Bild: Imago/Victor Birox; Montage: bento
Was hinter seinen Facebook-Posts steckt.

Am Montag tötete ein Amokfahrer in Toronto zehn Menschen (bento). Er war mehrere Minuten lang immer wieder über einen Gehweg gefahren. Ermittler rätselten nach der schrecklichen Tat über sein Motiv.

Nun liefert ein Facebook-Post des mutmaßlichen Attentäters Details zu der möglichen Motivation. 

Nur ein paar Stunden, bevor der 25-jährige Alek M. mit seinem Lieferwagen und voller Geschwindigkeit auf den Bürgersteig fuhr, postete er diese Nachricht auf Facebook:

Gefreiter M. Infanterie 00010, möchte gerne mit Sergeant 4chan sprechen. C23249161. Die Incel Rebellion ist bereits im Gange. Wir werden alle Chads und Stacys zu Fall bringen. Sei gegrüßt, Supreme Gentleman Elliot Rodger!
Was bedeutet der Post?
  • Der Begriff "Incel" bezieht sich auf eine ehemalige reddit-Gruppe, die inzwischen verboten wurde. In dieser Gruppe diskutierten und beklagen junge Männer ihre fehlende sexuelle Aktivität und ihre fehlende Wirkung auf Frauen. Oft gaben sie dabei den Frauen selbst die Schuld an ihrem Problem. Das Wort Incel ist eine Abkürzung für "Involuntary celibate", also unfreiwillige Enthaltsamkeit. (BBC)
  • "Chads and Stacys" meint attraktive Männer und Frauen, die "besser" und damit auch unerreichbar für sogenannte "Incels" sind. 
Wer ist Elliot Rodger?

Rodger ist selbst ein Amokläufer. 2016 hatte er in der kalifornischen Kleinstadt Isla Vista aus seinem Auto geschossen und dabei sechs Menschen getötet. (SPIEGEL ONLINE)

Er verfasste damals ein 141-seitiges "Manifest", in dem er schreib: 

"Ich werde alle Frauen dafür bestrafen, dass sie mir Sex entzogen haben ... Ich kann nicht jede einzelne Frau auf der Welt töten, aber ... ich werde eben die Mädchen angreifen, die alles vertreten, was ich am weiblichen Geschlecht hasse." 

Teil von Rodgers Motiv war Frauenhass. Der Facebook-Post vom mutmaßlichen Toronto-Täter Alek M. lässt nun vermuten, dass er aus dem gleichen Motiv gehandelt hat. Er sieht sich als Teil der sogenannten "Incel Rebellion", als Kämpfer der zurückgewiesenen Männer dieser Welt. 

Die Polizei in Toronto sagte bei einer Pressekonferenz, dass von den Getöteten und Verletzten die meisten Frauen gewesen seien. (BBC)

Frauen umzubringen, einfach weil sie Frauen sind, hat einen eigenen Fachbegriff: Femizid. 

Bekannt geworden ist der Begriff vor allem durch die Proteste in Lateinamerika im vergangenen Jahr. Mehr als zwölf Frauen werden dort täglich aufgrund ihres Geschlechts getötet. Unter dem Slogan "Ni Una Menos" – Nicht eine weniger – gingen deswegen in unterschiedlichsten lateinamerikanischen Ländern tausende Menschen auf die Straße und protestierten gegen die Frauenmorde. (Deutschlandfunk)

In Deutschland gibt es keine offizielle Statistik zu Frauenmorden. Es werden bisher lediglich Zahlen zu Tötungsdelikten in der Partnerschaft erhoben. 2016 wurden demnach 158 Frauen von einem Ex-Partner oder dem aktuellen Partner getötet, 211 Mal wurde der Versuch gemacht, die Frau hat aber überlebt. (Frankfurter Rundschau)

Es wird nun vermutet, dass Alek M. ebenfalls aus Frauenhass den Lieferwagen in die Menschengruppe lenkte. 

Am vergangenen Dienstag, einen Tag nach der Amokfahrt, wurde vor Gericht seine Anklage vorgetragen. Er wird des zehnfachen Mordes beschuldigt und des versuchten Mordes in 13 Fällen. Der nächste Gerichtstermin soll am 10. Mai stattfinden. Er war den Sicherheitsbehörden vorher noch nicht aufgefallen.


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