Kühnert: "Offen bleibt die Frage, ob die Redaktion auch auf Fakemails dreijähriger Hunde reinfallen würde."

Die "Bild"-Zeitung wettert seit einigen Wochen gegen den Mitgliederentscheid der SPD über die GroKo. Auch Teil der Berichterstattung: Angeblich habe Juso-Chef Kevin Kühnert in Erwägung gezogen, die Hilfe eines Russen mit dem Namen "Juri" anzunehmen. "Juri" habe Kühnert mit Fake-Accounts bei der Kampagne gegen die GroKo unterstützen wollen, schrieb die Zeitung. Angebliche Beweise: E-Mails zwischen Kühnert und "Juri". 

Die E-Mails seien gefälscht, hieß es von den Jusos sofort. "Bild" berichtete trotzdem.

Nun hat sich die Satirezeitung "Titanic" zu Wort gemeldet.

Nach eigenen Angaben steckt sie hinter dem angeblichen E-Mail-Verkehr zwischen Kühnert und dem Russen.

Sie hat "Juri" offenbar erfunden.

Die "Titanic"-Redakteure witzeln:

Wie soll man solche Fälschungen erkennen, wenn man unbedingt eine Kampagne fahren will?

Redakteur Moritz Hürtgen erklärt in einer Meldung des Magazins, wie die Satirezeitung nach eigenen Angaben den Fake untergebracht haben will:

"Eine anonyme Mail, zwei, drei Anrufe - und 'Bild' druckt alles, was ihnen in die Agenda passt." Plump sei die Fälschung jedoch nicht gewesen, so Hürtgen: "Da stecken mindestens drei Stunden Arbeit drin." Es sei sauberer Profijournalismus "exklusiv irgendwelche Mails zu veröffentlichen und dabei so zu tun, als berichte man über eine Kampagne anderer".

Den angeblichen E-Mail-Verkehr hat "Titanic" auf ihrer Website veröffentlicht. Dort kann man eine Datei herunterladen. Sie enthält Mails, die auf den ersten Blick wie der Schriftverkehr aussehen, über den die "Bild" auszugsweise berichtete. Überprüfen lässt sich die Version der "Titanic" allerdings nicht.

Juso-Chef Kühnert sagte bento:

"Wir haben von Anfang an gesagt, dass das eine plumpe Fälschung ist. Jetzt ist es halt ein witziger Fake. Weniger witzig ist, dass die 'Bild' auf diese fragwürdigen Informationen eine mehrtägige Berichterstattung aufgebaut hat, die jeder Grundlage entbehrte."

Und weiter: 

Wir sorgen uns um die journalistische Sorgfalt seitens der 'Bild'. Offen bleibt die Frage, ob die Redaktion auch auf Fakemails dreijähriger Hunde reinfallen würde.

Die "Bild"-Zeitung weist drauf hin, dass sie die Echtheit der E-Mails immer in Frage gestellt hat. Tatsächlich hatte sie im letzten Satz der Geschichte geschrieben: "Für die Echtheit gibt es keinen Beweis".

Die Zeitung druckte die Geschichte trotzdem auf die erste Seite. Überschrift: "Neue Schmutzkampagne bei der SPD". (Hier ist die Geschichte hinter einer Bezahlschranke)

Ein Sprecher der "Bild" gab auf SPIEGEL-Anfrage folgendes Statement heraus:

"Die Echtheit der uns anonym zugestellten E-Mails haben wir immer deutlich in Frage gestellt und journalistisch eingeordnet: 'Für die Echtheit gibt es keinen Beweis' (BILD, 16.2.2018). Auslöser unserer Berichterstattung war die Ankündigung der SPD, Strafanzeige gegen Unbekannt zu stellen. Wir sind gespannt, ob die SPD diese nun gegen Titanic richten wird."

Danach sieht es derzeit nicht aus. Kühnert reagiert auf Twitter mit diesem Gif:

Als Hashtag wählte die "Titanic" #miomiogate.

Der Hintergrund: Kevin Kühnert soll in den Mails, die die "Bild" zitiert, nach dem Lieblingsgetränk eines gemeinsamen Bekannten gefragt haben, über den der ominöse Juri aus St. Petersburg Kontakt zum Juso-Chef herstellen wollte.  Die Antwort, die beweisen sollte, dass beide sich wirklich kennen: 

"Mio Mio Mate Ginger".

Update: Die "Bild" hält es auch für wahrscheinlich, dass sie von der "Titanic" reingelegt worden ist. Chefredakteur Julian Reichelt schreibt: "Wir bedauern, dass wir nicht von Anfang an berichten konnten, dass mutmaßlich ein Satire-Magazin hinter den gefälschten Mails von Kevin Kühnert steckt."


Gerechtigkeit

US-Waffenbesitzer zerstören demonstrativ ihre Gewehre
Einsicht nach dem Amoklauf in Florida

Scott Pappalardo war einer der Ersten. Er ist stolzer Waffenbesitzer im US-Staat New York, unter anderem gehört ihm ein halbautomatisches Sturmgewehr vom Typ AR-15. Nun hat Pappalardo es in einem Video zersägt – und das Video auf Facebook mit dem Hashtag #oneless versehen. Eins weniger.

Der Grund: Das AR-15 ist die gleiche Waffe, mit der ein 19-Jähriger vergangene Woche ein Blutbad an einer Schule in Florida anrichtete.

Der Amoklauf ist der neuste traurige Zwischenfall in einer langen Reihe von Gewalttaten an US-Schulen. Oft kehren die USA danach schnell zur Normalität zurück, aber dieses Mal scheint die Wut über die laschen Waffengesetze zu gewinnen. Es kann nicht so weitergehen wie bisher, finden viele.