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Nach genau einem Monat hat Donald Trump es möglicherweise zum ersten Mal geschafft: Er hat eine gute Entscheidung getroffen. So sahen es zumindest die meisten Beobachter, als sie davon erfuhren, dass der General Herbert McMaster neuer Nationaler Sicherheitsberater des US-Präsidenten werden soll. Selbst Trumps schärfster innerparteilicher Kritiker war zufrieden:

Dass der erfahrene Senator und Vietnam-Veteran McCain einmal eine Entscheidung Trumps "hervorragend" nennen würde, hätte noch vor zwei Tagen vermutlich niemand erwartet. Es zeigt aber gut, wie überraschend die Entscheidung kam. Und wie hochgeschätzt der langjährige Army-Angehörige bei vielen US-Politikern ist.

Wer ist McMaster?

Der 54-jährige Offizier McMaster gilt als ungewöhnlicher Querkopf. Diese Eigenschaft brachte ihm in der Vergangenheit immer wieder Anerkennung – und Probleme:

  • Weil er offen Kritik übte, wurde er gleich mehrfach bei Beförderungen zurückgestellt.
  • Seine Doktorarbeit schrieb er über Militärs im Vietnamkrieg, die Entscheidungen mittrugen, von denen sie wussten, dass sie eigentlich falsch sind.
  • Im Irak-Krieg wurde er bekannt, als er mit seinen Soldaten eigenständig eine Großstadt eroberte und vorübergehend befriedete – die Strategie wurde danach gleich für den ganzen Irak übernommen.
  • Den ihm unterstellten Soldaten soll er regelmäßig gesagt haben: "Jedes Mal, wenn ihr einen Iraker respektlos behandelt, arbeitet ihr für den Feind."
  • McMaster gilt als Russland-skeptisch. Im Ukraine-Konflikt kritisierte er den Kreml wiederholt deutlich.
Warum wurde er jetzt berufen?

Die Neubesetzung des Postens war notwendig geworden, nachdem Trumps bisheriger Sicherheitsberater in der vergangenen Woche zurücktreten musste. Michael Flynn war darüber gestolpert, dass er nach der Wahl wiederholt Kontakte zur russischen Regierung hatte – und Vizepräsident Pence darüber offenbar angelogen hatte. Schon davor war Flynn wegen seiner großen Nähe zum Kreml immer wieder in der Kritik.

Wie kam es zu der Entscheidung?

Dass sich Trump am Ende für den vielgelobten McMaster entschied, war vermutlich eher Glück im Unglück als plötzliche Einsicht. Laut Medienberichten soll er die dritte (!) Wahl des US-Präsidenten gewesen sein ("Tagesspiegel"). In der vergangene Woche hatte bereits einer von Trumps eigentlichen Favoriten ihm eine Absage erteilt ("Guardian").

Offensichtlich wurde die Entscheidung dann nicht einmal mit den bisherigen Mitgliedern des Nationalen Sicherheitsrats geteilt:

Wie geht es jetzt weiter?

Auch nach einem ganzen Monat ist die neue US-Regierung noch nicht vollständig. Im Gegenteil: Trumps vorgesehener Arbeitsminister Andrew Puzder musste sich in der vergangenen Woche sogar zurückziehen (bento). Bislang ist kein Nachfolger bekannt. Und schon bald dürfte neuer Ärger ins Weiße Haus stehen: Noch in dieser Woche soll Trump eine neue Variante seines gestoppten "Muslim bans" vorstellen.

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"Ich bin der einzige coole Konservative auf dem Planeten", sagt er. "Es gibt ein großes Verlangen nach jemandem, der jung ist, der gut aussieht und konservativ und nicht langweilig ist. Das bin ich. Es gibt keinen anderen. Es gibt auch keinen Trend und niemanden, der etwas Ähnliches macht. Es gibt nur mich." (SPIEGEL ONLINE)