Bild: dpa/Caroline Seidel
Er würde die Mindestlaufzeit ja vielleicht nicht erfüllen.

Aus der Tatsache, dass er an Leukämie erkrankt ist, macht der ehemalige Stabhochspringer Tim Lobinger kein Geheimnis. Er spricht in Fernsehsendungen offen über seinen Kampf mit der Krankheit und hat auch ein Buch geschrieben (SPIEGEL ONLINE). Mit einer Folge dieser Offenheit hat er aber sicherlich nicht gerechnet: Wegen der Erkrankung durfte er keinen neuen Handyvertrag abschließen.

Und die Begründung des Unternehmens ist einfach nur dreist.

Er habe ein passendes Angebot mit einer Mindestlaufzeit von 24 Monaten gefunden und eine Anfrage gestellt, die kurz darauf abgelehnt wurde. "Mit der Begründung, ich könnte die Mindestlaufzeit aufgrund meiner Erkrankung wohl nicht erfüllen", so erzählt Lobinger es im Interview mit "Bunte". 

Seit 2017 kämpft er mit der Krankheit.

Er habe zwar kein Problem damit, offen über seine Erkrankung zu sprechen, "aber die Sache mit dem Handyvertrag fand ich schon krass". Im März 2017 ist Lobinger Leukämie diagnostiziert worden. Seitdem musste er fünf Chemotherapien, eine Stammzellentransplantation und Bestrahlungen über sich ergehen lassen. Zeitweise schien er den Krebs besiegt zu haben, doch im Januar 2018 entdeckten seine Ärzte erneut Krebszellen. 


Gerechtigkeit

Wiesn in München: Was können Männer und Frauen gegen sexuelle Übergriffe tun?
Wir klären sechs Fragen.

Seit fast zwei Wochen läuft das Oktoberfest in München. Das bedeutet: Bier, Schweinshaxn und schunkelnde Menschen. Leider bedeutet die Wiesn manchmal aber auch: Hände da, wo sie nicht sein sollten, unpassende Anmachsprüche, sexistische Bemerkungen.

In diesem Jahr zählte die Polizei bislang 21 Sexualdelikte. Grabschereien, einer Frau wurde unter den Rock fotografiert, es gab mehrere versuchte Vergewaltigungen. (Polizei Bayern)

Wie sah es in den vergangenen Jahren aus?

2017 erfasste die Polizei 67 Fälle der sexuellen Belästigung. Doppelt so viele wie 2016. Das muss aber nicht heißen, dass die Zahl tatsächlich gestiegen ist. 2017 wurden die Sicherheitsmaßnahmen, darunter auch die Überwachungsmöglichkeiten, deutlich verschärft. Es kann also auch sein, dass deshalb mehr Fälle bemerkt wurden. (Vice)

Die "taz" geht sogar von einer Dunkelziffer von ungefähr 200 Vergewaltigungen pro Wiesn aus. Die Polizeistatistiken beschränken sich nur auf Anzeigen, die in einem bestimmten Zeitraum aufgegeben werden.

So fließen in die offiziellen Zahlen keine Anzeigen ein, die erst nach der Wiesn bei der Polizei eingehen. Was ebenfalls häufig nicht bedacht wird: Viele Frauen trauen sich nicht, ihre Vergewaltigung oder Belästigung anzuzeigen.

Warum passieren auf dem Oktoberfest diese Übergriffe?

Auf dem Oktoberfest fließt viel Alkohol, der wirkt enthemmend. Viele Menschen sind auf wenig Raum eng beieinander.

"Wir haben festgestellt, dass es auf dem Oktoberfest einfach vermehrt Gewalt gegen Frauen gibt", sagt Kristina Gottlöber von der Aktion "Sichere Wiesn für Mädchen und Frauen". Deshalb hat sie vor 15 Jahren die Aktion ins Leben gerufen, die Frauen helfen soll, sich vor sexuellen Übergriffen zu schützen.

Was macht "Sichere Wiesn für Mädchen und Frauen" genau?

Die Aktion ist ein Zusammenschluss dreier Organisationen: vom "Frauennotruf München", der "Initiative für Münchner Mädchen" und "AMYNA".

Neben einer App, Tipps auf ihrer Webseite und Flyern haben sie auch einen Security Point auf dem Wiesn-Gelände. Hier helfen Gottlöber und ihre Kolleginnen Frauen, die Opfer von Übergriffen wurden und bieten ihnen neben einer Beratung auch einen Fahrdienst an, der sie sicher nach Hause bringt.

Der Bekannheitsgrad der Aktion ist in den vergangenen 15 Jahren gestiegen. Inzwischen werden auch englische Flyer in nahegelegenen Hotels ausgelegt und es gibt Werbung in der U-Bahn. Gottlöber zufolge nahmen im Jahr 2003 nur 28 Frauen das Angebot an – im vergangenen Jahr waren es 257.

Was, wenn man sich als Frau nicht sicher ist, ob man auf die Wiesn gehen soll?

Gottlöber sagt: Frauen sollten selbstbestimmt entscheiden. "Natürlich ist das Gewaltpotential auf der Wiesn deutlich höher, sonst gäbe es unsere Aktion nicht. Aber am Ende muss eine Frau selbst entscheiden dürfen, ob sie sich die Wiesn nehmen lassen will, oder nicht." Auch sie gehe privat auf die Wiesn. 

Was können Frauen vor Ort machen, um sich sicherer zu fühlen?

Die "Sichere Wiesn" empfielt auf ihrer Webseite, während des Alkoholkonsums zwischendurch etwas zu essen, wachsam zu sein, ob jemand K.O.-Tropfen verteilt, sich einen sicheren Heimweg auszusuchen oder einen eindeutigen Treffpunkt mit Begleiterinnen und Begleitern auszumachen.