Bild: Leonardo Da Cunha/dpa

Menschen mit selbstgebastelten Schutzschildern aus Holz und Plastik schleudern Steine oder Molotowcocktails auf ihre Gegner. Über ihre Münder und Nasen haben sie Tücher gebunden, tragen Helme auf dem Kopf oder Gasmasken im Gesicht. In den Straßen brennt Feuer

Diese Bilder gehören in Venezuela mittlerweile zum Alltag.

Seit April beherrschen Massendemonstrationen die Straßen des südamerikanischen Andenstaats. Die Proteste richten sich gegen die Misswirtschaft der Regierung unter Nicolás Maduro, der das Land in eine Krise gestürzt hat. 

Die Armee geht hart gegen die Demonstranten vor, laut Angaben der Staatsanwaltschaft kamen dabei bisher 113 Menschen ums Leben. Mehr als 4500 Demonstranten wurden festgenommen. (Welt)

Am Sonntag kommt es nun zu einem ersten Show-Down, Maduro hat Wahlen angesetzt.

Wer wird gewählt und warum?
  • Die 19,4 Millionen stimmberechtigten Venezolaner sollen die verfassungsgebende Versammlung berufen. 
  • Das temporäre Gremium besteht aus 545 Menschen und hat das Recht, das Parlament aufzulösen und Gesetze zu ändern. 
  • Alle 5500 zugelassenen Kandidaten sind Anhänger der Regierung. 
  • Präsident Maduro will die seit 1999 bestehende Verfassung von der Versammlung neu schreiben lassen, um so – nach eigenen Angaben – die Krise im Land wieder in den Griff kriegen. (Zeit)
In diesem Video erklären wir, wie es zu der Krise in Venezuela kam:
Stattdessen hat er damit das Chaos im Land noch vergrößert.

Gegner befürchten, die Regierung wolle die Versammlung mit eigenen Anhängern besetzen und eine Diktatur errichten. Die Opposition kämpft seit Monaten für eine Amtsenthebung des sozialistischen Staatschefs, ein Bündnis aus 20 Parteien rief zum Boykott der Wahl und trotz Demonstrationsverbot zu Protestaktionen auf. (Tagesschau)

Es werden Ausschreitungen und Straßenkämpfe erwartet. Maduro verkündete kurz vorher, die Versammlung werde die Immunität von Oppositionspolitikern nach der Wahl aufheben und drohte etwa dem Vizepräsidenten des Parlaments, die Zelle sei ihm bereits sicher. (Zeit)

Wir haben eine Venezolanerin gefragt, warum sie gegen die Regierung demonstriert:

Wie kam es zur Krise?
  • Präsident Maduro hat durch Misswirtschaft eine Versorgungskrise herbeigeführt.
  • Viele reichere Venezolaner sind daher nach Kolumbien und Brasilien geflohen. Nun folgen Arbeiter, Fischer, Bauern und Arbeitslose.
  • Wer bleibt, geht gegen die Regierung auf die Straße – es kommt immer wieder zu gewalttätigen Ausschreitungen zwischen Demonstranten und Armee.
  • Mehr als hundert Regierungsgegner sitzen bereits im Gefängnis, Dutzende Menschen sind bei den Protesten ums Leben gekommen.
Mehr Hintergründe dazu erklären wir hier:

Wie geht es nach der Wahl weiter?

Die Wahl wird zeigen, wie groß Maduros Rückhalt in der Bevölkerung wirklich ist. In einer Befragung hatten sich bereits Mitte Juli 7,5 Millionen Menschen gegen Maduros Pläne ausgesprochen. Allerdings setzt die Regierung auch Hunderttausende Arbeiter und Angestellte in staatlichen Unternehmen unter Druck, an der Wahl teilzunehmen. (Zeit)

Schon 72 Stunden nach der Wahl soll die Asamblea Nacional Constituyente (ANC) auf unbestimmte Zeit ihre Arbeit aufnehmen. Als Ort ist der Sitz der Nationalversammlung – also des Parlaments – vorgesehen. Man darf daher annehmen, dass die Versammlung das Parlament sofort auflösen wird. (SPIEGEL ONLINE) Der Amerika-Direktor der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, José Miguel Vivanco, warnt: 

"Die verfassungsgebende Versammlung ist die Formel, um ein totalitäres Regime zu installieren. Sie muss gestoppt werden, bevor es zu spät ist."

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Schwule Filme für jede Lebenslage

Überall auf der Welt wird in diesen Wochen der Christopher Street Day in bunten Paraden gefeiert. Regenbogenfahnen wehen durch die Lüfte und die LBGTQ-Community feiert nicht nur sich selbst. Sie demonstriert auch, wie wichtig es nach wie vor ist, für Gleichberechtigung und Anerkennung zu kämpfen.

Passend dazu, findet ihr hier eine Liste mit schwulen Filmen für jede Lebenslage: