstrittene Anti-Gesichtsverhüllungsgesetz (AGesVG), seit dem 1. Oktober kommt es in Österreich deshalb immer wieder zu skurrilen Polizeieinsätzen. 

Laut Gesetz muss das Gesicht vom Haaransatz bis zum Kinn frei sein, sonst drohen eine vorübergehende Festnahme und eine Strafe von 150 Euro. Auf der Suche nach illegalen Burkaträgerinnen (auf die das Gesetz eigentlich abzielt) verfolgten Polizisten bislang aber vorwiegend Kostümierte.

Bislang traf das Verbot:
Ein Mann im Haifischkostüm wurde angezeigt, weil er als Werbefigur für die Neueröffnung eines Computerladens in Wien auftrat. Das Geschäft schrieb: "Das Leben ist nicht hainfach. #lebenamlimit"
Das Maskottchen des Parlaments, Hase Lesko, wurde bei Dreharbeiten zu einem Werbespot mit Kindern von Polizisten aufgegabelt und angehalten, sein Gesicht zu zeigen.
Drei Musiker in Tiermasken aus Gummi wurden von der Polizei belehrt, als sie in einer beliebten Einkaufsstraße auftraten.
Verwarnungen gab es für mehrere Menschen, die vor dem österreichischen Parlament im Clownskostüm demonstrierten.
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Nun kommt ein weiterer Einsatz hinzu. Der Tatort: ein Lego-Geschäft in Wien.

Es soll sich folgendes ereignet haben: In der Filiale im Westbahnhof warb offenbar eine als Lego-Ninja verkleidete Person für Spielzeug, als die Polizei in den Laden stürmte. So berichtet es ein Augenzeuge, der Politikwissenschaftler Mevlüt Kücükyasar:

Die Polizei bestätigte den Einsatz später auf Twitter:

Es handle sich nicht um einen Verstoß gegen das AGesVG, weil der Lego-Ninja sich im Rahmen der Berufsausübung verhüllt habe, hieß es von Seiten der Behörden. Wer die Polizei gerufen hatte, blieb unklar. 

Mit dem Verhüllungsverbot will der österreichische Staat eigentlich die Integration fördern. Um solchen absurden Situationen vorzubeugen, hatte die Polizei erklärt, "mit Fingerspitzengefühl vorgehen" zu wollen. Wie schwer das ist, kann wohl am besten die Person im Lego-Ninja-Kostüm erklären.

Hier kannst du das Gesetz nachlesen:

Das Anti-Gesichtsverhüllungsgesetz

§ 1. Ziele dieses Bundesgesetzes sind die Förderung von Integration durch die Stärkung der Teilhabe an der Gesellschaft und die Sicherung des friedlichen Zusammenlebens in Österreich. Integration ist ein gesamtgesellschaftlicher Prozess, dessen Gelingen von der Mitwirkung aller in Österreich lebenden Menschen abhängt und auf persönlicher Interaktion beruht.

§ 2. (1) Wer an öffentlichen Orten oder in öffentlichen Gebäuden seine Gesichtszüge durch Kleidung oder andere Gegenstände in einer Weise verhüllt oder verbirgt, dass sie nicht mehr erkennbar sind, begeht eine Verwaltungsübertretung und ist mit einer Geldstrafe bis zu 150 Euro zu bestrafen. Die Verwaltungsübertretung kann durch Organstrafverfügung gemäß § 50 VStG in der Höhe von bis zu 150 Euro geahndet werden. Öffentliche Orte oder öffentliche Gebäude sind Orte, die von einem nicht von vornherein beschränkten Personenkreis ständig oder zu bestimmten Zeiten betreten werden können, einschließlich der nicht ortsfesten Einrichtungen des öffentlichen und privaten Bus-, Schienen-, Flug- und Schiffsverkehrs.

(2) Ein Verstoß gegen das Verhüllungsverbot gemäß Abs. 1 liegt nicht vor, wenn die Verhüllung oder Verbergung der Gesichtszüge durch Bundes- oder Landesgesetz vorgesehen ist, im Rahmen künstlerischer, kultureller oder traditioneller Veranstaltungen oder im Rahmen der Sportausübung erfolgt oder gesundheitliche oder berufliche Gründe hat. (Bundesgesetzblatt)

Update: Mevlüt Kücükyasar ist nicht länger Vorstandsmitglied des Rates der Kurdischen Gesellschaft. Wir haben den Artikel am 22.10.2017 entsprechend aktualisiert.


Fühlen

Eine Werbung zeigt echtes Menstruationsblut. Ist das okay?

In der Werbung für Tampons oder Binden war Blut bisher hellblau. Es tropfte wohldosiert aus einem blank polierten Glas – oder es kam einfach von oben, aus dem Nichts, und landete sanft auf Weiß.

Die Menstruation kommt in solchen Kampagnen ziemlich sauber daher, als hätte sie nichts mit dem menschlichen Körper zu tun. Mit dem Zyklus, den jede Frau auf der ganzen Welt einmal im Monat durchlebt. Der oft unangenehm, manchmal sogar schmerzhaft und alles andere als steril ist.