Bild: dpa/Gyorgy Varga

Es ist die neue Realität in Europa: messerscharfer Stacheldraht. Ungarn hat in der Nacht zu Samstag seine Grenze zu Kroatien dicht gemacht. Das Übertreten der 300 Kilometer langen Grenze ist ab sofort strafbar.

Ein martialisch aussehender Zugwagon mit Stacheldraht soll auch den Bahnübergang von Zákány verstellen, damit über das Gleis niemand in das Land kommt, ohne sich an einem der Grenzübergänge offiziell registrieren zu lassen.

So haben es die ungarischen Behörden auch schon an der serbischen Grenze bei Röszke gemacht. Viele Flüchtlinge hatten den Schienenweg zum Grenzübertritt genutzt, weil der durch den Zugverkehr nicht von einem festen Zaun versperrt werden kann.

Warum zwischen Ungarn und Kroatien eine Außengrenze liegt

Kroatien gehört seit 2013 zur Europäischen Union. Dem Schengener Abkommen über freien Reiseverkehr zwischen den Mitgliedstaaten ist Kroatien aber nur teilweise beigetreten, Schengen-Visa gibt das Land noch nicht aus. Damit handelt es sich um eine Außengrenze der Schengen-Zone und des freien Reiseverkehrs innerhalb Europas.

Die neue Route der Flüchtenden
Die alte Route der Flüchtlinge. Jetzt versuchen sie, Österreich über Slowenien erreichen.(Bild: SPIEGEL ONLINE)

Syrer, Afghanen und Pakistaner sind bisher über die Türkei, Griechenland, Serbien, Mazedonien und Kroatien nach Ungarn gereist. die ungarische Regierung hatte sie an die österreichische Grenze transportiert, die sie dann zu Fuß überquerten. Diese Route ist nun versperrt, die Flüchtlinge weichen nach Slowenien aus.

Die kroatischen Behörden haben am Samstag bereits reagiert und die Menschen an die slowenische Grenze transportiert. Slowenien ist Mitglied des Schengen-Abkommens und hat angekündigt, alle ankommenden Menschen registrieren zu wollen. Viele werden dann in Richtung Österreich und Deutschland weiterreisen.

Ist das jetzt das neue Gesicht der EU?

Offenbar ja, zumindest nach außen. Die Entscheidung scheint gefallen, die Außengrenzen der Europäischen Union sollen geschlossen werden. Auch Angela Merkel hat sich am Samstag auf dem Parteitag der Jungen Union noch einmal für die bessere Sicherung der Außengrenzen ausgesprochen. Zudem will die EU auch die Türkei dazu bringen, mehr Flüchtlinge im eigenen Land zu behalten und so zum Beispiel Griechenland zu entlasten.

Das Ergebnis: Stacheldraht an den Außengrenzen, dafür nicht innerhalb der Schengen-Zone.

bento Today abonnieren