Bild: dpa/Andy Rain
Nur Schweineblut macht Schoki gut!

Es gibt Meldungen, die sorgen mit verlässlicher Regelmäßigkeit für Streit im Netz. 

  • Wenn jemand einen Weihnachtsmarkt entdeckt hat, der schon seit Jahren nicht Weihnachtsmarkt sondern zum Beispiel "Lichtermarkt" heißt – oder einen Osterhasen, der an der Kasse als "Traditionshase" gebucht wird – dann gilt das als Abgesang auf die christlichen Werte. 
  • Und wenn irgendeine Kantine oder ein Unternehmen seine Speisen künftig auch "halal" anbietet – dann ist der gefühlte Untergang des Abendlandes nicht mehr fern.

"Halal" steht für eine islamische Speisevorschrift, für Nichtmuslime besteht aber kein Nachteil. Dennoch drohen wütende Bürgerinnen und Bürger nicht selten mit Boykott, wenn irgendwo irgendwas "halal" ist – selbst, wenn es das schon immer war. Seit Sonntag gibt es wieder so ein Boykott-Opfer – obwohl es nicht mal einen aktuellen Anlass gibt.

Die Schweizer Firma Toblerone hat bekannt gegeben, dass ihre Schoko-Produktion "halal" ist – und erntet dafür im Netz nun viel Ärger.

Toblerone produziert all seine weltweit verkaufte Schokolade in Bern. Da 97 Prozent aller Schoko-Stangen exportiert werden – und nicht wenige in muslimisch geprägte Länder – hat die Firma ihre Fabrik zertifizieren lassen. 

"Halal" bedeutet auf Arabisch so viel wie "zulässig", es geht darum, dass die Speisen den Reinheitsgeboten des Koran entsprechen. Sind sie es nicht, gelten sie als "haram", verboten.

Für den Hintergrund:

Im Islam wie auch im Judentum gelten für Gläubige bestimmte Speisevorschriften, erlaubtes Essen ist "halal" beziehungsweise "koscher". Unter anderem Schweinefleisch ist in beiden Religionen verboten. Außerdem muss jedes Tier komplett ausbluten, bevor es verzehrt werden darf – die umstrittene Praxis wird Schächten genannt.

Die "Koscher"-Regeln sind etwas strenger, hier wird auch Milchiges von Fleischigem getrennt. Käse und Wurst dürfen also nicht auf einen gemeinsamen Teller. Mit einem Zertifikat können sich Fabriken, Metzgereien und Bäckereien bescheinigen lassen, dass sie "halal" oder "koscher" produzieren.

Toblerone hat sein "Halal"-Zertifikat bereits seit April diesen Jahres und die Rezeptur dafür nicht verändern müssen – denn Schokolade wird eher selten mit Schweineblut gemischt. 

Auf seinen Schachteln wirbt das Unternehmen aber nicht offensiv mit dem "halal"-Label. Der Mutterkonzern Mondelez wollte verhindern, dass wütende Kundinnen und Kunden zum Boykott aufrufen, heißt es gegenüber der Schweizer Zeitung "Blick".

Genau das ist jetzt trotzdem passiert: Durch die "Blick"-Veröffentlichung geriet die islamkonforme Schoko-Produktion in den Fokus, andere Medien haben die Meldung aufgegriffen. Eine entsprechende Meldung von "Focus Online" wurde zum Beispiel am Sonntag zum deutschsprachigen Artikel mit den meisten Social-Media-Interaktionen: 32.700 Reaktionen gab es auf den Artikel bei Facebook und Twitter. (Meedia)

Die Aufregung bleibt nicht ohne Widerspruch – viele machen sich über die Boykott-Aufrufe lustig. 

Oder versuchen wenigstens, die alte Nachricht richtig einzuordnen.

Cola? Es ist nicht der erste Boykott-Aufruf der vergangenen Tage: Auch Coca-Cola und Kölsch werden von aufgebrachten Rechten derzeit boykottiert.

Der Grund: Aktivistinnen und Aktivisten haben Plakate im Namen der Firmen gestaltet, die sich gezielt gegen die AfD richten. Zwar haben die Unternehmen nichts damit zu tun, sie verurteilten die Aktionen aber auch nicht. 

Mittlerweile tobt im Netz ein regelrechter Kulturstreit um verschiedenste Produkte. Toblerone wird nun von den einen gehasst, von anderen gerade deshalb glorifiziert. 

  • Das zeigt: Um die Qualität eines Produkt geht es kaum, es ist nur Reibefläche für einen aufgeladenen Diskurs. Dabei geht es nicht länger um die Sache – über die Praxis des Tierschächten im Islam ließe sich tatsächlich streiten – sondern nur noch um maximale Konfrontation. 

Unternehmen bringt das in eine schwierige Position: Soll ich mich auf eine Seite stellen und politisch Farbe bekennen? Oder den Shitstorm lieber ignorieren, notfalls zu Lasten der eigenen Glaubwürdigkeit?

Toblerone selbst hat auf den "halal"-Boykott noch nicht reagiert. Auf den Social-Media-Kanälen des Unternehmens geht es weiter, worum es schon immer ging: um Schokolade.


Today

Merkwürdiger Auftritt: Jean-Claude Juncker wuschelt Amtskollegin durch die Haare

Jean-Claude Juncker ist als Präsident der Europäischen Kommission der höchste Vertreter der EU. Bei öffentlichen Auftritten merkt man das allerdings nicht immer, sagen manche. Dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán verpasste er einmal vor laufenden Kameras eine Ohrfeige. 

Auf Twitter sorgt derzeit ein neues Video für Aufsehen. Darin zu sehen: 

Jean-Claude Juncker, wie er einer Frau durch die Haare wuschelt

Bei einem Treffen des Europäischen Rats in Brüssel will Juncker offenbar Pernilla Sjölin begrüßen, die Protokoll-Chefin der EU. Diese kommt auf ihn zu, als sie sich gegenüber stehen, fasst Juncker ihr mit beiden Händen in die Haare und wuschelt sie einmal kräftig durch. Anschließend gibt es ein Begrüßungsküsschen und Sjölin dreht sich mit leicht verdutztem Blick um.

Hier ist die Szene im Video: