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Wenn sich unser Nachbar in der Mensa "wie ein Neandertaler" ernährt, ist das nur selten ein Kompliment. Meistens heißt es eher: Ein Typ verschlingt unbeholfen und gierig einen Berg voll Fleisch. So weit, so unsexy. Doch eine neue Studie zeigt jetzt: Unsere Vorfahren konnten auch ganz anders. Schon die Steinzeitmenschen waren oft Vegetarier oder Veganer! Und wer es nicht war, zählte meistens immerhin zu den "Flexitariern". (Nature)

Wie haben sich die Menschen damals ernährt?

Der Speiseplan in der Steinzeit war offensichtlich wesentlich vielfältiger, als wir es uns heute oft vorstellen. Das sagen zumindest die Forscher der Universität Adelaide in Australien, von denen die Studie kommt. Dabei gab es auch unter den Neandertalern bereits Gruppen, die sich unterschiedlich ernährt haben. Je nach Region war die Ernährung dabei eher fleischlastig - oder eben auch größtenteils vegetarisch beziehungsweise sogar eher vegan. (SPIEGEL ONLINE)

  • Im Norden Europas aßen die Urmenschen fast gar kein Gemüse – dafür standen Wollnashorn und Mufflon auf dem Speiseplan.
  • Im Süden dagegen ernährten sich die Neandertaler größtenteils vegan – von Pilzen, Nüssen oder Wildpflanzen.

Bislang gingen Wissenschaftler dagegen davon aus, dass die Neandertaler wegen ihres muskulösen Körperbaus vor allem Fleisch zu sich genommen hatten. Eine Vorstellung, die auch heute noch viele Sportfreaks haben - und die überhaupt nicht stimmt.

Wie haben die Wissenschaftler das herausgefunden?

Für die Studie verglichen die Forscher fossile Gebisse, die von Ausgrabungen in ganz Europa stammten. Untersucht wurden dabei die Bakterien, die im steinzeitlichen Zahnbelag übrig geblieben waren. Dabei zeigten sich große Unterschiede – täglicher Fleischkonsum hinterlässt andere Spuren als ein Menü aus Gemüse, Obst und Wurzeln.

Die Forscher fanden dabei auch heraus, dass die vegetarisch lebenden Neandertaler im Süden offenbar gesünder und schmerzfreier lebten als ihre fleischessenden Verwandten im Norden. Im Zahnbelag spanischer Funde entdeckten die Forscher nicht nur Spuren von Gemüse, sondern auch Reste von schmerzstillenden Substanzen und von Penicillin produzierenden Pilzen. Offenbar kannten sich die Veggie-Neandertaler durch ihre Ernährung auch besser mit Heilpflanzen aus. Eine ausgeglichene Ernährung lohnte sich also schon damals.

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