Genau das hat der Schauspieler Ulrich Tukur aber gemacht.

Nachdem mehrere Frauen dem Regisseur Dieter Wedel sexuelle Gewalt vorwerfen, äußern sich jetzt auch immer mehr Männer aus der Branche. Den Anfang machte Filmemacher Simon Verhoeven. Er bezeichnete Wedel in der vergangenen Woche als "Dreckssack" und klagte seine Branche an, die diesen "brutalen Gewalttäter" geschützt hätte. (bento)

Doch nicht alle sind so deutlich in ihrem Urteil wie Verhoeven. Schauspieler Ulrich Tukur sagte in einem aktuellen SPIEGEL-Interview: Wedel sei kein "Monster". Er fürchte, dass der Mann "an der Sache" zugrunde gehen könnte. 

Der Fall Dieter Wedel

Mehrere Frauen werfen dem Regisseur Dieter Wedel, 75, ("Die Affäre Semmeling", "Der König von St. Pauli") sexuelle Belästigung und Missbrauch vor. Ehemalige Schauspielerinnen, unter anderem Esther Gemsch und Ute Christensen, berichten anonym oder mit ihrem Namen darüber in der "Zeit". Wedel bestreitet die Vorwürfe, seine Sprecherin teilte mit, er habe eine Herzattacke erlitten. 

Da die Fälle zum Teil mehrere Jahrzehnte zurückliegen, können sie juristisch nicht mehr verfolgt werden. Derzeit steht Aussage gegen Aussage. (SPIEGEL ONLINE

Tukur beklagt öffentliche Verurteilung: 

Ich finde das alles so prekär, das geht so tief, das ist so erschütternd, dass man diese Anschuldigungen, sofern sie nicht verjährt sind, in der Ruhe eines Gerichtssaals verhandeln und den Beschuldigten nicht in die Arena zerren sollte, wo er unter dem Beifall der johlenden Menge öffentlich gevierteilt wird, ohne sich verteidigen zu können.

Er habe das Gefühl, es müsse jetzt jemand kommen, der ihn auch mal beschützt, sagt Tukur über die Motivation zu seinem Interview.

Tukurs Aussagen stießen Til Schweiger ziemlich auf.

In einem Interview kritisierte er Tukur deutlich. Zunächst bezog er sich auf dessen Aussage, die Frauen hätten schon damals zur Polizei gehen sollen. "Er sagt das, obwohl er im nächsten Satz sagt, dass er wisse, dass Opfer aus Angst und Scham nicht anzeigen", sagt Schweiger. (Bild am Sonntag)  

Dass Tukur an Wedel einen lieben Brief geschrieben habe, sei sein gutes Recht. "Schön wäre aber auch ein Brief an die sieben Frauen gewesen, die den Mut hatten, an die Öffentlichkeit zu gehen."

Schweiger kritisierte zudem, dass zu viele Menschen derzeit Unverständnis dafür zeigten, dass erst jetzt Taten angezeigt würden: "Das muss aufhören."

Stattdessen brauche es mehr Aufklärung darüber, was die Opfer durchmachten und warum sie so lange geschwiegen hätten.


Future

Ich war arm, aber nicht asozial
Wie es ist, bei einer arbeitslosen Mutter aufzuwachsen

Mein bester Freund Philipp und ich warteten im Wohnzimmer auf unsere Strafe. Keine Ahnung, was wir damals wieder ausgefressen hatten, aber an eines erinnere ich mich noch sehr gut: Philipps Mutter gab sofort mir die Schuld. 

Ich hätte Philipp mal wieder auf dumme Ideen gebracht, warf sie mir vor. Was sie eigentlich meinte: Das verzogene Arbeitslosenkind von gegenüber hat einen schlechten Einfluss auf ihren Jungen. Ein Stempel, den ich auch 20 Jahre später noch nicht losgeworden bin.