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Wenn du deine Periode hast, gehört der Tamponwechsel zu deinem Tag wie Kaffeetrinken. Nach ein paar Stunden wird es dringend mal wieder Zeit. Frauen wissen, dass der regelmäßige Wechsel wichtig für die Hygiene ist. Aber dass es auch gesundheitlich schwerwiegende Folgen haben kann, wenn man ihn nicht oft genug austauscht, ist einem höchstens schon einmal bei den Warnhinweise auf der Verpackung aufgefallen.

Lauren Wasser, 29, will das ändern. Seit ihrer Kindheit arbeitete sie als Model, unter anderem für die "Vogue", und spielte in ihrer Freizeit regelmäßig Basketball. Von einem auf den anderen Tag war damit Schluss. Denn Lauren erlitt 2012 ein sogenanntes Toxisches Schock-Syndrom. Schuld daran ist sehr wahrscheinlich ein Tampon, den sie zu lange in ihrem Körper ließ.

Das ist ihre Geschichte:

Erst dachte Lauren, sie würde eine Grippe bekommen, fühlte sich kränklich, aber dachte weiter an nichts Schlimmes. Weil sie gerade ihre Periode hatte, besorgte sie sich neue Tampons und ging auf den Geburtstag einer Freundin. Dort sagten ihr alle, dass sie gar nicht fit aussehe. So schilderte Lauren 2015 "Vice" den Beginn ihre Krankheitsgeschichte. 

Lauren legte sich ins Bett und schlief – heute hat sie keine Ahnung mehr davon, wie lange eigentlich. Weil ihre Mutter gerade im Ausland war und sich Sorgen um ihre Tochter machte, rief sie bei der Polizei an. Die Beamten klopften wenig später an die Tür, Lauren bemerkte sie erst, weil ihr Hund sie anbellte. Sie sagte den Beamten, es sei alles gut – dabei konnte sie kaum stehen. Und ihr Hund hatte überall in die Wohnung gemacht. 

Lauren rief ihre Mutter an, die sie fragte, ob sie nicht ins Krankenhaus fahren wolle. Lauren sagt später selbst, sie sei zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in der Lage gewesen, klar zu denken. Sie sagte ihrer Mutter, sie wolle sich noch einmal hinlegen und sich am nächsten Morgen melden. Doch dazu kam es nie. 

Ein Freund der Mutter und die Beamten fanden Lauren nur noch bewusstlos auf dem Boden.  

Lauren wurde ins künstliche Koma versetzt, weil mehrere Organe versagten. Ihre Hände und Füße waren von Wundbrand befallen. Die Ärzte amputierten ihr das rechte Bein unterhalb des Knies. Nur langsam fand Lauren zurück ins Leben. Die Ärzte rieten ihr damals auch dazu, das zweite Bein zu amputieren, aber Lauren wollte kämpfen – bis jetzt. 

In der "InStyle" schrieb sie kurz vor Weihnachten: "Die Ärzte sagten mir, dass es eine 50-50-Chance gibt, mein Bein zu retten." Doch die Schmerzen sind für Lauren mittlerweile unerträglich geworden. Wasser mussten bereits alle fünf Zehen und einen Teil der Ferse entfernt werden. Zudem hat sich ein offenes Geschwür an ihrem Fuß entwickelt. "Ich habe jeden Tag entsetzliche Schmerzen und es ist fast unerträglich zu laufen", schreibt das Model nun über ihren Zustand. Bald erfolge die nächste Amputation. "Es gibt nichts, was ich dagegen tun könnte."

Trotzdem denke sie positiv: Sie wolle anderen Mut machen und über das Toxische Schock-Syndrom aufklären. Für ihr Schicksal macht sie auch Tamponhersteller verantwortlich, die Gefahren verharmlosten und angeblich Materialien verwendeten, die die Ausbreitung der Bakterien begünstigen würde.

Lauren modelt übrigens auch heute immer wieder:
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Was ist das Toxische Schock-Syndrom genau und wie häufig kommt es vor?

Das Toxische Schock-Syndrom entsteht, wenn sich Bakterien im Körper vermehren, die Gifte – Toxine – absondern. Der Tampon allein müsse nicht immer der Grund dafür sein, erklärt Christian Albring

Albring ist Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte und praktiziert als Frauenarzt in Hannover.

Die Ursachen:

Die Keime, die für das Toxische Schocksyndrom verantwortlich sind, heißen Staphylokokkus aureus und Streptokokkus pyogenes. (Deutsches Ärzteblatt) "Beide sind eigentlich Alltagskeime mit einem eher geringen Gefahrenpotential, solange sie nicht in die Blutbahn geraten", sagt Albring.

  • In den meisten Fällen liegt laut Albring eine zunächst örtlich begrenzte Infektion zugrunde, entweder nach einer Verletzung oder auch nach einer Operation. Wenn die Wunde nicht keimfrei gehalten wird, kann es zu dem Schock-Syndrom kommen.
  • Seltener sind die Fälle, in denen Keime auch durch die Haut der Vagina in den Körper eindringen – zum Beispiel durch die Tampons oder Menstruationstassen. "Ein Zusammenhang ist vorstellbar", sagt Albring.
Wie macht sich das Toxische Schock-Syndrom bemerkbar?

Fieber und ein Schwächegefühl, die plötzlich auftreten und schnell schlimmer werden. Es können auch Schwindel, Kopfschmerzen, Blutdruckabfall und Hautausschlag dazu kommen. Später droht ein Multiorganversagen. (Fachliteratur Intensivmedizin)

"Meist sind es Freunde oder Familienmitglieder, die feststellen, dass eine eilige Einweisung in ein Krankenhaus notwendig ist", sagt Albring. 

Wer einen solchen Schock erleidet, der sollte sich schnell von einem Arzt behandeln lassen. Nötig seien dann hochdosierte Antibiotika und intensivmedizinische Maßnahmen, sagt Albring. Im schlimmsten Fall drohe sogar der Tod.

Wie häufig kommt so ein Schock überhaupt vor?

Sehr selten. Solch ein Fall tritt einmal pro 200.000 Menschen im Jahr auf. Durch Tampons oder Menstruationstassen wird aber ein sehr viel geringerer Anteil ausgelöst, die häufigere Ursache sind Operationswunden.

Frauenarzt Christian Albring hat sich Laurens Fall genauer angesehen und hält ihn für außergewöhnlich, bislang sei ihm kein ähnlicher Krankheitsverlauf bekannt.   

"Bisher ist man davon ausgegangen, dass es die Vermehrung der Keime unterstützt, wenn der Tampon länger als acht Stunden liegenbleibt. Lauren Wasser versichert, dass das bei ihr nicht der Fall war, wobei nicht ganz klar ist, wie lange der Tampon in der Nacht vor dem Beginn der Erkrankung nicht ausgewechselt wurde", erklärt Albring. "Eventuell war es über Nacht häufiger zu Situationen gekommen, in der der Tampon deutlich länger als acht Stunden gelegen hatte."

Die junge Frau fühlte sich den ganzen Tag nicht gut, während sie in dieser Zeit die Tampons weiter wechselte. Sie fiel dann ins Koma und war mehr als 24 Stunden bewusstlos, bevor sie gefunden und in ein Krankenhaus eingeliefert wurde. Bis der Tampon entfernt wurde, hatte er dann weit mehr als 30 Stunden gelegen, so dass der Organismus der Patientin und alle Organe von den Giftstoffen der Bakterien schwer angegriffen waren. Es sind in solchen Situationen Todesfälle bekannt.
Lauren Wasser ist nicht verstorben, hatte aber schwerste und bleibende Durchblutungsstörungen ihrer Füße, so dass ihr zunächst ein Unterschenkel amputiert werden musste, jetzt als Spätfolge noch der andere. Das ist eine schreckliche Komplikation. Bisher ist kein ähnlicher Verlauf bekannt.
Auch wenn die Fälle nur äußerst selten vorkommen, wie kann man sich davor schützen?   
  • Bei Infektionen einer Wunde: Hier helfen Desinfektion und Antibiotika. 
  • Bei der Infektion der Haut in der Vagina: Ein hohes Risiko besteht vor allem, wenn man den Tampon oder die Menstruationstasse lange – über einen Zeitraum von acht Stunden – liegen lässt. "Denn dann können sich die Bakterien in dem körperwarmen Blut rasant vermehren und durch winzige Verletzungen in der Haut der Vagina massenhaft in den Körper eindringen", sagt Albring. Es sollten vor allem Tampons mit glatter Oberfläche verwendet werden, in der Größe, die zur Menstruationsstärke passt. Es sollten keine Fussel in der Vagina zurückbleiben. "Dass dabei die Hände immer sauber gewaschen sein müssen, Tampon und Menstruationstasse nach dem Auspacken nirgends herumliegen dürfen, ist selbstverständlich."

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