Was wir aus dem "Bild"-Interview mit dem künftigen US-Präsidenten lernen können

Die "Bild-Zeitung" hat ein Exklusiv-Interview mit Donald Trump geführt. Sie verkauft es als Sensation, aber ganz so wild ist es dann doch nicht. Zwar durfte die Boulevardzeitung den gewählten US-Präsidenten als erstes deutsches Medium interviewen. Aber: Manche der Dialoge sind so bizarr, dass man sich nur wundern kann, warum sie überhaupt gedruckt wurden. Ein Beispiel:

Frage: Waren Sie schon einmal in Deutschland?
Trump: Ja, ich war in Deutschland.

Viele andere Dinge hat Trump wiederum auch schon vor dem Interview gesagt. Er droht erneut Unternehmen, die in Mexiko produzieren, gibt europäischen Regierungschefs eine Mitschuld am Terror und erklärt die Nato für unwichtig. Alles nicht ganz neu.

Wir sagen euch, welche fünf Erkenntnisse das Interview wirklich bietet:
1. Das Interview ist eine politische Provokation

Donald Trump hat das Interview der "Bild"-Zeitung gemeinsam mit der britischen "Times" gegeben. Beide Medien gelten als konservativ. Sie schickten je einen Journalisten, der dann zusammen mit dem Kollegen die Fragen stellen durfte. Für "Bild" flog Kai Diekmann nach New York. Der langjährige Chefredakteur ist inzwischen der Herausgeber der Boulevardzeitung.

Für die "Times" führte Michael Gove das Interview. Im Vereinigten Königreich eine Provokation. Denn Gove ist nicht nur Journalist, sondern auch Politiker. Er war einer der lautstärksten Befürworter des Brexits – und Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten. Er verlor das innerparteiliche Votum allerdings gegen Premierministerin May. Jetzt durfte der 49-Jährige den neuen US-Präsidenten noch vor seiner ehemaligen Rivalin treffen.

2. Trumps Büro ist ein bizarres Paralleluniversum

Für das Interview hat Trump die Journalisten in sein eigenes Hochhaus in Manhattan eingeladen. Das Büro im 26. Stock ist eine einzige Trophäensammlung. Überall stehen Pokale, Auszeichnungen und Erinnerungsstücke. Trump sammelt Baseballhelme und hat den Weltmeistergürtel von Ex-Boxer Mike Tyson in seinem Büro.

An den Wänden hängen Titelbilder von US-Zeitschrift, die Trump als erfolgreichen Geschäftsmann zeigen. Der Schreibtisch des künftigen US-Präsidenten ist chaotisch und unaufgeräumt. Im Tischkalender steht kein einziger Termin, nicht einmal der seiner Amtseinführung. Überall stapeln sich Dokumente, Papiere und Zeitschriften.

Überraschung: Ganz oben auf dem Schreibtisch-Stapel liegt das Buch "Beautiful Country". Ein Jugend-Roman, der vom Verlag als "wichtiger Roman für die Millenial-Generation" beworben wird. Die Geschichte erzählt von einem 14-jährigen Teenager, den es aus den USA nach China verschlägt.

3. Trump hält nicht viel von Merkel

Bei seinem letzten Berlin-Besuch schwärmte US-Präsident Obama, er würde bei der Bundestagswahl im Herbst Kanzlerin Merkel wählen, wenn er nur könnte. Ein absolut ungewöhnlicher Vorgang und ein Zeichen dafür, für wie wichtig der scheidende Staatschef Merkel hält.

Merkel und Obama beim G7-Gipfel in Elmau 2015(Bild: afp)

Auch Trump lobt Merkel im Interview. Mit einem Satz. Nur, um danach gnadenlos mit ihr abzurechnen. Für einen fremden Präsidenten noch vor seinem Amtsantritt ebenfalls ein ungewöhnlicher Vorgang.

Trump: Sie ist eine großartige Anführerin. Aber ich finde, sie hat einen äußerst katastrophalen Fehler gemacht, und zwar, all diese Illegalen ins Land zu lassen. Niemand weiß, wo sie überhaupt herkommen.

Schon im Wahlkampf hatte Trump Merkel scharf kritisiert. Ihre Politik in der Flüchtlingspolitik nannte er damals "geisteskrank" (n-tv). Jetzt warf er ihr vor, indirekt an Terroranschlägen in Europa mitverantwortlich zu sein. Die Deutschen würden noch sehen, wozu es führe, "Illegale" (gemeint sind Flüchtlinge) ins Land zu lassen, so Trump in AfD-Manier:

Trump: Ihr werdet es herausfinden, davon habt ihr (beim Anschlag in Berlin, Anmerkung d. Red.) einen deutlichen Eindruck bekommen.
4. Trump nimmt Europa kein bisschen ernst

Noch weniger Respekt zeigt Trump allerdings, wenn es um Europa geht. Zum geplanten EU-Austritt Großbritanniens sagte er dem "Times"-Journalisten:

Ich finde, ihr macht das großartig. Ich finde, es läuft großartig.

Dass sich Trump dabei offenbar noch nicht all zu mit europäischer Politik beschäftigt hat, zeigt sich, als es direkt um die EU geht:

Trump: Ich habe mit dem Chef der Europäischen Union geredet, ein sehr angenehmer Herr rief mich an.
Frage: Herr Juncker?
Trump: Ja.

Ähnlich desinteressiert wirkt Trumps Antwort auf die Frage, ob er sich für die USA eher eine starke EU oder stärkere Nationalstaaten wünscht:

Trump: "Ich glaube nicht, dass das für die USA eine große Rolle spielt. Ich habe nie geglaubt, dass das von Bedeutung ist. Mir ist es ziemlich egal, ob sie getrennt oder vereint ist, für mich spielt es keine Rolle.

Seine kritische Haltung begründet Trump übrigens mit dem gescheiterten Ausbau seines Luxus-Resorts ("wunderschöne Immobilie") in Irland. Damals habe er so lange auf eine Genehmigung der EU warten müssen, dass er am Ende das Interesse verloren habe ("Das war für Irland sehr schlecht"). Das Gelände mit Golfclub liegt übrigens in einem Naturschutzgebiet.

5. Trump genießt es, mit den Medien zu spielen

Dass sich US-Präsidenten positiv in den Medien inszenieren, gehört praktisch zum Beruf. John F. Kennedy ließ sich von Marilyn Monroe besingen, Barack Obama drehte Karaoke-Videos und gab Müllmännern die Bro-Fist.

Donald Trump scheint es dagegen zu genießen, Medien vor allem einzuschüchtern und an der langen Leine zu halten. Seine erste Pressekonferenz gab er erst rund zwei Monate nach der Wahl (bento). Die Folge dieser Taktik: Je weniger sich der gewählte Präsident den Fragen der Öffentlichkeit steht, desto mehr sind Medien auf seine sonstigen Äußerungen angewiesen. Beispielsweise bei Twitter. Oder um es mit Trump zu sagen:

"Ich kann bing, bing, bing machen und mache einfach weiter, und sie veröffentlichen es, sobald ich es twittere."

Dabei hat Trump es noch nicht einmal nötig, selbst etwas zu schreiben:

"Ich habe ein, zwei Leute, die das tagsüber machen. Ich diktiere einfach etwas, und sie tippen es ein."
Alles klar, Donald. Bing, Bing.
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