Neuer Zündstoff im angespannten Verhältnis zwischen Deutschland und der Türkei: Der grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck ist in Istanbul am Rande einer LGBT-Veranstaltung vorübergehend von der Polizei festgenommen worden. Der Grünenpolitiker hatte sich am Sonntag bei einer verbotenen Abschlusskundgebung der "Pride Week Istanbul" aufgehalten. Daraufhin führte die türkische Polizei Beck und andere Aktivisten ab, darunter die Grünen-Europaabgeordnete Terry Reintke. Er wurde nach kurzer Zeit freigelassen.

Was machte der Grünenpolitiker in Istanbul?

Beck war nach Angaben des Deutschlandfunks vor Ort, um Unrechtsverletzungen gegen LGBT-Aktivisten zu dokumentieren.

Auf Twitter zeigte er Bilder von Verhaftungen:
Nach kurzer Zeit geriet er selbst ins Visier der Polizei:

Kurz darauf wird er festgenommen. "Die Polizei hat mir meinen Pass entrissen und mich geschubst", sagte Beck. "Es ist ein massiver und willkürlicher Polizeieingriff, den wir hier gesehen haben." (SPIEGEL ONLINE I) Weitere Kundgebungen löste die türkische Polizei mit Tränengas auf.

Beck wird relativ schnell wieder freigelassen. Andere Aktivisten blieben bis zum Abend in Polizeigewahrsam:

Die "Pride Week" in Bildern:
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Was ist die "Pride Week Istanbul"?

Die Pride Week ist eine Aktionswoche der türkischen LGBT-Community, seit 2003 findet sie jährlich in Istanbul statt. Ihr Höhepunkt ist stets eine Parade am letzten Sonntag im Juni. In diesem Jahr verboten die türkischen Behörden allerdings die Kundgebung zum "Schutz der öffentlichen Ordnung". Der Grund: Eine rechts-nationalistische Jugendbewegung hatte im Vorfeld mit Aktionen gegen die LGBT-Parade gedroht.

Die Organisatoren riefen dennoch zu Kundgebungen auf:

Wie ist derzeit das deutsch-türkische Verhältnis?

Nach dem Schmähgedicht von Jan Böhmermann über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und der Bundestagsresolution über den Völkermord an den Armeniern kriselt es zwischen beiden Ländern:

  1. Der deutsche Botschafter wurde bereits mehrmals von der türkischen Regierung einbestellt (SPIEGEL ONLINE II).
  2. Ihren eigenen Botschafter zog die Türkei aus Berlin ab (tagesschau.de).
  3. Türkisch-stämmige Abgeordnete im Bundestag erhielten Morddrohungen (bento I).
  4. Daraufhin kritisierte Bundestagspräsident Lammert Erdogans Demokratieverständnis (bento II).
  5. Zuletzt wurde deutschen Staatsbeamten die Einreise und der Besuch von Bundeswehrsoldaten in Incirlik verweigert (SPIEGEL ONLINE III).

Zumindest das Einreiseverbot will Verteidigungsministerin Ursula van der Leyen (CDU) nicht hinnehmen: Sie kündigte am Sonntag an, in Kürze selbst Incirlik besuchen zu wollen ("Bild am Sonntag"). Dort sind deutsche Soldaten stationiert, die sich in einem Bündnis mit den USA und der Türkei im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" in Syrien beteiligen.

Deutschland und die Türkei brauchen einander sowohl im Kampf gegen die Dschihadisten – wie auch in der Lösung der Flüchtlingsfrage. Allerdings scheinen beide Länder sehr unterschiedliche Antworten zu finden.

Der Grünenpolitiker Volker Beck sagte nach seiner Freilassung über die jüngsten Entwicklungen in der Türkei zumindest:

"Das ist einfach für eine Kooperation oder eine enge Freundschaft nicht tragfähig."​

Wie entspannt Politik und Islam und LGBT auch sein kann, bewies am Wochenende übrigens Londons neuer Bürgermeister Sadiq Khan. Er tanzte trotz Ramadan bei der Londoner Pride Parade mit. Und hatte seinen Spaß:

London is one of the most LGBT+ friendly cities in the world - and I'm so proud to be your Mayor. Thank you to the...

Posted by Sadiq Khan on Samstag, 25. Juni 2016

Lass uns Freunde werden!


Musik

Fotos vom Hurricane-Festival, das fast komplett abgesoffen wäre
Diese Fans feierten trotzdem

Das Hurricane-Festival in Niedersachsen ist gerade noch so an einem Totalausfall vorbeigeschrammt: Nachdem das Programm schon am Freitagabend wegen eines Unwetters unterbrochen werden musste, fiel der Samstag komplett ins Wasser. Zusammen mit dem Technischen Hilfswerk mühte sich das Team ab, den Platz von Wassermassen zu befreien.

An dieser Stelle ließen sich gut einige Witze mit dem Wort "Hurricane" oder irgendetwas mit "Durch den Monsun" machen. Aber bei Ticketpreisen von 125 Euro fürchten wir, dass Festival-Besucher das nicht lustig finden könnten. Außerdem kann so ein Unwetter mitten im Freien ziemlich gefährlich werden.

Am Sonntag konnte es dann zum Glück doch noch weitergehen. Unser Fotograf Heiko Sehrsam traf auf glückliche und erleichterte Festival-Besucher.

Fotostrecke: Diese Fans feierten trotzdem