Bild: Daniel Reinhardt/dpa

Nachdem sein Auftritt in einer Hamburger Festhalle am Dienstagabend formal abgesagt worden war, trat der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu im türkischen Generalkonsulat der Stadt auf. Dort warb er vom Balkon aus vor rund 200 Anhängern für das anstehende Referendum zur Einführung eines Präsidialsystems. (Tagesschau)

In seiner Rede warf er Deutschland eine "systematische Gegnerschaft zur Türkei" vor. Er forderte von der Bundesregierung, aufzuhören, "uns Lektionen in Menschenrechten und Demokratie zu erteilen". Eigentlich hatte der Außenminister in einer Hochzeitshalle im Stadtteil Wilhelmsburg vor hunderten Landsleuten auftreten wollen. Die Veranstaltung wurde von den Behörden allerdings wegen angeblicher "brandschutzrechtlicher Mängel" abgesagt.

Gegen die Absage protestierte er im Vorhinein und verglich die Praxis mit Maßnahmen aus der Nazi-Zeit. Neben rund 200 Anhängern versammelten sich am Abend etwa 250 Gegendemonstranten vor dem Konsulat im Stadtteil Uhlenhorst. Sie protestierten außer Sicht- und Hörweite hinter Polizeiabsperrungen gegen die Politik Erdogans.

Nach seinem Auftritt reiste Cavusoglu nach Berlin weiter, um dort am Mittwochmorgen Außenminister Sigmar Gabriel zu treffen. Dieser hatte am Abend Cavusoglus Nazi-Vergleich scharf kritisiert. Dies sei "eine unglaubliche Provokation, eine böse Unterstellung" und gehe an die Grenzen dessen, was Deutschland ertragen könne, sagte Gabriel in den Tagesthemen. (Tagesschau)

In dem Treffen soll es neben den abgesagten Wahlkampfauftritten auch um die Inhaftierung des deutsch-türkischen "Welt"-Journalisten Deniz Yücel gehen. Gabriel betonte jedoch, dass er den Streit zwischen Deutschland und der Türkei nicht weiter eskalieren lassen wolle. Es müsse alles getan werden, damit das Verhältnis wieder in "normale Bahnen" komme.


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